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Dokumentation
03. Januar 2018

Eine umstrittene Predigt

idea dokumentiert die Predigt von Pfarrer Steffen Reiche, die er an Heiligabend in der Evangelischen Kirchengemeinde Nikolassee in Berlin hielt. Der Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, Ulf Poschardt (Berlin), hatte sie als zu politisch kritisiert. „Wer soll eigentlich noch freiwillig in eine Christmette gehen, wenn er am Ende der Predigt denkt, er hat einen Abend bei den Jusos bzw. der Grünen Jugend verbracht”, schrieb er auf Twitter.

Liebe Gemeinde am Heiligen Abend, liebe Schwestern und Brüder, denn das sind wir ja durch das Kind in der Krippe nun alle geworden!

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„Wisst ihr noch wie es geschehen?“

Viele Male haben wir es in den letzten Tagen in der Gemeinde gesungen, wenn wir wieder ein Adventskalendertürchen geöffnet haben.

Aber ich weiß nicht, ob es wirklich so war, damals in Israel, in Bethlehem. Ich war nicht dabei. Nur Maria und Joseph waren dabei. Maria garantiert. Joseph vermutlich.

Aber warum hat sie es nur dem Evangelisten Lukas erzählt und nicht auch Markus, den sie vielleicht noch gekannt haben könnte oder dann wenigstens Matthäus oder Johannes? Die kennen oder erzählen zumindest keine Geschichte wie sie uns Lukas erzählt.

Aber diese Geschichte ist eine klare Ansage Gottes. Und die ist wahr.

Ob die Geschichte so war, weiß ich nicht, aber die Ansage Gottes ist wahr.

Manchmal sind eben Dinge, die nicht waren, wahrer als Dinge die waren.

Denn nur wahre Geschichte währen lange, haben lange Gültigkeit und verändern die Welt.

Der früheste Evangelist Markus erzählt keine Geschichte von Weihnachten. Vielleicht weil er keine kannte oder vielleicht weil sie ihm nicht wichtig war. Und die späteren, Lukas und Matthäus und Johannes, erzählen jeweils eine andere. Eben um damit ihre Deutung von der wahren Geschichte vom Kreuzestod Jesu vorzubereiten.

Wer Weihnachten ohne Ostern feiert, der isst von der Gans nur die Haut.

Ich weiß, dass manche das gern machen, aber leben kann man davon doch nicht!

Warum erzählt Lukas im Namen Gottes ausgerechnet die Geschichte vom Kind in der Krippe? Denn eine Gewinnergeschichte ist das doch nun gerade nicht!

Weil eben das die klare und wahre Ansage Gottes ist: Es ist kein Platz für Gott in der Welt!

Und ist das nicht auch unsere Erfahrung der letzten Wochen? Die Kirche hat uns eine Adventszeit auf Weihnachten geschenkt, auf das Kommen Jesu in die Welt. Vorbereitung auf das Kommen Gottes in die Welt! Advent, Ankunft Gottes in der Welt.

Und wozu haben wir sie genutzt? Wir haben Weihnachtsmärkte besucht und Weihnachtsfeiern gemacht, mitten im Advent. Sie alle hätten eigentlich Adventsmärkte und Adventsfeiern heißen müssen. Und meist kamen die Lieder dabei nur aus der Konserve. Und zur Kirche waren auch viele nicht, zumindest nicht, wenn ich da war.

Aber wenn in der Adventszeit die Hauptsache nicht die Hauptsache ist, wie soll dann zu Weihnachten die Hauptsache die Hauptsache sein? Oder wenigstens werden?

So wie damals in Israel, in Gottes heiligem Land, in Bethlehem, in Gottes Schöpfung kein Platz war für Gott, so war in unserer Vorweihnachtszeit kein Platz für Gott. Wir hatten mit Vorbereitungen, mit Briefen und mit Geschenken zu viel zu tun. Und ich nehme mich da gar nicht aus! So viel besser, als sie denken, bin ich dann da leider auch nicht!

Es ist kein Platz für Gott in seiner Schöpfung, weil wir ihm keinen Raum geben. Und so wird der Schöpfer unserer Schöpfung eben in einer Krippe geboren, tritt soweit zurück, dass er als Mensch dorthin gelegt wird, wo sich eigentlich Ochs und Esel ihr Futter nehmen.

Es gibt eine kleine Geschichte, die von diesem Hochmut der Menschen Gott, dem Schöpfer gegenüber erzählt: Die Creme de la Creme der Forscher glaubt, endlich dem Geheimnis der Schöpfung – oder wenn Sie mögen der Evolution – auf die Spur gekommen zu sein und fordert Gott heraus. Und Gott lässt sich auf diese Herausforderung ein. Beide, Gott und die Forscher, sollen noch einmal die Erde neu schaffen. Aber als sie beginnen und die Forscher alle ihre Vorbereitungen getroffen haben, sagt Gott: „Wir können das machen. Aber dann darf natürlich jeder nur von seiner Erde nehmen …“

Lukas erzählt seine Weihnachtsgeschichte so wie wir sie kennen, weil in der Krippe schon das Kreuz zu spüren ist. Wer in der Krippe geboren ist, landet eben vielleicht später am Kreuz. Die moderne Soziologie und Pädagogik bestätigt das. Wer unter so misslichen Bedingungen wie in einem Stall geboren wird, bringt es im Leben oft zu nichts.

Der Erfolg unseres Lebens und das Ende unseres Lebens ist uns meist schon in die Wiege gelegt. Das Leben Gottes in der Welt endet also so, wie es angefangen hat – ausgegrenzt, ausgeschlossen, am Rande! Von den Menschen nicht akzeptiert!

Von Weihnachten, von der Geburt Jesu wissen wir nicht, wie es sich wirklich zugetragen hat! Aber vom Tod Jesu wissen wir es! – Von Bethlehem nach Golgatha, von der Krippe zum Kreuz. – In der Legende von der Krippe ist die Geschichte vom Kreuz schon zu spüren! Über der Krippe leuchtet schon das Kreuz!

Diese Legende hat Geschichte gemacht, hat Weltgeschichte gemacht, hat eine Weltkarriere! Wir Deutschen sind ja nicht nur zum x-ten Mal Exportweltmeister geworden, weil unsere Autos und Maschinen in aller Welt so beliebt sind, sondern unsere Art Advent und Weihnachten zu feiern ist auch in aller Welt übernommen worden, hat sich exportiert – Weihnachtsbäume, Adventskalender, Lebkuchen, Pyramiden und Schwibbogen, Lieder und Gedichte usw. Aber das ist nur die eine, die äußere Seite.

Viel mehr meine ich, dass der innere Kern der Legende, der Weihnachtsgeschichte, die Welt verändert hat! Zu Weihnachten hat sich Gott uns Menschen so genähert, dass alle in der Geschichte größer sind als Gott und mehr in ihrem Element – Ochs und Esel in ihrem Stall, und damit also auch Heiden und Christen, denn Ochs und Esel stehen ja bei den Krippenbauern für Heiden und Christen. Und eben auch Maria und Joseph, die Eltern, sind größer als das Kind in der Krippe! Mehr in ihrem Element als Gott, der in diesem Kind zur Welt kommt. Gott lässt dem Menschen den Vortritt, drängelt sich nicht vor, sondern kommt unscheinbar zur Welt. Gott wird eben wirklich Mensch „und äußert sich all seiner Gewalt. Nimmt an eins Knechts Gestalt, der Schöpfer aller Ding“.

Bethlehem, die kleine Stadt neben Jerusalem ist wohl vor allem deshalb der Geburtsort Gottes in der Welt, weil der Prophet Micha verheißen hat: „Und du Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist … Und die Menschen werden sicher wohnen; denn er wird zur selben Zeit herrlich werden, so weit die Welt ist. Und er wird der Friede sein.“

In Bethlehem, keine halbe Stunde von Jerusalem entfernt, im heutigen Palästinensischen Autonomiegebiet, da steht denn auch die Geburtskirche Jesu und wird in diesen Tagen von Tausenden Pilgern besucht.

Das Warten auf den Messias, seit er durch die Propheten angekündigt worden ist, hat sich für die Juden also gelohnt. Aber zugleich ist Jesus die größte denkbare Enttäuschung aller jüdischen Hoffnungen auf einen Messias! Und seien wir ehrlich, letztlich auch unserer Hoffnungen. Denn wir wollen doch, denken doch, erwarten und hoffen doch, dass man, wenn Gott kommt, es so merkt, dass keine Diskussion darüber mehr möglich und nötig ist! Dass Gott also so überwältigend kommt, dass sich alles in der Welt auf einen Schlag ändert und nichts mehr ist, wie es vorher war.

Aber Gott lässt sich Zeit. Gott gibt uns Zeit. Gott lässt uns den Vortritt.

Gott lässt uns die Freiheit selber zu entscheiden, ob wir ihm als Kind in der Krippe trauen. Und ob wir Gott am Kreuz trauen. Ihm etwas zutrauen. Oder eben lieber doch noch auf etwas anderes, etwas überwältigendes, was uns alle Freiheit nimmt, warten?

Gott ist anders als wir denken! Gott verändert als Kind und erst recht dann als Gekreuzigter die Welt! Als zartes, unscheinbares, mit einem Griff zu tötendes Kind, und dann erst recht als Ausgeschlossener, als Verachteter, als Verbrecher am Kreuz!

Aber eben auch als INRI! So steht es über jedem Kruzifix in der Welt: als Jesus von Nazareth, als König der Juden. Die Juden hätten das damals gern noch geändert, aber da blieb Pilatus hart.

Aber dieses Kind wird reden – Unerhörtes! So etwas hat es bis dahin in Israel und bis heute in der Welt nicht gegeben. Unerhört – wirklich noch nie zuvor und seitdem gehört. Er legt sich an mit den Pharisäern und Schriftgelehrten, den Mächtigen seiner Zeit und streitet mit ihnen! Und bis heute sind wir in vielen ethischen Fragen auf seiner Seite, egal ob wir Christen oder Atheisten sind, ob wir Juden oder Muslime sind. Denn Jesus war ein alle Zeiten überragender Lehrer, ein phänomenaler Rabbi.

„Ich aber sage euch!“ sagt er nicht aus Hochmut, sondern aus Vollmacht. Und was er sagt, ist nicht nur unerhört, sondern bis heute eine Zumutung: Nicht mehr „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, sondern „Halte auch die andere Wange hin“ und brich der Gewalt, damit die Spitze beende die tötende Kraft der Gewalt indem du ihr die Spitze nimmst – so wie es Franziskus, Mahatma Gandhi, Martin Luther King, Nelson Mandela, die Bürgerbewegung in der DDR oder Mutter Theresa gemacht hat.

Jesus ist eben kein Weichei, das jeden Streit fürchtet und flüchtet, sondern einer der im Auftrag Gottes die neue Zeit ansagt und herbeiführt. Jesus ist einer, der beginnt zu heilen, weil er Gott glaubt, dass Krankheit  nicht eine Strafe Gottes ist, wie es bis dahin alle Welt glaubte. Und deshalb gibt es seitdem in aller Welt Krankenhäuser, in denen die Ärzte nicht Gott ins Handwerk pfuschen, sondern den Menschen Heilung geben, so wie es Gott will! Denn in Gottes Schalom sein, heißt eben heil sein, ganz sein und nicht kaputt, zerstört.

Seit Jesus gehen die Uhren anders, berechnen wir unsere Zeit neu. Keiner ist ihm bis heute vergleichbar, auch nicht Mohammed! Denn der hat, und der Koran schweigt darüber auch gar nicht, sich nicht nur viele Frauen genommen, um den Schmerz über die eine verlorene zu besänftigen, sondern auch Minderjährige. Dass seine Frau Aisha 9 Jahre alt war, bestreiten nicht mal die Gelehrten in Saudi-Arabien. Sie bestreiten nur, dass sie 6 Jahre alt war, wie es die Texte doch nahelegen.

Und Jesus hat keinen Krieg geführt wie Mohammed, der 622 aus Mekka vertrieben, Mekka schon 8 Jahre später – 630, als Prophet und als Emir von Medina und als General der Truppen seines Emirats zurückerobert.

Nein, wenn einer Jesus vielleicht wirklich vollgültig nachgelebt hat, dann war es doch Franziskus, der vielen seiner Zeit als Idiot erschien, wie ja auch die großen Christusromane von Dostojewski oder von Gerhardt Hauptmann die Nachfolger Jesu als Idioten in den Augen ihrer Zeitgenossen beschreiben.

Damals zu Weihnachten beginnt die Revolution, dass alle Zeiten ändernde Kommen Gottes in die Welt! Bis ins 17. Jahrhundert wird man Revolution immer weiter als Umwälzung der Sterne verstehen. Erst dann verwendet man das Wort Revolution erstmals auch für Umwälzungen auf der Erde, wie bei der Glorious Revolution in England, die wie alle Revolutionen in Europa danach und davor im Grunde nur endlich umsetzen will, was mit der Geburt Jesu in der Krippe doch schon längst begonnen hat. In diesem Jahr haben wir gleich zwei der europäischen Revolutionen erinnert – die Revolution in Deutschland, die wir uns angewöhnt haben Reformation zu nennen, denn das war sie ja unter anderem auch! Und die Russische Revolution, die nun endlich 1917 durchsetzen wollte, dass auch der Bauer, der Muschik, in den Weiten Russlands und die Arbeiter gleichberechtigt würden und genug zu essen haben.

Wie es aber damals und auch heute noch in weiten Teilen unserer Welt bestellt ist, zeigt auf eindrückliche Weise das Weihnachtsgedicht von Erich Kästner.

Morgen, Kinder, wird‘s nichts geben!

Nur wer hat, kriegt noch geschenkt.

Mutter schenkte euch das Leben.

Das genügt, wenn man‘s bedenkt.

Einmal kommt auch Eure Zeit.

Morgen ist‘s noch nicht so weit.

 

Doch ihr dürft nicht traurig werden,

Reiche haben Armut gern.

Gänsebraten macht Beschwerden,

Puppen sind nicht mehr modern.

Morgen kommt der Weihnachtsmann.

Allerdings nur nebenan.

 

Lauft ein bisschen durch die Straßen!

Dort gibt‘s Weihnachtsfest genug.

Christentum, vom Turm geblasen,

macht die kleinsten Kinder klug.

Kopf gut schütteln vor Gebrauch!

Ohne Christbaum geht es auch.

 

Tannengrün mit Osrambirnen -

lernt drauf pfeifen! Werdet stolz!

Reißt die Bretter von den Stirnen,

denn im Ofen fehlt‘s an Holz!

Stille Nacht und heilge Nacht -

Weint, wenn‘s geht, nicht! Sondern lacht!

 

Morgen, Kinder, wird‘s nichts geben!

Wer nichts kriegt, der kriegt Geduld!

Morgen, Kinder, lernt fürs Leben!

Gott ist nicht allein dran schuld.

Gottes Güte reicht so weit …

Ach, du liebe Weihnachtszeit!

Ja, Gottes Güte reicht so weit!

Deshalb haben wir, als die von Weihnachten geprägten Menschen doch 1.948 Jahre nach der eigentlichen Weihnacht, 1948 im Jahr des Heils in Genf bei den Vereinten Nationen die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ verabschiedet! Weil wir da, leider erst da, endlich begriffen hatten, dass alle Menschen seines Wohlgefallens die gleichen Rechte haben. Und die gelten nun am Ende diesen Jahres, am Gedenktag der Beschneidung Jesu für sage und schreibe 7.591.000.000 Menschen, also am Silvestertag in einer Woche – für die 7,5912 Milliarden Menschen, die es nach UN-Angaben dann geben wird. Denn jede Sekunde kommen auf unserer Erde rund 2,6 Menschen hinzu. Allein im Jahr 2017 des Heils ist die Weltbevölkerung um 83 Millionen Menschen gewachsen – soviel, wie Menschen in Deutschland leben.

Aber noch immer glauben die Staatsverführer wie Donald Trump, dass es einen Trickle down – Effekt geben könnte, dass wenn man den Reichsten nur genug Steuern erlässt, für die Armen schon genug übrig bleibt! Dass Brosamen vom Tisch der Reichen per trickle down auch die Armen reicher macht! Aber man muss schon so blöde sein, wie dieser Staatsverführer und Trampel, der nicht mal seine Haftcreme für seine x-ten Zähne richtig zu verwenden weiß, um dass zu glauben. Das hat schon damals bei Ronald Reagan und der Iron Lady in UK nicht geklappt und wird natürlich auch heute nicht klappen.

Der Beschluss im Senat und im Kongress der USA vor wenigen Tagen ist ein Feiertag für die Reichsten und ein Desaster für die Ärmsten im reichsten Land der Erde, dass ohne aufzuhören, die Bilder seiner toten Präsidenten auf Papier druckt und damit in aller Welt einkaufen geht.

Aber leider eben ist „Der Schoß fruchtbar noch, aus dem das kroch!“. Seit über fünfzig Jahren kennen wir diesen Satz von Bertolt Brecht. Er steht im Epilog des Theaterstücks „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“, dass das damalige Unrecht in die Gangsterwelt transferiert.

In den USA haben vor einem Jahr die dümmsten Kälber sich ihren „Schlächter“ selber gewählt. Wie auch beim Staatsverführer Erdogan im Nachbarland der EU, in der Türkei. Sie haben dort einen immer wieder gewählt, der nun nach einem dilettantischen Putschversuch selber einen Putsch machte und jetzt wie einst Stalin, Hitler oder Mao überall Feinde sieht, die ihn an der Ausübung seiner absoluten Macht hindern wollen.

Der Schlimmste aber, weil Klügste von diesen „Bad four“, inklusive dem Mann mit den Haaren auf dem Kopf aus Nordkorea, in der Welt, ist jedoch Putin, der „Russia great again“ machen will und dafür nicht nur Sportler dopt, sondern auch Wahlen in anderen Ländern manipuliert und jetzt, wie einst Breshnew, eine neue Spirale des Wettrüstens in Gang gesetzt hat. Doch mit größter Sicherheit endet das wie 1989 – nach einer gigantischen Ressourcenverschwendung für militärische Ausgaben – mit einem Desaster für Russland.

Bethlehem liegt bei Jerusalem, der Hauptstadt Israels seit 3.000 Jahren, seit König David. Man muss deshalb nicht jetzt schon erklären, dass man die amerikanische Botschaft in die Stadt verlegt, in der nach einem Friedensvertrag, sowohl die Botschaften beim Staat Israel als auch die Botschaften beim Staat Palästina liegen werden. Das kann doch nur das Ergebnis eines Friedensvertrages der beiden Staaten Israel und Palästina sein. Aber was mich weit mehr empört und verwundert und ekelt, ist dass die weltweite Umma der Muslime erst jetzt erstmals seit den Mohammed-Karikaturen aufgestanden ist und mit dem Verbrennen von Fahnen ihren Protest gezeigt hat. „Geht doch noch!“, habe ich in den letzten Tagen immer wieder gedacht. Denn während der IS mit seinem, wie uns gesagt worden ist, so ganz un-islamischen Wüten, Millionen Menschen das Leben nahm, ihre Würde und ihr Leben zu einer einzigen Hölle machte, haben wir es leider nicht ein einziges Mal erlebt, dass die Umma weltweit aufstand und die schwarzen Fahnen des IS verbrannte und den Islamischen Staat als unislamisch geißelte!

Aber wie absurd ist das denn? Erst wenn ein greiser Narzisst, mit trockenem Mund wie seine Sprecherin sagt oder ohne sein Haftcreme zu benutzen, etwas nuschelt, was noch Jahre ohne Folgen bleiben wird, erhebt sich die Umma! Die das aber, als Hundertausende Muslime und Christen abgeschlachtet wurden wie Vieh, leider nicht ein einziges Mal geschafft hat. Ich gebe zu, mein Vertrauen zu jenen ist stark gestört, denn sie messen immer wieder mit unverständlichen, absurden Maßstäben, aber eben nicht mit denen, die sie selber immer beschwören! Eben auch dann, wenn ein Imam, der ansonsten als Hassprediger bekannt ist in Berlin und beim Verfassungsschutz mit seiner Moschee beobachtet wird, mit Erlaubnis der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche beim Gedenken für die Opfer islamistischen Terrors vor fünf Tagen reden durfte!

Nur wenn wir von Gott zu Weihnachten lernen, können wir die Spannungen, die durch die Ungerechtigkeiten der Menschen, durch die Herrschsucht der Mächtigen, erzeugt werden, lindern oder gar in Frieden überführen.

Wir Deutschen haben unter dem vom amerikanischen Marshall-Plan erträglich gemachten Druck der Amerikaner nicht nur Demokratie gelernt, sondern auch gelernt, uns zu unserer Schuld, z.B. der Shoah, dem fabrikmäßigen Mord an sechs Millionen Juden, zu bekennen. Aber die muslimischen Türken leugnen bis heute den Völkermord an 1,5 Millionen christlichen Armeniern. Und die Spanier leugnen bis heute die Verbrechen der kastilischen Franco-Diktatur an den Katalanen. Und deshalb sind so viele dort heute für Unabhängigkeit, weil sie nie von den Spaniern um Vergebung für getanes Unrecht gebeten worden sind! Frieden aber wird erst möglich, wenn man getanes Unrecht nicht mehr leugnet, sondern um Vergebung von dieser Schuld bittet.

Ja, es gibt „Oasen des Friedens“ in der „Wüste des Krieges“ in der Welt, des Weltkriegs um Vorteile für die eigene Nation. Eine solche Oase ist der Vatikan geworden, in der der Papst, der erste, der sich nach dem Apostel der Armen, dem Heiligsten aller Heiligen, nach Franz von Assisi benannt hat, morgen den Segen der Weihnacht „urbi et orbi“ spendet, „der Stadt und dem Erdkreis“! Er hat die Missstände in seinem Vatikan vor aller Welt klar und deutlich angesprochen: „Verräter“ hat er in seiner Weihnachtsansprache diejenigen genannt, die seinen Reformkurs kritisieren. „In Rom Reformen zu versuchen, das ist so, als ob man mit einer Zahnbürste die ägyptische Sphinx säubern wolle“, hat er gesagt und keinen Zweifel daran gelassen, dass er genau das tun will. Dabei segne und schütze ihn Gott. Wie schon in seiner Weihnachtsansprache vor zwei Jahren ist das Oberhaupt der Katholiken mit Teilen seiner Kirchenregierung hart ins Gericht  gegangen. Denn „es gibt im Vatikan kleine Gruppen, die von ihren vermeintlich guten Absichten überzeugt seien, in Wahrheit jedoch ein Krebsgeschwür darstellen“, machte Franziskus seinem Ärger Luft über Kardinäle und Kirchenfürsten, die ihn kritisieren, seine Veränderungswünsche aber infrage stellen und seinen Kurs bezweifeln. Er hat niemanden bloßgestellt, aber jeder, der sich ein wenig mit dem Spiel hinter den dicken Mauern des Vatikans auskennt, wusste, wer gemeint war. Seine Kritiker hat der Papst erst vor kurzem erzürnt, als er meinte, dass die Zeile „… und führe uns nicht in Versuchung“ in der deutschen Übersetzung des „Vater unser“, umgeschrieben werden müsse. „Ein Vater tut das nicht. Ein Vater hilft mir, sofort wieder aufzustehen. Wer in Versuchung führt, ist Satan.“ Und so können sie gern im nächsten Jahr dann immer beten: „Und führe uns durch die Versuchung und erlöse uns von dem Bösen!“ und haben dann den Heiligen Vater in Rom auf ihrer Seite.

Mit so klarer Sprache ist er wirklich Nachfolger Christi, ist er wirklich Christ! Ist er wirklich Nachfolger von Petrus, der von Jesus mit der Leitung der Kirche beauftragt worden ist. Denn so klar hat auch Jesus zu den Pharisäern und Schriftgelehrten gesprochen! Und deshalb hat man ihm den politischen Prozess gemacht – vonseiten der Juden und der Römer. Sie haben den Jesus aus der Krippe, den Gott in der Welt bei uns und für uns, nicht ausgehalten und ihn deshalb ans Kreuz genagelt.

Und deshalb kann man in der Nachfolge Jesu nie predigen, ohne dass das Folgen für die Welt, für die Polis hat. Predigt ist keine Politik! Und darf es auch nicht sein wollen! Aber eben auch nie ohne politische Folgen!

Ich weiß, Nachfolge Christi kann auch zur Religion führen! Aber in Wirklichkeit ist sie das Ende aller Religion. Denn Religion ist doch immer auf der ganzen Welt, in allen Regionen, der eigene Versuch, sich Gott zu nähern. Zu Weihnachten aber endet dieser Unfug – denn Gott kommt uns näher, als wir ihm je kommen könnten. Wenn wir ihn suchen, hat er uns schon längst gefunden.

Deshalb bitte ich sie dieses Jahr zu Weihnachten: Machen sie es wie Gott, werden sie Mensch!

Und machen sie es wie Maria: Und bewegen alle Worte Gottes durch die Engel zu Weihnachten, die Worte des Papstes und wenn sie mögen auch diese Predigt in ihren Herzen.

Amen.

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