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Zum Tod von Helmut Kohl
16. Juni 2017

Er hatte einen „tiefen christlichen Glauben“

Altbundeskanzler Helmut Kohl verstarb am 16. Juni im Alter von 87 Jahren. Foto: picture-alliance/AP Photo
Altbundeskanzler Helmut Kohl verstarb am 16. Juni im Alter von 87 Jahren. Foto: picture-alliance/AP Photo

Berlin (idea) – „Helmut Kohl war der bedeutendste Politiker der Bundesrepublik Deutschland neben Konrad Adenauer.“ Mit diesen Worten hat der frühere Beauftragte der Deutschen Evangelischen Allianz am Sitz des Bundestages und der Bundesregierung, Wolfgang Baake (Wetzlar), den am 16. Juni in Ludwigshafen im Alter von 87 Jahren verstorbenen Altbundeskanzler gewürdigt. Baake gilt als der Evangelikale, der Kohl aufgrund mehrerer Begegnungen mit am besten kannte. „Wir Deutschen haben ihm ganz viel zu verdanken“, sagte er gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Baake zeigte sich überzeugt, dass die Wiedervereinigung Deutschlands 1990 ohne das Wirken des CDU-Politikers nicht stattgefunden hätte. Kohl sei aber immer so demütig gewesen, dass er dieses Ereignis als ein Geschenk Gottes gesehen habe. Diese Überzeugung sei in seinem „tiefen christlichen Glauben“ begründet gewesen. 2004 sagte Kohl bei einem Kongress in Bonn: „Die Wiedervereinigung Deutschlands und das Zusammenwachsen Europas haben wir, und das sage ich ganz bewusst, mit Gottes Hilfe erreicht.“

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Für Kohl waren die Evangelikalen eine „bedeutende Stimme im Protestantismus“

Baake zufolge hat der Katholik Kohl vom Beginn seiner Kanzlerschaft 1982 an erkannt, dass „die Evangelikalen eine bedeutende Stimme im Protestantismus sind“. Er habe dies bei zahlreichen Begegnungen auch deutlich gemacht, etwa bei Gesprächen mit dem Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz. 1992 nahm der Kanzler am „Gemeindetag unter dem Wort“ in Stuttgart teil – zusammen mit rund 35.000 anderen Christen. Dabei bezeichnete er das Bibel- und Gebetstreffen als eine „großartige Sache“. Im gleichen Jahr gab er idea ein ausführliches Interview. Darin sagte er: „Für mich ist der christliche Glaube die wichtigste Quelle der Kraft und der Freiheit. Er sagt mir, dass wir als schwache, fehlbare Menschen Vollendung nicht aus uns selbst heraus finden können, sondern nur durch das Heilswirken Gottes.“ Diese Botschaft von Jesus Christus sei befreiend, gerade auch für jemanden, der in politischer Verantwortung stehe. 1994 erklärte Kohl: „Ich glaube nicht, dass ein Land ohne Glauben an Gott Zukunft hat. In diesem Jahrhundert sind in Europa die totalitären Systeme, die von Staats wegen Gottlosigkeit propagierten, gescheitert.“

Kohl scheute auch nicht die Kritik an den Kirchen

Der Kanzler äußerte sich wiederholt auch kritisch zu den Kirchen. So beklagte er 1999, dass sie zur deutschen Einheit „erbärmlich geschwiegen“ hätten. Kohl nannte es „traurig“, dass die Kirchen nicht in der Lage gewesen seien, zum Tag der deutschen Einheit (3. Oktober 1990) einen gemeinsamen Aufruf zu formulieren. Er hätte erwartet, dass sie „die Glocken läuten, Gott danken für das Geschenk der deutschen Einheit“. 1994 sagte Kohl in einem Interview, man brauche Kirchen, „die nicht verzagt sind, sondern frei und mutig die frohe Botschaft verkünden“. Kohl war von 1973 bis 1998 CDU-Vorsitzender und von 1982 bis 1998 Bundeskanzler.

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