Samstag • 22. Juli
„Kanzler der Einheit“ beigesetzt
02. Juli 2017

Trauergottesdienst für Kohl: Er hat an die Auferstehung Jesu geglaubt

Der Speyrer Bischof Karl-Heinz Wiesemann hielt das Requiem für Altkanzler Kohl. Foto: picture-alliance/Arne Dedert/dpa-Pool/dpa
Der Speyrer Bischof Karl-Heinz Wiesemann hielt das Requiem für Altkanzler Kohl. Foto: picture-alliance/Arne Dedert/dpa-Pool/dpa

Speyer (idea) – Politiker aus aller Welt haben am 1. Juli in einem Trauergottesdienst im Speyerer Dom Abschied von Altkanzler Helmut Kohl genommen. Die Ansprache in der Totenmesse hielt der katholische Bischof Karl-Heinz Wiesemann (Speyer). Der „Kanzler der Einheit“ war am 16. Juni im Alter von 87 Jahren in seiner Heimatstadt Ludwigshafen gestorben. Wiesemann würdigte Kohl vor rund 1.500 Gästen, darunter die Witwe Maike Kohl-Richter, als einen wahrhaft großen Staatsmann, „der seine pfälzische Heimat und sein deutsches Vaterland liebte und aus einem weiten, universalen Horizont heraus lebte und handelte“. Er sei in der Arbeiterstadt Ludwigshafen mit den Nöten der kleinen Leute aufgewachsen. Schon als Kind habe der Katholik „mit seiner tiefgläubigen Mutter“ am Gottesdienst im Dom teilgenommen. Während des Zweiten Weltkriegs habe er in Bombennächten mit anderen Jugendlichen unter Lebensgefahr Verschüttete aus den Kellern geholt. Zudem habe er den schmerzhaften Verlust seines im Krieg gefallenen Bruders Walter erleiden müssen. Dadurch sei seine Grundüberzeugung gereift, alle Kraft für Versöhnung und Frieden einzusetzen. Dabei habe er immer aus seinem christlichen Glauben heraus agiert. Als er etwa gefragt wurde, worauf er die Wiedervereinigung Deutschlands zurückführe, habe er geantwortet: „Auf Leistung, auf Fortune, auf Gnade.“

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Bischof Wiesemann: Kohl wusste auch um seine Ecken und Kanten

Der Altkanzler sei regelmäßig „als Beter“ in den Dom gekommen: „Ich denke, Helmut Kohl wusste auch um seine Ecken und Kanten. Dass er viele Dinge erreichte, aber manches auch zu kurz gekommen war.“ Nun schaue man, so Wiesemann, in der Stunde des Abschieds, „auf Christus, der unsere Versöhnung ist und Frieden gestiftet hat am Kreuz“. Er sei die Auferstehung und das Leben: „Daran hat Helmut Kohl geglaubt.“ Nach der Totenmesse wurde Kohl im engen Freundes- und Familienkreis auf dem Speyerer Domherrenfriedhof beigesetzt.

Merkel: Ohne Kohl wäre das Leben von Millionen Menschen anders verlaufen

Zuvor hatte am Morgen des 1. Juli ein „Europäischer Staatsakt“ im Europäischen Parlament in Straßburg stattgefunden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, dass ohne Kohl das Leben von Millionen Menschen, „die bis 1990 hinter der Mauer lebten“, völlig anders verlaufen wäre: „Jetzt ist es an uns, Ihr (Kohls, d. Red.) Vermächtnis zu wahren. Ich verneige mich vor Ihnen und Ihrem Angedenken in Dankbarkeit und Demut.“ Kohls Söhne Peter (51) und Walter (53) sowie ihre Familien nahmen nicht an den Feierlichkeiten teil. Sie hatten sich einen anderen Ablauf sowie eine Beisetzung in Ludwigshafen gewünscht. Dort befindet sich das Grab von Kohls erster Ehefrau Hannelore (1933–2001) und das seiner Eltern.

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