Montag • 22. Mai
Nordrhein-Westfalen
15. Mai 2017

So stimmten die Kirchenmitglieder ab

Kanzlerin Angela Merkel und CDU-Spitzenkandidat Armin Laschet freuen sich über den Wahlsieg in Nordrhein-Westfalen. Foto: picture-alliance/Michael Kappeler/dpa
Kanzlerin Angela Merkel und CDU-Spitzenkandidat Armin Laschet freuen sich über den Wahlsieg in Nordrhein-Westfalen. Foto: picture-alliance/Michael Kappeler/dpa

Düsseldorf (idea) – Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen (NRW) am 14. Mai haben sich deutlich mehr katholische als protestantische Wähler für die CDU entschieden. Das geht aus einer Wahltagsbefragung der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF hervor. Klarer Gewinner ist die CDU (33,0 %), die mit ihrem Spitzenkandidaten Armin Laschet im Vergleich zu 2012 um 6,8 Prozentpunkte zulegte. Die SPD erzielte laut dem vorläufigen amtlichen Endergebnis mit 31,2 Prozent das schlechteste Ergebnis in dem Bundesland seit 1947. Drittstärkste Partei wurde die FDP mit 12,6 Prozent, gefolgt von der AfD (7,4 %) und Bündnis 90/Die Grünen (6,4 %). Die Linke verpasste mit 4,9 Prozent knapp den Einzug in den Landtag. Damit verlor die bisherige rot-grüne Landesregierung unter Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) die Mehrheit. Die CDU konnte 43 Prozent der katholischen Wähler für sich gewinnen. Bei den Protestanten machten deutlich weniger ihr Kreuz bei der Union (28 %). Die evangelischen Wähler entschieden sich stattdessen überdurchschnittlich häufig für die SPD (37 %). Allerdings ist auch das im Vergleich zu 2012 ein kräftiger Rückgang: Damals votierte noch fast jeder zweite evangelische Wähler für die Sozialdemokraten (46 %). Bei den Katholiken büßte die SPD sieben Prozentpunkte ein und erreichte 27 Prozent der Stimmen. Die Grünen schnitten bei den Konfessionslosen (9 %) vergleichsweise besser ab als bei den Protestanten (6 %) und den Katholiken (5 %). Mit 15 Prozent bevorzugten überdurchschnittlich viele konfessionslose Wähler die Liberalen. Die AfD kam bei Konfessionslosen und Protestanten auf jeweils neun Prozent und bei Katholiken auf sechs Prozent. Die christliche Kleinpartei „Aufbruch C“ bekam 9.814 Stimmen, was einem Anteil von 0,1 Prozent entspricht. In Nordrhein-Westfalen sind von den 17,9 Millionen Einwohnern 39,3 Prozent katholisch und 25,4 Prozent evangelisch.

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Vertreter der Evangelischen Allianz: Christen waren mit der Bildungspolitik unzufrieden

Laut dem Politik-Beauftragten der Deutschen Evangelischen Allianz, Uwe Heimowski (Berlin), hat für Christen in NRW die Bildungspolitik eine wichtige Rolle gespielt. Auf diesem Gebiet seien viele nicht mit der Regierungsarbeit zufrieden gewesen. Die CDU hingegen habe in dem Bundesland erfolgreich mit dem Thema „Innere Sicherheit“ geworben. Bemerkenswert sei ferner, wie schnell in den vergangenen Monaten die Stimmungen gewechselt hätten. Vor zwei Monaten hätten noch der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz und seine Partei dominiert, nun sei wieder von einem Höhenflug der CDU die Rede. Die AfD werde wohl dauerhaft in Landesparlamenten vertreten sein und auch den Sprung in den Bundestag schaffen, sagte Heimowski gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea: „Dieser Realität müssen sich auch die Kirchen stellen und zu Gesprächen mit der AfD bereit sein.“ Für Christen werde es eine entscheidende Frage sein, welchen Weg die Partei in Zukunft einschlagen werde, nämlich „ob sie eine konservative Alternative zum etablierten Parteienspektrum wird oder ob sie sich zu einer rechtsradikalen Partei entwickelt“.

EAK der CDU/CSU: Rot-Grün wurde wegen eklatanter Mängel abgewählt

Für den Bundesvorsitzenden des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU (EAK), Thomas Rachel (Düren), ist die bisherige Regierungskoalition wegen eklatanter Mängel bei innerer Sicherheit, Infrastruktur und Bildungspolitik abgewählt worden. Für Laschet habe sich aber auch der enge Schulterschluss mit Bundeskanzlerin Angela Merkel ausgezahlt. Durch den NRW-Erfolg gehe die CDU mit „deutlichem Rückenwind“ in den Bundestagswahlkampf, sagte Rachel idea.

Präses Rekowski: Die AfD muss nun zeigen, ob sie konstruktiv mitarbeiten will

Nach Ansicht des Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski (Düsseldorf), zeigt das Ergebnis, dass die Wähler „eine veränderte Politik mit anderer Schwerpunktsetzung“ wollten. Die Parteien sollten nun den Wählerwillen wahrnehmen und umsetzen. Die AfD werde zeigen müssen, ob sie sich vor allem als Protestbewegung verstehe oder ob sie konstruktiv an der Gestaltung des Gemeinwesens mitarbeiten wolle: „Ich fände es problematisch, wenn diejenigen tonangebend blieben, denen offenkundig mehr an der Spaltung als am Zusammenhalt der Gesellschaft liegt.“ Die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus (Bielefeld), bezeichnete die höhere Wahlbeteiligung von 65,2 Prozent (2012: 59,6 %) als einen Gewinn für die Demokratie. Der neuen Regierung wünsche sie „Mut, Kraft und Segen Gottes“ für eine Politik, die allen Menschen des Landes ein Leben in Würde mit guter Perspektive ermögliche. Von der AfD erwarte sie eine konstruktive parlamentarische Arbeit. Von den 61,5 Millionen Wahlberechtigten in Deutschland leben 13,1 Millionen in Nordrhein-Westfalen.

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