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Pro und Kontra
07. Juni 2017

Müssen Christen für das Klimaschutzabkommen sein?

Wetzlar (idea) – US-Präsident Donald Trump hat am 1. Juni den Ausstieg seines Landes aus dem Pariser Klimaschutzabkommen verkündet. Politiker und Kirchen reagierten mit heftiger Kritik. Müssen Christen aus biblischen Gründen für ein solches Abkommen sein? Ein Theologe und ein Wirtschaftsprofessor äußern sich in einem Pro und Kontra für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar).

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Pro: Christen sollen alles begrüßen, was dem Schutz der Schöpfung dient

Der stellvertretende Direktor am Marburger Bildungs- und Studienzentrum, Thomas Weißenborn, ist der Meinung, dass Christen für das Klimaschutzabkommen eintreten müssen. Es sei eine „nahezu unbestrittene Tatsache“, dass der Mensch einen Anteil am Klimawandel habe. Die Folgen seien etwa steigende Meeresspiegel, Dürren und die Ausbreitung tropischer Krankheiten. In dem Abkommen bekenne sich die Menschheit zu ihrer Verantwortung der Schöpfung. Es enthalte für alle verbindliche Rahmenbedingungen, um den Kräften der Zerstörung Einhalt zu gebieten. Klimaschutz sei nicht nur aktiver Umweltschutz, sondern leiste einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Lebensgrundlagen in ärmeren Ländern: „Damit werden die Zahlen der Klimaflüchtlinge reduziert und unser Planet als Lebensraum für unsere Kinder erhalten.“ Weißenborn zufolge sollten Christen alles begrüßen, was die Menschheit in Bezug auf die Erhaltung der Schöpfung voranbringe.

Kontra: Der Klimaschutz muss auch wirtschaftlich sein

Dagegen ist der Mitherausgeber des Buches „Die Energiewende zwischen Vision und Wirklichkeit“, Prof. Reinhard Haupt (Jena), der Meinung, dass Christen auch gegen das Klimaschutzabkommen sein können. Es gebe weiterhin Zweifel, wie sehr der zivilisations- und industriebedingte Kohlendioxid-Ausstoß – neben natürlichen Einflüssen – für die Erderwärmung verantwortlich sei. Außerdem ist laut Haupt das System freiwilliger Absichtserklärungen labil, da ohne verbindliche Sanktionen bei Nichteinhaltung sich mancher Staat zum Rückzug veranlasst sehen könnte. Vor allem aber führten die nationalen Selbstverpflichtungen zu überteuerten Lösungen: „Erforderlich wäre ein international bindender Preis für Emmissionen.“ Damit würden sie dort vermieden, wo es am kostengünstigsten sei. Haupt: „Ökonomische Effizienz darf nicht durch ökologische Nachhaltigkeit verdrängt werden.“ Schon der Schöpfungsauftrag am Anfang der Bibel binde die wirtschaftliche Entwicklung an den Schutz der Schöpfung und umgekehrt.

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