Montag • 26. Juni
Debatte
09. Juni 2017

Ist in Marburg kein Platz für Evangelikale?

Neben dem Schloss hat die hessische Studentenstadt Marburg auch noch andere Sehenswürdigkeiten. Foto: pixabay.com
Neben dem Schloss hat die hessische Studentenstadt Marburg auch noch andere Sehenswürdigkeiten. Foto: pixabay.com

Marburg (idea) – In Marburg ist eine Debatte um die künftige Nutzung des denkmalgeschützten Ringlokschuppens auf dem Waggonhallenareal entbrannt. Konkret geht es um ein Konzept, das eine Einbindung des überkonfessionellen Christus-Treffs auf dem Gelände vorsieht. Er ist sowohl Gemeinde als auch Jugendbewegung, Missionsgesellschaft, Sozialwerk und geistliche Ideenschmiede. Bei der Vorstellung der verschiedenen Ideen im Stadtparlament kam es jetzt zu Protesten dagegen. Als der Geschäftsführer des Optikmaschinenbauers Schneider GmbH, Gunter Schneider, sein Konzept präsentierte, das den Christus Treff integrieren möchte, entrollte eine Gruppe von Besuchern ein Banner mit der Aufschrift „Kein Raum für Sexismus, Homophobie und religiösen Fundamentalismus“. Der Christus-Treff vertrete diskriminierende Inhalte und problematische Wertvorstellungen, so der Vorwurf. Zudem gebe es schon „zu viele evangelikale Strukturen in der Stadt“. Die Protestierer verwiesen unter anderem auf den 6. Internationalen Kongress für Psychotherapie und Seelsorge 2009 in Marburg. Dagegen hatte es damals heftige Proteste gegeben, weil Homosexualität vereinzelt als Krankheit dargestellt worden sein soll. Schneider widersprach den Vorwürfen bei der Konzeptvorstellung: „Sexuelle Orientierung und ethnische Herkunft sind uns völlig egal.“ Sein Plan sieht unter anderem vor, eine Kindererlebniswelt aufzubauen und einmal pro Woche im Veranstaltungssaal einen Gottesdienst anzubieten.

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Evangelische Allianz: Christen sind kein Störfaktor

Die Evangelische Allianz Marburg stellte sich auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea „uneingeschränkt“ hinter den Christus-Treff und das Vorhaben der Gemeinde, in Zukunft den Lokschuppen mit zu nutzen. „Wir respektieren es, dass dieses Anliegen auch auf Widerspruch stößt, und wünschen uns hierzu eine wertschätzende Auseinandersetzung und einen konstruktiven Dialog“, sagte der 1. Vorsitzende der Allianz, Pastor Alexander Hirsch. „Gleichzeitig macht es uns betroffen, dass Christen von Einzelnen offen als Störfaktor in Marburg bezeichnet werden und nicht zu Marburg passen sollen.“ Es sei ein Widerspruch in sich, dass die liberale und offene Haltung der Stadt dadurch geschützt werden soll, dass Christen bewusst ausgegrenzt werden. Marburgs Oberbürgermeister Thomas Spies (SPD) erklärte, er könne im Christus-Treff keine Gefahr erkennen. Sollte Schneider für sein Konzept jedoch den Zuschlag bekommen, so werde in den Vertrag eine Antidiskriminierungsklausel eingefügt. Der Christus-Treff bezeichnet sich als überkonfessionell, versteht sich aber zugleich als freies Werk innerhalb der Landeskirche. Leiterin des Christus-Treffs ist Elke Werner.

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