Samstag • 22. Juli
Kritik von Konservativen
27. Juni 2017

Kurswechsel der Kanzlerin bei der „Ehe für alle“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (links, CDU) wird von Brigitte-Chefredakteurin Brigitte Huber bei der Gesprächsreihe „Brigitte Live“ zur Bundestagswahl 2017 interviewt. Foto: picture-alliance/Jörg Carstensen/dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkel (links, CDU) wird von Brigitte-Chefredakteurin Brigitte Huber bei der Gesprächsreihe „Brigitte Live“ zur Bundestagswahl 2017 interviewt. Foto: picture-alliance/Jörg Carstensen/dpa

Berlin (idea) – Der Kurswechsel bei Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der sogenannten „Ehe für alle“ stößt in konservativen Kreisen auf Kritik. Die CDU-Vorsitzende ist vom grundsätzlichen Nein der Unionsparteien zur Ehe für Homosexuelle abgerückt. Bei einer Veranstaltung der Zeitschrift „Brigitte“ am 26. Juni in Berlin sagte die Kanzlerin, sie wünsche sich eine Diskussion, die „eher in Richtung einer Gewissensentscheidung geht“. Der Deutsche Bundestag soll nun noch diese Woche über die „Ehe für alle“ abstimmen. Die Unionsfraktion erklärte das Votum zur Gewissensfrage. Damit entfällt der sogenannte Fraktionszwang im Bundestag. Bei der Union wird mit einer Abstimmung am 30. Juni gerechnet. Eine Mehrheit für die Gleichstellung von homosexuellen Partnerschaften bei der Eheschließung gilt als sehr wahrscheinlich, da neben der SPD auch Linkspartei und Grüne das Vorhaben unterstützen.

ANZEIGE

Bundestagsvizepräsident Singhammer: Die CSU steht zur Ehe von Mann und Frau

Die Bestsellerautorin Birgit Kelle, die der CDU angehört, wirft der Kanzlerin vor, dass sie damit Parteitagsbeschlüsse übergeht. Im Kurznachrichtendienst Twitter schrieb sie: „Wenn der Brigitte-Talk mit Kanzlerin Parteitagsbeschlüsse der @CDU sticht. Demnächst dann Grundgesetzänderung bei der Möbelhaus-Eröffnung.“ Merkel hatte noch 2015 erklärt: „Für mich persönlich ist Ehe das Zusammenleben von Mann und Frau, das ist meine Vorstellung.“ Der Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Johannes Singhammer (CSU), lehnte eine „Ehe für alle“ im Deutschlandfunk ab. Die CSU bleibe bei ihrer im Grundsatzprogramm festgehaltenen Position: „Wir stehen zur Ehe von Mann und Frau.“ Er warnte davor, jetzt „einen scharfen Ton“ in die Debatte zu bringen. Im Kern gehe es um die Frage der Volladoption. In anderen Bereichen sei eine Gleichstellung erfolgt. Der frühere Verkehrsminister und CSU-Abgeordnete Peter Ramsauer sagte der Rheinischen Post: „Deutschland hat ganz andere Probleme. Aber die CDU-Führung soll sich davor hüten, auch noch die letzten konservativen Werte zu zerstören.“ Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hat Merkel die Linie mit dem bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer abgesprochen.

Bei den Kirchen gehen die Meinungen auseinander

Die Kirchen haben bisher noch nicht zu den jüngsten Äußerungen der Kanzlerin Stellung genommen. Bei ihnen gehen die Meinungen zur Homosexuellen-Ehe auseinander. Die EKD wolle sich „in dieser Phase nicht äußern“, teilte ein Sprecher auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea mit. Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München), hatte bereits 2015 erklärt, er würde es begrüßen, wenn auch schwule und lesbische Partner heiraten dürften: „Für mich ergibt sich aus zentralen biblischen Geboten der Impuls zu einer Öffnung der Kirche gegenüber gleichgeschlechtlichen Partnerschaften.“ Die römisch-katholische Kirche lehnt eine Öffnung der Ehe für homosexuelle Lebensgemeinschaften dagegen ab. Sie trage „zu einer allgemeinen und nicht zuletzt rechtlichen Verwirrung bei“, sagte der Vorsitzende der Kommission für Ehe und Familie bei der Deutschen Bischofskonferenz, der Berliner Erzbischof Heiner Koch, der Katholischen Nachrichten-Agentur (Meldung 24. Juni). Die katholische Kirche definiere Ehe als lebenslange Verbindung von einem Mann und einer Frau mit prinzipieller Offenheit, Leben weiterzugeben. Im Gegensatz dazu könne das eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft „aus sich heraus“ nicht. Auch der Dachverband der Evangelikalen, die Deutsche Evangelische Allianz, lehnt eine „Ehe für alle“ ab. Laut Generalsekretär Hartmut Steeb (Stuttgart) bietet nur die Ehe von Mann und Frau den aus ihr hervorgegangenen Kindern den Halt, den sie für ihr Leben brauchen.

Diskutieren

Die Kommentarfunktion für diesen Beitrag ist geschlossen. Nach dem Erscheinen eines Artikels kann dieser sieben Tage kommentiert werden.

47 Kommentare
Kommentare sind ausgeblendet.
Zum Einblenden der Kommentare hier klicken.
Diese Woche lesen Sie
  • Mutter Der beste Beruf der Welt
  • Pro & Kontra Sollte sich die Kirche am CSD beteiligen?
  • Gemeindearbeit Sieben Gründe, warum ich gerne Pastor bin
  • Beziehung Vom Geheimnis einer glücklichen Ehe
  • Ehrenamt Was machen eigentlich die Flüchtlinge bei uns?
  • mehr ...
ANZEIGE