Mittwoch • 29. März
„Krieg der Religionen“
17. März 2017

Kirchenrat wirft türkischem Außenminister „üble Propaganda“ vor

Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu. Foto: picture-alliance/AP Images
Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu. Foto: picture-alliance/AP Images

Bielefeld (idea) – „Üble Propaganda“ hat der Beauftragte für interreligiösen Dialog der Evangelischen Kirche von Westfalen, Kirchenrat Gerhard Duncker (Bielefeld), dem türkischen Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu von der Regierungspartei AKP vorgeworfen. Çavuşoğlu hatte gegenüber der türkischen Zeitung „Hürriyet“ im Bezug auf die Wahl in den Niederlanden die Meinung vertreten, dass es zwischen dem rechtsgerichteten Geert Wilders und den Sozialdemokraten keinen Unterschied gebe. Wörtlich sagte er: „Die haben alle dieselben Absichten. Sie werden Europa zum Kollabieren bringen, sie werden Europa an den Abgrund bringen. Bald wird in Europa ein Krieg der Religionen ausbrechen.“ Laut Duncker handelt es sich bei der Aussage um „üble Propaganda“. Die Türkei befinde sich im Wahlkampf und Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan wolle möglichst viele Stimmen der Türken in Deutschland für das umstrittene Verfassungsreferendum bekommen, durch das ein Präsidialsystem eingeführt werden soll. Duncker sagte der Evangelischen Nachrichtenagentur idea: „Es wird hier häufig unterschätzt, wie groß das Klientel von AKP-Wählern in Deutschland wirklich ist.“ Es sein kein guter politischer Stil, auf diese Weise auf Stimmenfang zu gehen.

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Duncker: Türkischstämmige müssen unseren Staat bejahen

Es bestürze ihn, dass sich viele Türkischstämmige nicht mit Deutschland identifizierten: „Sie müssen ja nicht Richard Wagner oder Volksmusik mögen. Aber sie müssen unseren Staat bejahen.“ Duncker äußerte sich auch zur Situation der Christen in der Türkei. Sie seien im Bezug auf das Verfassungsreferendum sehr zurückhaltend: „Die Christen machen 0,1 Prozent der Bevölkerung aus. Warum sollten sie da ihre Meinung äußern? Es würde doch nichts bringen.“ Die Christen erwarteten von der Regierung nichts und seien an eine Situation der Rechtsunsicherheit gewöhnt. Das Verhältnis zur Regierung sei von einer „kühlen Höflichkeit“ bestimmt. Duncker hat neun Jahre in der Türkei gelebt. Zuletzt war er im Februar dort. Wie er ferner idea mitteilte, bekommt die Evangelische Gemeinde deutscher Sprache in der Türkei eine neue Pfarrerin: die bayerische Theologin Gabriele Pace. Sie folgt auf die westfälische Pfarrerin Ursula August (Istanbul), die im Juni nach Deutschland zurückkehrt. Pace wird ihren Dienst im August antreten und von der Evangelischen Kirche in Deutschland entsandt. Die Türkei hat rund 79 Millionen Einwohner, von denen 99 Prozent Muslime sind. Die Zahl der Christen liegt bei 160.000, darunter 7.000 Protestanten.

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