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Kirchenvertreter besorgt
15. April 2018

Käßmann: Erbärmlich, dass niemand eine Friedensidee für Syrien hat

Eine Allianz aus USA, Frankreich und Großbritannien hatte Ziele in Syrien mit Raketen angegriffen. Foto: picture-alliance/AP Photo
Eine Allianz aus USA, Frankreich und Großbritannien hatte Ziele in Syrien mit Raketen angegriffen. Foto: picture-alliance/AP Photo

Berlin (idea) – US-Präsident Donald Trump und andere Politiker, die im Syrienkrieg mit weiterer Zerstörung drohen, haben keinerlei Fantasie für den Frieden. Damit werden sie den Kindern nicht gerecht, die ohne Angst leben wollen. Dieser Ansicht ist die frühere EKD-Ratsvorsitzende und hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann (Berlin). Sie äußerte sich in der „Bild am Sonntag“ anlässlich der Militärschläge der USA, Frankreichs und Großbritanniens in Syrien. Sie hatten damit auf einen mutmaßlichen Giftgasangriff in der Stadt Dum (Region Ost-Ghouta) reagiert, bei dem mindestens 42 Menschen getötet worden sein sollen und für den sie den syrischen Diktator Baschar al-Assad verantwortlich machen. Syriens Verbündete Russland und Iran weisen die Vorwürfe zurück. Käßmann antwortet auf die Frage, wie Jesus auf die mit Giftgas getöteten Kinder reagiert hätte. Es sei sein Markenzeichen gewesen, dass er verfeindete Menschen an einen Tisch eingeladen habe, um Lösungen zu finden. Die ermordeten Kinder könnten im Sinne Jesu deshalb nur eine Botschaft haben, so Käßmann: „Es müssen endlich alle Kriegsparteien an einen Tisch und zwar um endlich, endlich Frieden zu stiften in Syrien.“ Ein „kleiner“ Militärschlag sei keine Antwort auf sieben Jahre Krieg, 350.000 Tote und Millionen Flüchtlinge: „Es ist erbärmlich, dass offenbar niemand eine Idee hat, wie Frieden werden kann in Syrien.“ Jeder Kompromiss sei besser als noch mehr Tote.

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Bedford-Strohm: Für ein Ende der Gewalt beten

Zuvor hatten sich bereits mehrere Kirchenvertreter ähnlich geäußert. Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München), sagte am 14. April in Trier, Militärschläge seien vor allem dann keine Lösung, „wenn kein Plan für das danach erkennbar ist“. Die Opfer müssten Gerechtigkeit erfahren. Wie das geschehen könne, wisse er auch nicht. Er rief dazu auf, für sie und für ein Ende der Gewalt zu beten. Der Vorsitzende der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx (München), beklagte, dass seit Jahren in besonderer Weise die syrische Zivilbevölkerung leide. Es gelte nun, sich „mit gutem Willen an einen Tisch zu setzen“, sagte er laut der Katholischen Nachrichten-Agentur. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier warnte in der „Bild am Sonntag“ vor einer „direkten Konfrontation amerikanischer und russischer Waffensysteme auf syrischem Boden“. Stattdessen müsse „über den Tag und den nächsten Luftschlag hinaus“ gedacht werden. Dafür müssten alle Konfliktparteien zusammenkommen. Die USA und Russland hätten dabei eine besondere Rolle: „Wenn Washington und Moskau in der Syrien-Frage keinen Weg zueinander finden, sind die Chancen für eine Verbesserung der Lage in Syrien gleich null.“

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