Montag • 26. Juni
idea-Umfrage
19. Juni 2017

Was Kirchenleuten Helmut Kohl bedeutet hat

Die Menschen trauern um Altbundeskanzler Helmut Kohl. Foto: picture alliance/Promediafoto
Die Menschen trauern um Altbundeskanzler Helmut Kohl. Foto: picture alliance/Promediafoto

Wetzlar (idea) – Der am 16. Juni im Alter von 87 Jahren gestorbene Altbundeskanzler Helmut Kohl (CDU) hat viele führende Vertreter aus der evangelischen Kirche und der Diakonie durch seinen Einsatz für die deutsche Wiedervereinigung überzeugt. Das ergab eine Umfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea unter Kirchenleuten, die Kohl während seiner Regierungszeit erlebten.

ANZEIGE

Sächsischer Ex-Justizminister Heitmann: Mit Kohl hätte es den Brexit nicht gegeben

Der frühere sächsische Oberkirchenrat und spätere Justizminister Steffen Heitmann (Dresden) sagte, dass Kohls Politik neben aller Strategie und Taktik auf Vertrauen zwischen Menschen und vor allem auf Gottvertrauen basierte: „Oft habe ich in den letzten Jahren gedacht: Ob wohl Helmut Kohl noch wahrnimmt, wie seine Nachfolgerin mit unabgestimmten Entscheidungen Deutschland destabilisiert und in Europa isoliert? Ich bin überzeugt, mit ihm hätte es den einsamen Atomausstieg, die unkontrollierte Masseneinwanderung, den Brexit nicht gegeben.“ Unvergessen sei für ihn, wie Kohl seine Neujahrsansprachen abgeschlossen habe: „Gott schütze unser deutsches Vaterland!“. Heitmann war Ende 2015 aus Protest gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung aus der CDU ausgetreten. Er fühle sich, so sagte Heitmann gegenüber idea, „einsamer denn je in unserer politischen Landschaft“: „Gott nehme Helmut Kohl in Gnaden auf.“ Heitmann war 1993 von CDU und CSU einstimmig nominierter Wunschkandidat Kohls für die Nachfolge von Bundespräsident Richard von Weizsäcker (1920–2015) nominiert. Er verzichtete jedoch auf eine Kandidatur, nachdem linksorientierte Medien ihn als ultrakonservativ gebrandmarkt hatten.

Altlandesbischof Werner Leich: Er hat viel gesprochen, um zu überzeugen

Laut dem „Bischof der Friedlichen Revolution“, Altlandesbischof Werner Leich (Eisenach), hatte Kohl ein gutes Gespür für die „richtige geschichtliche Stunde“: „In Dresden habe ich ihn erlebt, als er dort 1989 sein Zehn-Punkte-Programm vorstellte, das den Weg zur deutschen Einheit skizzierte. Anschließend traf ich ihn. Er hat immer sehr viel gesprochen, weil er andere überzeugen wollte.“ Der 90-jährige Leich war während des Falls der Mauer Vorsitzender des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR. An der Spitze der thüringischen Kirche stand er 14 Jahre lang bis zum Frühjahr 1992.

Ehemaliger Diakoniepräsident: Ich schätzte Kohls Eintreten für die deutsche Einheit

Der Präsident des Diakonischen Werkes der EKD (1984–1994) in jener Zeit, Pfarrer Karl Heinz Neukamm (Nürnberg), sagte: „Was ich bei den verschiedenen Urteilen über seine Person immer geschätzt habe, war sein unbeirrtes Eintreten für die deutsche Einheit. So bleibt Helmut Kohl bei mir in dankbarer Erinnerung als der unermüdliche Brückenbauer für die Einheit Deutschlands.“

Der Pfälzer Diener über den Pfälzer Kohl: Er hatte visionäre Tatkraft

Für den Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, Michael Diener (Kassel), war Kohl ein „politischer Mensch und ein menschlicher Politiker“. Der Theologe, der wie Kohl ein Pfälzer ist, betonte, dass der Kanzler Kanten, Fehler und Schwächen hatte, aber „ohne seine visionäre Tatkraft hätte es die deutsche Einheit wohl nicht gegeben – ebensowenig wie ein friedlich vereintes Europa, das für uns alle jeden Tag neu Aufgabe und Herausforderung ist“. Er habe ohne Zweifel ein europäisches Deutschland und kein deutsches Europa gewollt. Unvergessen seien seine engen und vertrauensvollen Freundschaften gewesen, etwa zum ehemaligen französischen Staatspräsidenten François Mitterrand (1916–1996) und dem früheren sowjetischen Staatspräsidenten Michail Gorbatschow.

Diskutieren

Bitte melden Sie sich an oder registrieren Sie sich neu, um Artikel zu kommentieren.

Jetzt kostenlos registrieren.

11 Kommentare
Kommentare sind ausgeblendet.
Zum Einblenden der Kommentare hier klicken.
Diese Woche lesen Sie
  • Nachruf Danke, Helmut Kohl!
  • Kohl und EKD Sie liebten einander nicht
  • Wahrheit Warum die Bibel keine „Fake News“ enthält
  • Erziehung „Die Langeweile bringt mich um“
  • Pro & Kontra Sollte man Choräle gendern?
  • mehr ...
ANZEIGE