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Pro und Kontra
12. September 2017

Frühere CDU-Politikerin und Bürgerrechtlerin hält die AfD für wählbar

Eine der ehemaligen führenden DDR-Bürgerrechtlerinnen, Vera Lengsfeld, und der evangelische Journalist und landeskirchliche Pastor Wolfgang Thielmann. Fotos: Privat, KNA-Bild
Eine der ehemaligen führenden DDR-Bürgerrechtlerinnen, Vera Lengsfeld, und der evangelische Journalist und landeskirchliche Pastor Wolfgang Thielmann. Fotos: Privat, KNA-Bild

Wetzlar (idea) – Eine der ehemaligen führenden DDR-Bürgerrechtlerinnen, Vera Lengsfeld, hält die AfD für wählbar. Diese Ansicht vertritt sie in einem Beitrag für die Evangelische Nachrichtenagentur idea. Die 65-Jährige war von 1990 bis 2005 Bundestagsabgeordnete, zunächst für Bündnis 90/Die Grünen, ab 1996 für die CDU. Sie äußert sich in der idea-Rubrik „Pro und Kontra“ zur Frage, ob Christen die AfD wählen dürfen. Wie Lengsfeld schreibt, decken sich die inhaltlichen Forderungen der AfD in weitesten Teilen mit denen des CDU-Wahlprogramms von 2002: „Eine Warnung an Christen vor der Union hat es damals nicht gegeben.“ Nicht die AfD sei demokratiegefährdend, sondern der Umgang mit ihr. So würden Plakate zerstört, Wahlhelfer attackiert und Autos ihrer Politiker angezündet: „Es wird nicht debattiert, sondern diffamiert.“

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Lengsfeld: „Deshalb stimme ich für eine starke Opposition“

Demokratie brauche aber Debatte und eine aktive Opposition. Beides hätten die Altparteien in den letzten Jahren vermissen lassen: „Deshalb stimme ich für eine starke Opposition.“ Lengsfeld kritisiert in dem Beitrag auch führende Repräsentanten der Kirchen. So warnten der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, und der Vorsitzende der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx (beide München) „bei jeder sich bietenden Gelegenheit vor der AfD“. Unvergessen sei, dass beide beim Besuch des Tempelbergs im Oktober 2016 in Jerusalem ihre Kreuze abgelegt hätten. Lengsfeld: „Ich wünschte mir, sie würden sich mit diesem Eifer für verfolgte Christen einsetzen.“

Journalist und Theologe Thielmann: Die AfD gehört zu den falschen Propheten

Der evangelische Journalist und landeskirchliche Pastor Wolfgang Thielmann (Bonn) ist dagegen der Meinung, dass die AfD für Christen nicht wählbar ist. In seinem Kontra zur Position von Lengsfeld schreibt er: „Niemand sollte sich blenden lassen von dem Eindruck, die AfD stehe christlichen Überzeugungen nahe. Sie benutzt das Christentum und ihre christlichen Mitglieder bloß.“ Die AfD gehört zu den falschen Propheten, wie sie im Matthäusevangelium (Kapitel 24) beschrieben seien. „Durch sie nimmt die Ungerechtigkeit zu, und sie trägt dazu bei, dass die Liebe in vielen erkaltet“, so Thielmann.

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