Sonntag • 26. März
Fraktionschef Oppermann
06. März 2017

Die SPD will die „Ehe für alle“ umgehend durchsetzen

Der SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann. Foto: thomasoppermann.de
Der SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann. Foto: thomasoppermann.de

Berlin (idea) – Die SPD will die „Ehe für alle“ – also auch für Schwule und Lesben – noch vor der Bundestagswahl in der großen Koalition durchsetzen. CDU und CSU sollten sie nicht weiter blockieren, sagte SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Das sei eine „Frage der Gerechtigkeit“. Oppermann: „In vielen Ländern können bereits alle Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung heiraten.“ Gerade sei Finnland hinzugekommen. Deutschland sollte nicht dahinter zurückstehen.

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Auch Zustimmung in der Union

In der Union gibt es weiter Vorbehalte gegen die rechtliche Gleichsetzung von homosexuellen Partnern. Allerdings mehren sich die Stimmen, die für eine „Ehe für alle“ plädieren. CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn sagte der „Bild am Sonntag“: „Dass zwei Menschen in der Ehe verbindlich füreinander einstehen, ist ein Grundwert der Union.“ Er selbst würde mit seinem Lebensgefährten gerne Kinder adoptieren. Ähnlich äußerte sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Jan-Marco Luczak. Wenn Menschen füreinander Verantwortung übernehmen wollten, „dann sollten wir das anerkennen, ganz unabhängig vom Geschlecht“. Die Union solle sich in dieser Frage die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz zum Vorbild nehmen, forderte Luczak. Sie hatte im vergangenen Jahr beschlossen, die kirchliche Trauung für gleichgeschlechtliche Partner zu ermöglichen.

Breite Mehrheit in Deutschland für die „Ehe für alle“

Jenseits der Union gibt es eine breite Mehrheit für die „Ehe für alle“. Bündnis 90/Die Grünen und die Linkspartei sind dafür. Ferner wird sie einer Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zufolge von 83 Prozent der Deutschen unterstützt. 76 Prozent wollen, dass auch homosexuelle Partner Kinder adoptieren können sollten.

„Focus“: Sollen homosexuelle Partner Kinder adoptieren dürfen?

Mit der Frage, ob das ermöglicht werden soll, befasst sich das Nachrichtenmagazin „Focus“. Die Chefreporterin des Magazins, Margarete van Ackeren, ist dafür. Kinder brauchten Liebe, Verlässlichkeit und Sicherheit: „Und das können homosexuelle Partner genauso gut bieten wie Eheleute.“ Schon jetzt würden auch gleichgeschlechtliche Partner umworben, damit sie sich als Pflegeeltern engagierten. Dagegen sprach sich die Journalistin und Buchautorin Birgit Kelle aus: „Es gibt kein Recht auf ein Kind.“ Söhne und Töchter brauchten Väter und Mütter, um sich im Vorbild selbst zu erkennen und am anderen Geschlecht zu wachsen. Kinder in Waisenhäusern hätten das verbriefte Recht auf weibliche und männliche Betreuer. Kelle: „Warum sollen sie dieses Recht durch eine Adoption verlieren?“ Kelle stellt nicht infrage, dass Homosexuelle gute Väter oder gute Mütter sein können: „Aber auch zwei gute Väter könnten niemals eine gute Mutter sein.“

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