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Bundestagspräsident
02. Juni 2017

Ohne Gott ist kein Staat zu machen

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). Foto: idea/M. Pletz
Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). Foto: idea/M. Pletz

Berlin (idea) – Ohne Gott ist kein Staat zu machen. Davon ist Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) überzeugt. Er sprach am 2. Juni bei einem Gebetsfrühstückstreffen in Berlin. Es fand statt im Rahmen der 22. Internationalen Berliner Begegnung vom 1. bis 3. Juni. Unter dem Motto „Verantwortung vor Gott und den Menschen“ nehmen rund 350 Politiker, Diplomaten, Kirchenvertreter und Führungskräfte aus 48 Ländern teil. Auch ein moderner Staat sei ohne Gott nicht möglich, sagte Lammert: „Aber Gott macht keinen Staat. Das müssen wir schon selber machen.“ Es sei ein weit verbreitetes Missverständnis in Europa, der Verzicht auf Religion sei der Preis der Modernität. Dabei hätten sich nie mehr Bürger auf diesem Globus als Anhänger einer religiösen Orientierung bezeichnet als heute. Rund 80 Prozent der fast sieben Milliarden Menschen gehörten einer Religionsgemeinschaft an. Viele Fragen seien ohne religiöse Orientierung nicht zu beantworten: „Das, was wir nicht wissen, aber für wichtig halten, müssen wir glauben.“

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Ungarischer Minister: Verantwortung macht einsam

Der ungarische Minister für Humanressourcen, Zoltán Balog (Budapest), vertrat die Ansicht, dass Verantwortung einsam mache. Politiker stünden unter einem hohen Druck. Er rief auf, im Gebet vor Gottes alles loszulassen. „Wenn man die Augen schließt vor Gott, geschieht ein Wunder. Du machst die Augen wieder auf und siehst den anderen Menschen mit anderen Augen. Trage alles vor Gott, was dich bedrückt; dann geh raus und nimm wahr, was die Menschen bedrückt!“ Laut Balog versucht Ungarn, in Krisengebieten, etwa dem Nahen Osten, zu helfen. So studierten derzeit rund 3.000 Muslime aus dieser Region „mit dem Geld der ungarischen Steuerzahler“ in seinem Heimatland. Anschließend würden sie zurückgehen und ihren eigenen Leuten helfen. Nun werde man zusätzlich 100 Stipendien für Christen aus der Region ausgeben. Es ermutigte die Teilnehmer, über ihren eigenen Glauben zu berichten, ohne den anderen zu verletzen, aber auch ohne das Wesentliche auszusparen.

Herrmann: Gesellschaft braucht Christen, die sich zu ihrem Glauben bekennen

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte, die Gesellschaft brauche Christen, die mitten im Leben stünden, sich zu ihrem Glauben bekennten und für ihre Werteorientierung einstünden. Christliche Werte seien eine wichtige Voraussetzung für die Gesellschaft. Respekt vor Religion zu haben, bedeute, sie in das öffentliche Leben miteinzubeziehen, so Herrmann, der als Spitzenkandidat der CSU für die Bundestagswahl kandidiert.

Zentralafrikanische Republik: Ministerpräsident bittet um Gebet für sein Land

Der Ministerpräsident der Zentralafrikanischen Republik, Mathieu Simplice Sarandji (Bangui), meinte in einer weiteren Veranstaltung bei der Internationalen Berliner Begegnung, dass alle Menschen im Angesicht Gottes erschaffen worden seien. Alle, die ein friedliches Miteinander wollten, seien gesegnet. Sein Land befinde sich in einer schweren Krise und sei nur aufgrund der Hilfe der Vereinten Nationen und vieler Gebete einem Völkermord entgangen. Er dankte für alle Gebete für den Frieden. Sie seien „durch unseren Herrn Jesus Christus zum Ohr Gottes“ getragen worden. Die Zentralafrikanische Republik hat rund 4,9 Millionen Einwohner und ist mit 623.000 Quadratkilometer fast doppelt so groß wie Deutschland.

Äthiopischer Botschafter: Beziehungen zwischen Afrika und Europa verändern

Der äthiopische Botschafter in der Volksrepublik China, Seyoum Mesfin, sagte, dass die Beziehungen zwischen Afrika und Europa eine radikale Veränderung brauchten. Afrika könne nicht weiterhin die Kolonialmächte dafür verantwortlich machen, dass es dem Kontinent an gesunder Politik und Wirtschaft fehle: „Wir müssen Verantwortung übernehmen für uns selbst.“ Änderungen könnten nicht von außen kommen: „Das funktioniert nicht.“ Um eine florierende Wirtschaftsmacht zu werden, müsse sich Afrika seiner Probleme stellen. Der Präsident von Albanien, der Muslim Bujar Nishani, warb für ein gutes interreligiöses Miteinander. Die religiösen Gemeinschaften hätten eine wichtige Rolle, um Menschen Orientierung zu geben. Alle, die gemeinsame Werte und Ideen teilten, sollten sich gegen die stellen, die Religion terroristisch missbrauchten.

Jeden Freitag beten Parlamentarier gemeinsam im Bundestag

Interessierte Parlamentarier treffen sich aber nicht nur einmal im Jahr zu dem Gebetsfrühstückstreffen, sondern versammeln sich auch jeden Freitag während der Sitzungswochen in überfraktionellen Gebetstreffen im Bundestag. Die Bundestagsabgeordnete Barbara Woltmann (CDU) bekannte in einer Veranstaltung bei der Internationalen Berliner Begegnung, froh über diesen Gebetskreis zu sein. Dort spiele Parteipolitik keine Rolle. Man lese gemeinsam die Losung, bete zusammen und habe die Möglichkeit, seine eigene Arbeit zu reflektieren. Der Protestantin zufolge handelt es sich nicht um einen christlich geschlossenen Kreis: „Jeder, dem eine Werteorientierung am Herzen liegt, ist immer sehr gerne willkommen.“ Ihr Parteikollege Johannes Selle berichtete, dass die Gebetsfrühstücksbewegung weiter wachse. So habe sich das israelische Parlament, die Knesset in Jerusalem, entschlossen, ein „christusorientiertes Gebetsfrühstück“ zu starten. Der ehemalige baden-württembergische CDU-Landtagsabgeordnete Rudolf Decker (Böblingen) hatte die Gebetsfrühstücke 1979 zusammen mit dem Verleger Friedrich Hänssler (Holzgerlingen) und dem CDU-Politiker Horst Waffenschmidt (1933–2002) in Deutschland eingeführt.

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