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Thomas de Maizière
13. Oktober 2017

Braucht Deutschland muslimische Feiertage?

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Foto: www.thomasdemaiziere.de
Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Foto: www.thomasdemaiziere.de

Berlin/Wolfenbüttel (idea) – Äußerungen des Bundesinnenministers Thomas de Maizière (CDU) zur möglichen Einführung muslimischer Feiertage in einigen Regionen Deutschlands sorgen für Diskussionen. „Wo es viele Moslems gibt, warum kann man nicht auch mal über einen muslimischen Feiertag nachdenken“, sagte der Politiker am 9. Oktober bei einer Wahlkampfveranstaltung im niedersächsischen Wolfenbüttel. Zugleich betonte er, dass in Deutschland „unser ganzer Lebensrhythmus“ bis hin zur Sozialstruktur christlich geprägt sei – „und ich möchte, dass das so bleibt“. Der Bundesvorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU, der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel, reagierte kritisch auf den Vorschlag. „Wenn man überhaupt über zusätzliche Feiertage nachdenkt, stellt sich für mich zuerst die Frage nach der Einführung des Reformationstages als jährlichen gesetzlichen Feiertag“, sagte er auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Der Reformationstag (31. Oktober) ist 2017 wegen des 500-jährigen Reformationsjubiläums einmalig ein bundesweiter Feiertag. In den Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist er bereits seit der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 arbeitsfrei. Auch der niedersächsische CDU-Landesvorsitzende und Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 15. Oktober, Bernd Althusmann, übte Kritik an de Maizières Vorstoß: „Feiertage haben in Deutschland eine lange Tradition; für eine Änderung dieser gewachsenen Strukturen sehe ich keinen Bedarf.“ Der Zentralrat der Muslime in Deutschland begrüßte dagegen die Äußerungen de Maizières. Muslimische Feiertage wären integrationsfördernd, sagte der Vorsitzende, Aiman Mazyek (Köln), dem Evangelischen Pressedienst (epd).

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Die beiden großen Kirchen äußern sich nicht zu dem Vorschlag

Die beiden großen Kirchen erklärten auf idea-Anfrage, sie sähen keinen Anlass für eine Stellungnahme. Ein Sprecher der EKD in Hannover verwies auf eine Veröffentlichung von 2003, in der sie dazu aufforderte, „anderen Religionen (...) in besonderer Weise die Ruhe ihrer Feiertage zu gestatten und zu erleichtern“. Der Anteil der Muslime unter den knapp 83 Millionen Einwohnern Deutschlands wird auf bis zu sieben Prozent geschätzt. 28,5 Prozent der Bürger sind Mitglieder der katholischen Kirche und 26,6 Prozent der evangelischen Landeskirchen. Der Rest ist größtenteils konfessionslos. In Deutschland werden in diesem Jahr zwölf bundeseinheitliche Feiertage gefeiert. Davon haben neun einen christlichen Hintergrund. In einzelnen Bundesländern, darunter den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen, können Schüler laut den Gesetzen bereits jetzt an wichtigen islamischen Feiertagen vom Unterricht freigestellt werden. Arbeitnehmern soll der Besuch eines Gottesdienstes bzw. Gebets ermöglicht werden. In Berlin gilt das für das Ramadan- und Opferfest. In Hamburg und Bremen betrifft die Regelung auch den Aschura-Tag.

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