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Abdel-Samad
17. April 2017

Integration der muslimischen Türken in Deutschland ist gescheitert

Türken in Berlin feiern, dass das von Erdogan initiierte Referendum von der Mehrheit der Wähler angenommen worden ist. Foto: picture-alliance/ZUMAPRESS.com
Türken in Berlin feiern, dass das von Erdogan initiierte Referendum von der Mehrheit der Wähler angenommen worden ist. Foto: picture-alliance/ZUMAPRESS.com

Berlin/Istanbul (idea) – Das Ja zur umstrittenen Verfassungsreform in der Türkei ist auch ein Zeichen, dass die Integration der in Deutschland lebenden muslimischen Türken gescheitert ist. Davon ist der Publizist und Islamkritiker Abdel-Samad (Berlin) überzeugt. Laut dem vorläufigen Ergebnis stimmten 51,3 Prozent für das Präsidialsystem, das dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan deutlich mehr Macht verleihen wird. Im Gegensatz zur Türkei seien die in Deutschland lebenden Türken nicht gespalten, schreibt Abdel-Samad auf seiner Facebook-Seite. Nur 36 Prozent der Deutschtürken hätten gegen das Gesetz gestimmt. Wenn man bedenke, dass neben einigen assyrischen Christen rund 25 Prozent der hier lebenden Türken kurdische Aleviten seien, die das Gesetz aus existenziellen Gründen ablehnten, dann liege die Zustimmungsquote für die „Einführung der Diktatur“ schon bei über 90 Prozent: „Propaganda“ für das Ja zur Erdogan „in Deutschland haben nicht etwa die benachteiligten oder arbeitslosen Türken gemacht, sondern jene Krawatten-Islamisten, die gute Berufe haben und perfekt Deutsch sprechen. Es waren jene grinsenden Kopftuch-Muslimas, die uns verkaufen wollen, dass das Kopftuch ein Zeichen ihrer Emanzipation sei.“ Diese „trojanischen Pferde des Islamismus“ seien Feinde der Demokratie und der Emanzipation und sollten in Deutschland als solche behandelt werden. Ihre Geisteshaltung dürfe im Namen der Toleranz nicht etabliert oder sogar staatlich gefördert werden: „Politiker, die dies dennoch weiterhin tun werden, gehören abgewählt.“ Der deutsch-ägyptische Politologe Abdel-Samad zählt nach Angaben seines Verlags „Droemer Knaur“ (München) zu den profiliertesten islamischen Intellektuellen im deutschsprachigen Raum.

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CDU-Europaabgeordneter Brok ist gegen einen „totalen Bruch“ mit der Türkei

Der Vorsitzende der konservativen EVP-Fraktion im Europaparlament, der stellvertretende CSU-Chef Manfred Weber, forderte im ZDF einen Abbruch der EU-Beitrittsverhandlungen. Die Vollmitgliedschaft der Türkei könne kein Ziel mehr sein. Für den CDU-Europaabgeordneten Elmar Brok ist das Land „völlig gespalten“. Erdogan habe trotz der Verhaftung von Journalisten „und womöglich sogar Wahlfälschungen“ nur knapp über 50 Prozent erreicht, sagte er der Tageszeitung „Die Welt“. Dennoch rät er vor einem „totalen Bruch“ der EU mit der Türkei ab. Damit „würden wir uns an der anderen Hälfte der türkischen Bevölkerung versündigen, die mit Nein gestimmt hat“. Sollte Erdogan aber die Todesstrafe einführen, sei der EU-Beitritt der Türkei endgültig gescheitert.

SPD-Kanzlerkandidat Schulz: Erdogan ist nicht die Türkei

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz schrieb auf Twitter: „Der knappe Ausgang des Referendums zeigt: Erdogan ist nicht die Türkei.“ Der Einsatz für Demokratie und Menschenrechte müsse weitergehen. Die Vorsitzende der sozialistischen Fraktion „Die Linke“, Sahra Wagenknecht, sprach von einer Zäsur für die Türkei: „Durch Manipulationen ist es dem türkischen Präsidenten Erdogan gelungen, eine Mehrheit für eine Diktatur zu erreichen.“ Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen) forderte eine „grundlegende Neuvermessung“ des deutsch-türkischen Verhältnisses.

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