Wann die Kirche politisch Position beziehen muss

Der EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider sprach bei CDU-Neujahrsempfang. Foto: PR/Andre Zelck
Mettmann (idea) – Kirchen müssen zu politischen Fragen Position beziehen, wenn diese den Kernbereich der biblischen Botschaft berühren.
Zugleich sollten Verkündiger bei Stellungnahmen von der Kanzel zurückhaltend sein, sagte der EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf), am 6. Februar in Mettmann auf dem Neujahrsempfang der dortigen CDU. Ein Prediger habe „ethisch-politische Autorität nicht aus sich heraus; sie erwächst ihm aus seinem Verkündigungsauftrag“, so Schneider. Das Evangelium lasse sich nicht ohne Bezug zum Alltagsleben verkündigen, jedoch müssten politische Wertungen aus dem Evangelium hergeleitet sein. Parteipolitische Stellungnahmen schließe der Verkündigungsauftrag grundsätzlich aus. Wo Verkündiger in ethischen Randzonen biblisch begründete Orientierungshilfen gäben, dürften sie andere, ebenfalls biblisch begründbare Positionen nicht verschweigen.
Das Neue Testament als Kompassnadel
Schneider verwies unter anderem auf die Bergpredigt und die Gleichnisse Jesu. Dort finde sich eine Fülle ethischer Maßstäbe, etwa die Nächstenliebe oder die „Goldene Regel“, nach der ein Mensch andere so behandeln sollte, wie er selbst behandelt werden will. Der Präses weiter: „Auch wenn sich das Neue Testament nicht wie ein Navigationsgerät für die Fahrt durch das Leben von heute eignet, das man nur richtig programmieren muss, um sicher ans Ziel zu kommen, so hält es dennoch eine Kompassnadel bereit, die auch bei der Lösung moderner politischer Probleme eine zeitlos verlässliche Richtung weisen kann.“ Die Bedeutung einer solchen Nadel dürfe aber nicht überschätzt werden. „Sie zeigt die Zielrichtung an. Die Straßen und Wege dorthin müssen wir selber finden“, so Schneider.
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