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03.02.2012

Steinmeier: Kirchen sind für Gemeinwesen unverzichtbar

Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Frank-Walter Steinmeier. Foto: PR

Berlin (idea) – Die Kirchen sind für das Gemeinwesen unverzichtbar. Sie haben einiges zu bieten, was die Politik aus sich heraus nicht leisten kann. Diese Ansicht vertrat der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Frank-Walter Steinmeier, bei einer gemeinsamen Tagung der Evangelischen und der Katholischen Akademie am 2. Februar in Berlin.

Die Konferenz beschäftigte sich mit dem Thema „Wie viel Kirche braucht die Stadt? Moderne Subsidiarität im Gemeinwesen“. Steinmeier zufolge ist die Kirche „ein sehr starker Akteur mit vielen Ressourcen“. Sie sei fest am Ort verankert mit einer großen Nähe zu den Bewohnern der Städte – „und zwar aus allen Milieus“. Viele Familien begleite sie „von der Wiege bis zur Bahre“. Schon allein durch die große Anzahl ehrenamtlicher und hauptamtlicher Mitarbeiter könne die Kirche für eine Kontinuität der Arbeit sorgen, die vielen anderen Initiativen fehle. Durch ihre soziale Arbeit habe die Kirche ein breites Netzwerk aus Kontakten, kenne die Bedürfnisse der Menschen und sei glaubwürdig. Steinmeier: „Was sie sagt, kann niemand so leicht überhören.“

Was die Kirche einzigartig macht

Zudem könne die Kirche Brücken bilden zwischen Ausgegrenzten und den Besserverdienenden sowie Gutgebildeten und trage so zum Interessenausgleich bei. Die Kirche könne Menschen ermuntern, die der Politik schon längst den Rücken zugekehrt haben, die Gestaltung ihres Umfelds in die Hand zu nehmen. Nach Steinmeiers Worten kann man die Kirche nicht als einen Akteur wie jeden anderen – etwa Arbeiterwohlfahrt, Bürgerinitiativen oder Vereine – abhandeln. Was sie einzigartig mache, sei die christliche Botschaft als „eine Kraft der Veränderung“.

Kirchen und Parteien haben ähnliche Probleme

Steinmeier zufolge stehen Parteien und Kirche vor ähnlichen Problemen: „Die Mitglieder sterben weg, und für viele, gerade junge Menschen sind wir irgendwie ‚out’, vielleicht sogar irrelevant geworden.“ In etwa zehn Jahren werde nur noch die Hälfte der Deutschen einer der beiden großen Kirchen angehören. Dagegen helfe nur „die Flucht nach vorn“. Steinmeier: „Die Idee der ‚vitalen Minderheitenkirche’, der Kräftigung durch Mitgliederschwund, wenn nur erst einmal die ganzen Unbeteiligten weg sind – diese Idee halte ich ungefähr für genau so verfehlt, wie in der politischen Welt die der ‚Stärkung in der Opposition’.“ Der reformierte Christ verwies auf das Wort des Propheten Jeremia: „Suchet der Stadt Bestes … denn wenn es ihr wohl geht, so geht es auch euch wohl“ (Jeremia 29,7). „Nicht raushalten, sondern mitmachen“ sei daher die Aufgabe der Kirche. Sie müsse zu den Menschen gehen, anstatt darauf zu warten, dass diese zu ihr kommen.

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