Das „wahnsinnige“ Streben nach Glückseligkeit
Dillenburg (idea) – Leben wir in einer „Gesellschaft von Wahnsinnigen“? Mit dieser Frage setzt sich Studiendirektor i.R. Gerhard Jordy (Schwelm) in der Februar-Ausgabe der evangelikalen Zeitschrift „Perspektive“ auseinander, die von der Christlichen Verlagsgesellschaft (Dillenburg) herausgegeben wird.
Nach seinen Worten sollte man die These nicht vorschnell mit dem Hinweis abtun, dass Wahnsinnige in ein „Irrenhaus“ gehörten und eine Psychotherapie benötigten. „Ein Wahn ist nichts weiter als eine irrige Meinung über die Welt, über das Leben und sich selbst und über das Ziel unseres Menschseins“, schreibt Jordy. Dieser Irrtum könne sich beispielsweise in Größen- oder Verfolgungswahn äußern. Nach Ansicht des Pädagogen hat sich aber ein anderer Wahn „epidemieartig“ ausgebreitet: der Eudämonismus, die Lehre vom Streben nach Glückseligkeit. Darunter verstehe man größtmöglichen Lustgewinn, die Vorstellung, dass die Erfüllung aller Wünsche glücklich mache, und die Maxime „Gut ist, was mir nützt“. Jordy fasst es so zusammen: „Es geht nur noch um das eigene Ich, und nach diesem Wahn wird heute weithin gelebt.“ Ein Kennzeichen dieses Egoismus seien die vielen Ein-Personen-Haushalte. Jordy: „Der Single muss nicht teilen, muss keine Rücksicht nehmen und kann die Menschen und die Dinge genießen, wie es ihm im Augenblick recht ist.“
„Ungeist“ in christlichen Gemeinden
Dieser gesellschaftliche Trend beeinflusse auch die christlichen Gemeinden. Nicht nur der einzelne Christ sei vom „hedonistisch-egoistischen Wahn“ angesteckt, dem er seine Bedürfnisse und Wünsche unterwerfe. Der „Ungeist“ sei bis in die Gemeinde eingedrungen, „indem man auch in ihren Veranstaltungen eher Unterhaltung und Wohlgefühl sucht als Konfrontation mit dem Wort Gottes“. Jordy verweist auf eine Bibelstelle im 1. Timotheus-Brief (6,9): „Die aber reich werden wollen, fallen in Versuchung und Fallstrick und in viele unvernünftige und schädliche Begierden, welche die Menschen in Verderben und Untergang versenken.“
Was allein helfen kann
Nach Ansicht des Pädagogen werden die Folgen des „Wahnsinns“ immer deutlicher: „Der Staat – und mit ihm wir alle – ist hoffnungslos verschuldet und belastet kommende Generationen mit einer schlimmen Hypothek; die Wirtschaft ist von Krisen und Arbeitslosigkeit geschüttelt; die Familie, die Grundlage der Gesellschaft, ist großenteils zerstört.“ Helfen könne nur die Rückkehr zu Gott, der allein wahres und bleibendes Glück schenke. König David habe schon vor 3.000 Jahren erfasst, „dass es für den Menschen kein Glück gibt ohne Gott“ (Psalm 16,2). Das bedeute allerdings, auf ihn zu hören und ihm zu gehorchen. Denn glücklich sei der Mensch, der nicht „dem Rat der Gottlosen folgt“ (Psalm 1,1) – „also nicht dem gottlosen Trend eines eudämonistischen Wahns“. Grundlage allen menschlichen Glücks sei der Friede mit Gott durch die Erlösung in Jesus Christus.
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