Bischof Bohl ruft zum Gebet für Entführte im Jemen auf
Dresden (idea) – Knapp drei Wochen nach der Entführung von sechs Christen im Jemen hat der sächsische Landesbischof Jochen Bohl (Dresden) zum Gebet für die immer noch vermisste fünfköpfige Familie aus der Oberlausitz aufgerufen.
Sie war am 12. Juni zusammen mit zwei deutschen Krankenschwestern, einer südkoreanischen Lehrerin sowie einem britischen Ingenieur von Unbekannten verschleppt worden. Die beiden Krankenschwestern und die Lehrerin waren wenige Tage danach erschossen aufgefunden worden. Von der Familie und dem Ingenieur fehlt bisher jede Spur. In einem Brief vom 1. Juli an alle Superintendenten der Kirchenbezirke ruft Bohl dazu auf, „bis auf weiteres die Entführten und ihre Angehörigen in die Fürbitte einzuschließen“. Weiterhin für sie zu beten sei „der wichtigste Dienst, den wir tun können“. Die Familie gehört der sächsischen Landeskirche an.
Warum der Meinungswandel?
Was hat den Landesbischof veranlasst, sich jetzt zu Wort zu melden? Noch am 29. Juni hatte die Landeskirche gegenüber idea begründet, warum die Kirche nicht zum Gebet für die entführte Familie aufruft: „Es gibt im Augenblick keinen neuen Erkenntnisstand und wir hoffen. Für eine Erklärung, die über die Unterstützung des Fürbittaufrufs des Kirchenbezirks hinausgeht, sehen wir derzeit noch keinen Anlass.“ Der Superintendent des Kirchenbezirks Bautzen, Reinhard Pappai, hatte kurz nach Bekanntwerden der Geiselnahme zum Gebet für die Entführten aufgerufen. In der aktuellen Ausgabe des Wochenmagazins ideaSpektrum wird das Schicksal der entführten Familie und das Schweigen der Kirchen thematisiert.
Pressesprecher: Bischof hatte von Anfang an Kontakt
Pressesprecher Matthias Oelke (Dresden) sagte dazu auf idea-Anfrage, der Bischof habe mit der Zurückhaltung die Geiseln schützen wollen. Nachdem der Fall in der Presse aber nun groß und breit diskutiert und „durch den Kakao gezogen“ worden sei, gebe es keinen Grund mehr für eine weitere Zurückhaltung von Seiten der Kirche. Der Bischof sei von Anfang an mit den Angehörigen in Kontakt gewesen, so Oelke.
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