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01.03.2012

Bestimmen bald Protestanten zu stark die Politik?

V.l.: Prälat Bernhard Felmberg, Bevollmächtigter des Rates der EKD bei der Bundesrepublik Deutschland und der EU und Martin Lohmann, Sprecher des Arbeitskreises Engagierter Katholiken in der CDU, beziehen kontrovers Stellung. Fotos: PR

Wetzlar (idea) – Mit der Nominierung von Joachim Gauck für das Amt des Bundespräsidenten stehen – im Falle seiner Wahl – zusammen mit Kanzlerin Angela Merkel zwei Protestanten an der Spitze des deutschen Staates. In Medien wird deshalb diskutiert, ob der Protestantismus die Politik zu stark beeinflusse.

Gegensätzliche Antworten auf diese Frage geben zwei Experten in Beiträgen für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar).

Lohmann: Katholiken, mischt euch ein!

Martin Lohmann (Bonn), Sprecher des Arbeitskreises Engagierter Katholiken in der CDU, Publizist und Vorsitzender des Bundesverbandes Lebensrecht, wünscht sich mehr überzeugte Katholiken in der deutschen Politik. Dass derzeit die evangelische Stimme überwiege, sehe er als klare Ansage an katholische Christen, sich nicht zu verstecken, Flagge zu zeigen und sich einzumischen. Dabei sollte das „christlich-katholische Koordinatensystem“ stärker als Grundlage einer humaneren Gesellschaft profiliert werden: „Die katholische Stimme mit klarem Bekenntnis zur Unantastbarkeit der Menschenwürde und des Lebensschutzes ist zu wenig hörbar.“

Felmberg: Gauck kann unserer Gesellschaft nur guttun

Dagegen sieht Prälat Bernhard Felmberg (Berlin), Bevollmächtigter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bei der Bundesrepublik Deutschland und der EU, kein erneutes Aufbrechen konfessioneller Gegensätze. Im Bundestag und Kabinett seien beide Konfessionen nach wie vor annähernd gleich vertreten: „Daher halte ich die Frage, ob mit der bevorstehenden Wahl von Joachim Gauck zum Bundespräsidenten die Politik in Deutschland zu sehr protestantisch gefärbt sein könnte, für eine rhetorische.“ Seiner Ansicht nach sind die protestantischen Tugenden Fleiß, Disziplin, Sparsamkeit und Aufrichtigkeit Eigenschaften, die gerade in Zeiten der Finanz- und Vertrauenskrise ersehnt werden. Der neue Bundespräsident werde sich selbstverständlich in den Dienst der gesamten deutschen Gesellschaft stellen. Dass Gauck auch unter schwierigen Bedingungen seinen Überzeugungen und seinem Glauben entsprechend gelebt und gehandelt habe, verleihe seiner Person besondere Glaubwürdigkeit. „Das kann unserer Gesellschaft nur guttun.“

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