26. Januar 2012

Willow-Creek-Gründer von Wirkung in Deutschland enttäuscht

Der Gründer und Hauptpastor der Willow-Creek-Gemeinde in South Barrington bei Chicago, Bill Hybels. Foto: idea/Schwanecke

Stuttgart (idea) – „Ich hatte gedacht, dass die von Willow-Creek inspirierten christlichen Gemeinden in Deutschland mehr bewegen würden.“ Das sagte der Gründer und Hauptpastor der Willow-Creek-Gemeinde in South Barrington bei Chicago, Bill Hybels, zu Beginn eines Leitungskongresses, der vom 26. bis 28. Januar in Stuttgart stattfindet.

Dazu haben sich 7.100 Mitarbeiter von landes- und freikirchlichen Gemeinden angemeldet. Die Willow-Creek-Gemeinde, zu deren wöchentlichen Gottesdiensten etwa 24.000 Besucher kommen, gilt wegen ihrer Attraktivität für kirchenferne Menschen als Vorbild. In Deutschland stellt Hybels seit 15 Jahren seine Ideen und Erfahrungen vor. Jetzt bekannte er, von der geringen Resonanz etwas enttäuscht zu sein. Aufgrund des hohen Bildungsniveaus in Deutschland hätte er mit einem größeren Gemeindewachstum oder einer stärkeren Ausstrahlung in die Gesellschaft gerechnet. Hybels riet den Kongressbesuchern, ihre kirchlichen Leitungsaufgaben mutig und konsequent wahrzunehmen. In der Wirtschaft werde großer Wert auf eine effektive Mitarbeiterführung gelegt, während in der Kirche über Schwächen und Probleme häufig hinweggesehen werde. Manchmal sei es notwendig, überforderten Mitarbeitern andere Aufgaben zuzuweisen und sich von jenen zu trennen, die unmotiviert seien oder eine schlechte Stimmung verbreiteten. Vielfach herrsche sogar Unklarheit über die Ziele, die eine Gemeinde verwirklichen wolle. Als Test empfahl Hybels, mit fünf Worten die christliche Botschaft zu charakterisieren.

Eggers: Sehr großer Einfluss auf Gemeinden

Der erste Vorsitzende von Willow-Creek-Deutschland und der Schweiz, Ulrich Eggers (Cuxhaven), sagte vor Journalisten, der Einfluss von Willow-Creek auf die deutsche Gemeindelandschaft sei nach 15 Jahren Willow-Creek-Kongressen sehr groß. Man habe Kontakt zu 8.000 Gemeinden in Deutschland. Zu den Zielen der Bewegung sagte Eggers, sie wolle zu Gemeindebau, Diakonie und Evangelisation inspirieren. Nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Kirche brauche starke Führungskräfte. Dabei könne man sich auch an Prinzipien in der Wirtschaft orientieren. Eggers: „Alles ist gut, was am Ende dem Menschen und der Botschaft dient.“ Zur Kritik, Willow-Creek sei eine „Wohlfühlkirche“, sagte Eggers, natürlich solle man sich in einer Kirche auch wohlfühlen. Die Einwände könne man auch als Abwehr von Veränderung verstehen.

Jeder zweite Teilnehmer ein Landeskirchler

Der Geschäftsführer von Willow-Creek-Deutschland, Karl-Heinz Zimmer (Gießen), sagte, eine zunehmende Bedeutung komme der Begleitung landeskirchlicher Gemeinden zu. Von den 8.000 Teilnehmern (darunter 600 aus der Schweiz) sind mehr als 50 Prozent Mitglieder von Landeskirchen. Der internationale Leiter der Willow-Creek-Vereinigung, Gary Schwämmlein (South Barrington bei Chicago), berichtete, dass die Bewegung in 82 Ländern Kirchengemeinden durch Konferenzen und Ausbildung von Führungskräften unterstütze. Ein weiterer Schwerpunkt seien diakonische Projekte, etwa zur AIDS-Bekämpfung in Afrika und Zentralamerika. Die unabhängige Willow-Creek-Gemeinde beschäftigt 400 hauptamtliche Mitarbeiter und hat ein Jahresbudget von umgerechnet 31 Millionen Euro. Sie ist die drittgrößte Mega-Gemeinde in den USA.

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