09. Februar 2010

Wie sich der „Gnadauer“ Präses den Pietismus wünscht

Der Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbands, Pfarrer Michael Diener wirbt für evangelistischen und diakonischen Lebensstil. Foto: Axel Klein

Hattingen (idea) – Wo soll der landeskirchliche Pietismus die Schwerpunkte seiner Arbeit legen, um für die Zukunft gerüstet zu sein? Mit dieser Frage setzte sich der Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbands, Pfarrer Michael Diener (Kassel), in seinem ersten Bericht vor der Mitgliederversammlung der Vereinigung Landeskirchlicher Gemeinschaften auseinander.

Er träume von einer Gemeinschaftsbewegung, die aus dem Wort Gottes und dem Gebet lebe, neue Wege in der Evangelisation gehe, den Menschen diene und relevant für die Gesellschaft sei, sagte der Theologe am 8. Februar in Hattingen/Ruhr. Beide Grundelemente „Gnadaus“ – Evangelisation und Gemeinschaftspflege – seien nach wie vor von zentraler Bedeutung, gerade in einer Zeit der Individualisierung und Vereinsamung in der Gesellschaft. Der Präses räumte zugleich Probleme bei der Weitergabe der christlichen Botschaft ein. So sei es schwieriger geworden, Menschen auf religiöse Fragen anzusprechen. Deshalb werde oft versucht, ihnen eine Not oder einen fehlenden Sinn einzureden, obwohl sie selbst gar keinen Mangel verspürten. „Der Strom des Lebens und der Gesellschaft geht an uns und unseren evangelistischen Bemühungen viel zu oft vorbei“, so Diener. Es sei nötig, dass Christen ihren Glauben überzeugend lebten und ihre Mitmenschen so für die christliche Botschaft interessierten. Der Präses: „Deshalb plädiere ich vehement und nachhaltig für die Wiederentdeckung, Stärkung, Vertiefung unseres diakonischen Profils.“ Persönliche Evangelisation und ein missionarisch-diakonischer Lebensstil seien gleichermaßen entscheidend für die weitere Entwicklung der Gemeinschaftsarbeit.

Kirche und Pietismus erreichen nur eine Minderheit

Diener zufolge müssen sich pietistische Gemeinden und Gemeinschaften fragen, ob sie größere Teile der Bevölkerung ansprechen oder sich weiter auf ihre bisherigen Zielgruppen konzentrieren wollen. Soziologischen Studien zufolge erreichten Landeskirchliche Gemeinschaften ebenso wie landes- und freikirchliche Gemeinden vorwiegend „Traditionsbewusste“ und „Konservative“. Ihr Bevölkerungsanteil liege bei zusammen 19 Prozent. Berührungspunkte gebe es auch zur „bürgerlichen Mitte“ (15 Prozent). Die Gemeinden und Gemeinschaften erreichten aber kaum Bürger, die nach Modernisierung, Individualisierung, Selbstverwirklichung und Genuss strebten. Wenn die Gemeinschaftsbewegung ihre Missionsarbeit auch auf diese Kreise erweiten wolle, müsse sie ihre Arbeitsformen erheblich ausdehnen. Hier könnten diakonische Angebote der Gemeinden eine herausragende Rolle spielen, weil soziales Handeln die meisten Milieus in der Gesellschaft erreiche. Nachholbedarf sieht der Präses beim gesellschaftlichen Engagement der Pietisten: „Es wäre für die Zukunftsfähigkeit unserer eigenen Arbeit wichtig, dass wir Menschen auch zum sozialen oder politischen Dienst über unsere Arbeitsgrenzen hinaus ermutigen – und dann auch freistellen und begleiten.“ Der Evangelische Gnadauer Gemeinschaftsverband umfasst 38 Gemeinschaftsverbände, 16 Diakonissen-Mutterhäuser, 11 theologische Ausbildungsstätten, 8 Missionsgesellschaften, 6 Jugendverbände und 11 sonstige Werke.

Wenn Sie diesen Beitrag im Forum kommentieren möchten, dann schicken Sie eine E-Mail mit der Überschrift an: bernhard.limberg@idea.de.

© 2011 idea e.V. - Evangelische Nachrichtenagentur