18. Januar 2010

Richtungsstreit in der CDU: Wieviel „C“ darf es sein?

Der CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe wies Zweifel an der christlichen Ausrichtung der Union zurück. Foto: PR

Berlin (idea) – In welche Richtung geht die CDU? Darüber ist in der mitgliederstärksten deutschen Partei eine heftige Debatte entbrannt. Auslöser ist die auf der Klausurtagung des Parteivorstands beschlossene „Berliner Erklärung“.

Darin macht die Partei deutlich, dass sie sich auch Wählergruppen aus dem sozialdemokratischen, grünen und liberalen Lager öffnen will. Kritiker werten dies als eine Vernachlässigung der Stammwählerschaft im konservativen Milieu. Der katholische Münchener Erzbischof Reinhard Marx hatte bereits im Vorfeld in einem Spiegel-Interview kritisiert, ihm fehle bei der Union „ein dezidiertes Bekenntnis zum christlichen Glauben und zur Kirche“. Im CDU-Grundsatzprogramm sei ganz allgemein von „christlichen Werten“ die Rede: „Das ist mir viel zu wolkig.“ Der Vorsitzende des Arbeitskreises Engagierter Katholiken (AEK), Martin Lohmann (Bonn), forderte, den Namen „Jesus Christus“ ins Grundsatzprogramm aufzunehmen,. Der Vorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) der CDU in Nordrhein-Westfalen, der Bundestagsabgeordnete Volkmar Klein (Burbach bei Siegen), lehnt dies ab. „Die CDU ist kein Missionshaus“, sagte er gegenüber idea. Er freue sich über jeden, der sich zu Christus bekenne und aus dieser Verantwortung Politik mache. In der CDU seien aber auch jene willkommen, die zwar nicht den christlichen Glauben, wohl aber die christlichen Werte teilen.

Gröhe: Christlich geprägter Kompass

Die „Berliner Erklärung“ ist aus der Sicht Kleins keine politische Neuausrichtung, sondern bestätige den Kurs der vergangenen Jahre. Er verwies auf Debatten um den Sonntags- und Embryonenschutz, in denen sich die Union trotz Gegenwinds für die christlichen Werte – die Heiligung des Feiertags und den Schutz des Lebens – stark mache. Auch der CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe (Neuss) wies Zweifel an der christlichen Ausrichtung der Union zurück. Man könne die Mehrheitsfähigkeit nicht „allein auf Menschen mit hoher Kirchenbindung“ bauen, sagte er in einem Interview mit der Wochenzeitung „Welt am Sonntag“. Gleichwohl stellten engagierte Christen „den Kern unserer Anhängerschaft“. Die Union sei Volkspartei und lade alle ein, die ihre politischen Ziele teilen: „Aber wir haben einen klar christlich geprägten Kompass!“

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