Nepal: Christentum breitet sich hinter Gittern aus
Kathmandu (idea) – In Nepal breitet sich der christliche Glaube besonders in Gefängnissen aus. Der Grund: Häftlinge sind fasziniert vom Angebot der Vergebung. Sogar ein militanter Hindu, der für einen Bombenanschlag auf eine Kirche verantwortlich war, liest die Bibel und bereut sein Verbrechen.
Der Himalaya-Staat war bis 2007 das einzige hinduistische Königreich der Welt. Seit der Säkularisierung hat sich die Religionsfreiheit für Christen vergrößert. Von den 29,5 Millionen Einwohnern sind etwa 81 Prozent Hindus, 11 Prozent Buddhisten, 4 Prozent Muslime und 3,4 Prozent Christen. Der Rest ist religionslos. In mehreren Gefängnissen gibt es christliche Andachtsräume. In zwei Anstalten ist der nepalesische Zweig der Hilfsorganisation Prison Fellowship vertreten. Der Gründer, Rechtsanwalt Dinesh Neupane, schätzt, dass etwa 400 der insgesamt 8.000 Gefangenen Christen sind. Wie die ökumenische Nachrichtenagentur ENI berichtet, hat Prison Fellowship unter anderem eine Kapelle im Frauengefängnis von Kathmandu eingerichtet. Dort sitzt etwa die 24-jährige Chandramaya Thapa ein. Sie ging nach eigenen Angaben nur zur Kapelle, um die Zeit totzuschlagen. Die Botschaft von Liebe und Vergebung habe sie aber so beeindruckt, dass sie im Frühjahr 2009 Christin wurde. Von den 170 Frauen in ihrem Gefängnis sind laut Thapa etwa 30 Christinnen.
Sündern wird vergeben
Im Bhadra-Gefängnis von Kathmandu sitzt der 26-järhige Rajendra Karki ein. Seine Frau hatte sich das Leben genommen, davon ist er überzeugt, doch ihre Eltern behaupteten, er habe sie umgebracht, und er wurde wegen fahrlässiger Tötung zu zehn Jahren Haft verurteilt. Hinter Gittern erfuhr er von der Botschaft der Bibel und wurde Christ: „Jesus war der Sohn Gottes und gab sein Leben für Sünder.“ Karki: „Christen sagen, dass Sündern vergeben wird, wenn sie Buße tun; der Hinduismus sagt, Sünder werden bestraft.“ Nach seiner Haftentlassung will Karki in seine Heimat nach Westnepal zurückkehren und das Evangelium verbreiten. Dort gebe es bisher noch keine christlichen Prediger.
Christen besuchen militanten Hindu
Im Nakhu-Gefängnis von Lalitpur nahe Kathmandu sitzt der militante Hindu Ram Prasad Mainali ein. Er gehörte zur Rebellengruppe Nationale Verteidigungsarmee, die mit Gewalt den Hinduismus als Staatsreligion wieder einführen will. Im vorigen Mai gehörte er zu den Drahtziehern eines Bombenanschlags auf eine katholische Kirche in Kathmandu. Dabei wurden drei Frauen getötet und 14 Personen verletzt. Er habe die hinduistische Nation wiedererwecken wollen, doch das sei falsch, sagte er dem Informationsdienst Compass Direct. Ein religiöser Krieg löse keine Probleme, sondern richte nur Schaden an. Im Gefängnis habe er begonnen, in der Bibel zu lesen. Außerdem hätten ihn Christen im aufgesucht und ihm vergeben. Kein nationalistischer Hindu habe ihn je besucht, so der 37-Jährige.
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