Kirchen und Gemeinden brauchen neue Ideen

Der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz und Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, Pfarrer Michael Diener. Foto: idea/Schwanecke
Stuttgart (idea) – Wie müssen sich Kirche und Gemeinden verändern, um Menschen mit der christlichen Botschaft zu erreichen? Darüber diskutierten rund 400 Experten aus Landes- und Freikirchen bei der Konferenz „inno2012 – Innovationsforum für die Kirche von heute“.
Das Treffen findet am 24. und 25. Januar in Stuttgart statt. Veranstalter ist die Bewegung Willow Creek Deutschland. An das Forum schließt sich der Willow-Creek-Leitungskongress vom 26. bis 28. Januar ebenfalls in Stuttgart an. Erwartet werden dazu rund 7.500 Teilnehmer.
Allianz-Vorsitzender Diener: Wir stehen nicht unbedingt für Innovation
Nach den Worten des Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes und Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz, Michael Diener (Kassel), stehen die Organisationen, für die er arbeitet, „nicht unbedingt für Innovation“. Vieles sei heute erkaltet. Diener: „Wir waren mal die hippen Kerle – vor 125 Jahren.“ Viel Lava sei erloschen, aber bis heute gebe es viel Lebendiges und viele Erfahrungen. Daher brauche es das Miteinander von etablierten und neuen Bewegungen. Ihn bewege die Geschichte vom dienenden Gott, der seinen Jüngern die Füße wäscht, so Diener. Er bedaure manchmal, dass die Fußwaschung als Ausdruck des Dienens nicht zum Sakrament geworden sei. Zum Auftrag der Christen gehöre es, der Gesellschaft zu dienen.
Pastor: Nichts ist so innovativ wie der Heilige Geist
Der Gründer und Pastor der unabhängigen charismatischen Gemeinde „Gospel Forum Stuttgart“, Peter Wenz, bezeichnete den Heiligen Geist als das Innovativste, das ihm im Leben begegnet sei. Das direkte Reden des Heiligen Geistes bewirke in seiner Gemeinde alles – von der Veränderung der Strukturen, bis zu evangelistischen Aktivitäten oder Heilungserlebnissen. Millionen von Menschen in Deutschland sehnten sich nach übernatürlichen Erfahrungen mit dem Heiligen Geist. Ohne diesen könne man weder innovativ noch erfolgreich sein und riskiere das „Ausbrennen“.
Jugendpastorin: Kirche darf kein Selbstzweck sein
Die Pastorin der unabhängigen Jugendkirche „Kraftwerk“ in Dresden, Judith Ziegenthaler, erinnerte daran, dass die Gemeinschaft der Christen kein Selbstzweck ist, sondern für andere da sein soll. Sie verwies auf die Aussage des Franz von Assisi (1181-1226): „Verkündige das Evangelium und wenn nötig, gebrauche dazu Worte.“ Die Gemeinde solle Politiker fragen, was sie für ihre Stadt tun könne. Die Referentin für Mädchenspiritualität im evangelischen Jugendzentrum Weigle-Haus (Essen), Doreen Klug, ermunterte Christen dazu, besonders das Potential junger Menschen zu fördern und sie zu ermutigen, etwas Außergewöhnliches zu tun.
Vorschläge für die Landeskirche
Der Leiter des Netzwerkes für Gemeindeentwicklung „Churchconvention“, Markus Weimer (Tübingen), machte Vorschläge zur Erneuerung der Landeskirche. So brauche man neue Ausdrucksformen, etwa eine Kirche im Rotlichtmilieu oder bei Surfern am Bodensee. Kirche bedeute nicht nur, zur Kirche zu gehen, sondern Gemeinschaft zu leben.
Stadtmissionar: Es gibt keine echte Innovation
Der Gründer und Leiter der Stadtmissionsgemeinde „Junge Kirche Berlin“, Alexander Garth, äußerte die Überzeugung, dass es keine echte Innovation gebe. Er erinnerte an die Aussage des englischen Baptistenpastors Charles Spurgeon (1834-1892): „Es gibt in der Theologie nichts Neues – und wenn doch, ist es verkehrt.“ Wichtig sei jedoch die „Balance von drei Bekehrungen“, so Garth: Die Bekehrung zu Gott, zur Gemeinde und zur Welt, um diese zu verändern. Viele Christen hätten heute ein Kommunikationsproblem und stießen auf hartnäckige Vorurteile. Dem müsse man mit Kreativität begegnen.
Wie der „Jesus-Virus“ überspringt
Laut dem Mitgründer des „Netzwerkes für missionale Gemeindeinnovation“ Novavox, Stefan Lingott (Heidelberg), ist es nicht entscheidend, was in einer Gemeinde geschieht, sondern wie sich die Welt durch sie positiv verändert. Die Kirche könne nicht erwarten, dass Menschen zu ihr kommen, sondern sie müsse zu ihnen gehen. Wenn Christen Salz und Licht der Welt seien, springe der „Jesus-Virus“ auch auf andere Menschen über.
„Die Welt ist unser Spielfeld“
Der Mitgründer und -leiter der Freien evangelischen Gemeinde „Berlinprojekt“, Christian Nowatzky, erinnerte daran, dass das Evangelium von der Gnade Gottes im Zentrum jeder Gemeinde stehen müsse. Wichtiger als die Frage „Was würde Jesus tun?“ sei die Frage „Was hat Jesus für uns getan?“ Erste Frage beim Bibellesen müsse daher sein: „Wo finde ich in diesem Text das Evangelium?“ Die Kirche sei nicht für sich selbst, sondern für andere da: „Die Welt ist unser Spielfeld, nicht die Gemeinde.“
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