09. November 2009

Gemeindeleitung: Bibel statt Management

Der Publizist und Gemeindeälteste Alexander Strauch.

Rehe (idea) – Gegen Managementprinzipien in der christlichen Gemeindearbeit hat sich ein US-amerikanischer Gemeindegründer ausgesprochen. Wer geistlich gesunde Gemeinden bauen wollte, brauche ein biblisches Verständnis von Leitung, sagte der Publizist und Gemeindeälteste Alexander Strauch (Littleton/Bundessstaat Colorado) bei einer Tagung der Konferenz für Gemeindegründung (KfG).

Sie fand mit 300 Teilnehmern vom 5. bis 8. November in Rehe (Westerwald) statt. Vielen Gemeinden fehlten qualifizierte Leiter, weil Prinzipien der Bibel nicht beachtet würden. Es gehe nicht um Erfolg oder Anerkennung, sondern darum, andere zum Glauben an Jesus Christus zu führen und sie in der Nachfolge zu ermutigen. In seiner 800 Mitglieder zählenden Gemeinde vergehe beispielsweise keine Woche, in dem die Ältesten den ehrenamtlichen Mitarbeitern nicht für ihren Dienst dankten. Wer krank sei, werde besucht oder erhalte einen Anruf. In christlichen Gemeinden sei ferner ein ethisch eindeutiges Leben nötig. Dazu gehörten Strukturen, die sexuellen Missbrauch verhindern. So dürfe niemals ein Mann allein eine Frau seelsorgerlich begleiten. In seiner Gemeinde bete zudem der Ältestenkreis regelmäßig dafür, dass die Leiter moralisch nicht versucht würden. Auch in der Kinder- und Jugendarbeit seien entsprechende Richtlinien nötig. Die Vorstellung, dass ein Mitarbeiter allein durch seinen Glauben vor Fehlverhalten bewahrt bleibe, reiche nicht aus, so Strauch.

Kontakt zu 350 Gemeinden

Der KfG-Vorsitzende Wilfried Plock (Hünfeld bei Fulda) teilte bei der Tagung mit, dass die 1983 gegründete Organisation immer mehr Zuspruch finde. Derzeit seien 350 unabhängige Gemeinden mit mehr als 10.000 Mitgliedern mit der KfG verbunden. Genauere Aussagen seien schwierig, weil man sich nicht als Gemeindebund, sondern als Plattform verstehe. Immer mehr russlanddeutsche Gemeinden suchten Kontakt. Alle Gemeinden verstünden sich als „bibeltreu, bundfrei, nicht-charismatisch und nicht-ökumenisch“. Sie würden in der Regel von einem ehrenamtlichen Ältestenkreis geleitet. Die Kontakte zur KfG entstünden vor allem über das Internet. Dort biete man kostenlos Material für Gemeindegründer an. Monatlich zähle man 20.000 Besuche.

Aus Hauskreisen werden Gemeinden

So nutzten Hauskreise die Angebote, um eine Gemeinde zu starten, wie vor kurzem etwa in Straubing und Deggendorf. Vor allem in Süddeutschland entstünden unabhängige Gemeinden. Allein im Allgäu seien in den vergangenen 20 Jahren 15 Gemeinden gegründet worden. Je weiter man nach Norden und Osten komme, umso schwieriger werde es. In den neuen Bundesländern seien in Zusammenhang mit der KfG seit der friedlichen Revolution vor 20 Jahren nur etwa 25 Gemeinden gegründet worden. In einigen Kreisstädten gebe es seines Wissens keine einzige evangelikale Gemeinde. Plock: „Der Bedarf nach neuen Gemeinden in Deutschland ist riesengroß.“

In der Schweiz fehlen Pioniere

In vielen Orten arbeiteten die mit der KfG verbundenen Gemeinden in der Evangelischen Allianz mit. Wo die Ortsallianz jedoch eine zu starke charismatische Prägung aufweise, lehne man eine solche Kooperation ab. Zwar seien Charismatiker „Brüder und Schwestern in Christus“, doch zeige die Erfahrung, dass eine Zusammenarbeit extrem schwierig sei, weil „sie sich mit ihren Sonderlehren nicht zurückhalten“ könnten. In der Schweiz stagniere die Gemeindegründungsarbeit der KfG. „Uns fehlen dort die Pioniere“, so Plock. Die KfG hält auch mit dem viermal im Jahr erscheinenden Magazin „Gemeindegründung“ und durch regelmäßige Konferenzen Kontakt zu den mit ihr verbundenen Gemeinden.

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