Evangelische Schulen wachsen gegen den Trend
Düsseldorf (idea) – Während in Nordrhein-Westfalen die Schülerzahl an staatlichen Schulen zurückgeht, verzeichnen evangelische Schulen einen deutlichen Zuwachs. Das geht aus einer Sonderauswertung des Statistischen Landesamtes in Düsseldorf auf idea-Anfrage hervor.
Die Gesamtschülerzahl im bevölkerungsreichsten Bundesland ging seit dem Jahr 2000 um sechs Prozent auf 2,15 Millionen zurück. Im Vergleich zum Jahr 2008 sank die Schülerzahl um 1,4 Prozent. Dagegen wuchs die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die eine Schule in Trägerschaft der evangelischen Kirche besuchen, seit dem Jahr 2000 um 27,9 Prozent auf 30.918. Gegenüber dem Vorjahr (2008/2009) stieg die Zahl um 2,4 Prozent. Besonders stark nimmt die Schülerzahl an den evangelikalen Bekenntnisschulen zu: Sie verzeichneten seit dem Jahr 2000 ein Plus von 61,1 Prozent auf 10.433. Im Vergleich zum vorigen Schuljahr betrug der Zuwachs 5,4 Prozent. Das ergab eine idea-Umfrage unter den 24 Schulen mit evangelikaler Ausrichtung. Sie werden durch Beiträge der Eltern, Spenden und Zuschüsse des Staates finanziert. Eine stagnierende Entwicklung gibt es bei den 183 katholischen Schulen. Dort werden derzeit 93.563 Schüler unterrichtet; das sind 0,7 Prozent weniger als im Jahr 2000 und 0,2 Prozent weniger als im Schuljahr 2008/2009. In Nordrhein-Westfalen besuchen insgesamt 164.112 Kinder und Jugendliche eine Privatschule. Das sind 7,6 Prozent aller Schüler an allgemeinbildenden Bildungseinrichtungen. Besonders beliebt sind private Gymnasien. Laut dem Statistischen Landesamt lernen derzeit 16,4 Prozent der insgesamt 596.672 Gymnasiasten an einer privaten Ersatzschule. An den Realschulen (316.411 Schüler) liegt der Anteil der Privatschüler bei 7,3 Prozent, an den Gesamtschulen (234.958) bei 3,9 Prozent. Private Hauptschulen spielen mit einem Anteil von 0,7 Prozent von 201.525 Schülern kaum eine Rolle.
Bildung und Werte werden wichtiger
Für den Vorsitzenden des Verbandes Evangelischer Bekenntnisschulen (VEBS), Peter Dück (Detmold), liegen die Gründe für das wachsende Interesse auf der Hand: Zum einen habe das Thema Bildung spätestens seit Untersuchungen wie PISA einen höheren Stellenwert bekommen. Gute Bildung und die Vermittlung von Werten werde für Eltern immer wichtiger. Zum anderen würden immer mehr christliche Schulen gegründet. Allein in Nordrhein-Westfalen gebe es derzeit fünf Gründungsinitiativen. Nach Ansicht von Dück – er amtiert auch als Geschäftsführer des Christlichen Schulvereins Lippe – ist vor allem das Verhältnis zwischen Eltern und Schule ein Schlüssel für eine gute Bildungsarbeit. Der Christliche Schulverein Lippe ist Träger von acht Schulen mit rund 3.000 Schülern.
Landeskirche: Wir wollen keine Konkurrenz sein
Der Schuldezernent der Evangelischen Kirche von Westfalen, Wolfram von Moritz (Bielefeld), begründete die Attraktivität landeskirchlicher Schulen damit, dass es dort „ein großes Bemühen um jedes einzelne Kind“ gebe. Die Ermutigung zu besonderen Leistungen sei genauso wichtig die Unterstützung bei Schwächen, sagte er gegenüber idea. Auch die Vermittlung christlicher Werte, besonders engagierte Lehrer und ein breites Angebotsspektrum trügen zu dem guten Ruf der evangelischen Schulen bei. Die Nachfrage nach freien Plätzen übersteige die Kapazitäten. Allerdings wolle man keine Konkurrenz zu staatlichen Schulen darstellen: „Unsere Gesellschaft braucht attraktive öffentliche Schulen – hervorragend ausgestattet, pädagogisch und fachlich auf dem neusten Stand.“
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