Bad Blankenburg: Diakonie für Kirchen genauso wichtig wie Verkündigung
Bad Blankenburg (idea) – Diakonie sollte für die Kirchen genauso wichtig sein wie die Verkündigung. Das sagte der Direktor der Internationalen Micha-Initiative, Pastor Joel Edwards (London), bei der Jahreskonferenz der Deutschen Evangelischen Allianz am 2. August im thüringischen Bad Blankenburg.
„Die Kirche hat ihr schönstes Gesicht immer dann gezeigt, wenn sie sich um Bedürftige kümmerte“, sagte er in einer Bibelarbeit zum Thema „Not und Hilfe“ vor rund 2.000 Besuchern. Noch bevor in der christlichen Urgemeinde über theologische Lehrfragen diskutiert worden sei, habe man über Themen der Gerechtigkeit gesprochen, etwa bei der Versorgung von Witwen und Waisen. Auch heute sei es für Christen eine der größten Herausforderungen des Evangeliums, sich um die Ärmsten zu kümmern. Die 2004 gegründete Micha-Initiative innerhalb der Weltweiten Evangelischen Allianz will Christen ermutigen, sich in ihren Gemeinden und bei Politikern für die Verwirklichung der entwicklungspolitischen Millenniums-Ziele der Vereinten Nationen einzusetzen. Im Jahr 2000 hatten sich Staats- und Regierungschef aus 191 Ländern u.a. zur Halbierung der extremen Armut und zur 75-prozentigen Verringerung der Kindersterblichkeit bis 2015 verpflichtet. Die christliche Initiative ist nach dem alttestamentlichen Propheten Micha benannt, der zu Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Demut vor Gott aufrief.
Christliche Gemeinde keine vollkommene Gesellschaft
Christen sollten sich nicht wundern, dass die Kirche in Teilen der Bevölkerung ein schlechtes Image habe. So gelte sie u.a. als homosexuellenfeindlich oder oberflächlich. Geistlichen werde vorgeworfen, sie lebten verschwenderisch und missbrauchten Kinder. Doch solche Vorwürfe seien nicht neu, sagte Edwards. Schon in der Urgemeinde hätten die Christen kein gutes Ansehen bei ihren Mitmenschen gehabt. So seien sie u.a. als Kannibalen und Regierungskritiker verschrien gewesen. Zwar seien auch heute die meisten Vorwürfe haltlos. Dennoch sei die weltweite christliche Gemeinde keine vollkommene Gesellschaft. „So sollen uns die Menschen auch nicht wahrnehmen“, sagte Edwards. „Sie sollen uns wahrnehmen als eine wachsende Gruppe von Menschen, die der Kraft Jesu vertrauen, an Wunder glauben und etwas gegen die weltweite Armut tun.“ Oft ähnelten christliche Gemeinden der Arche Noah: Innen riecht es zwar etwas, aber das sei immer noch besser als draußen in den Wellen, so Edwards. Die diesjährige Allianzkonferenz steht unter dem Thema „Abenteuer Gemeinde“.
Wenn Sie diesen Beitrag im Forum kommentieren möchten, dann schicken Sie eine E-Mail mit der Überschrift an: bernhard.limberg@idea.de.

