27. November 2017

Schaustellerpfarrer

„Weihnachtsmärkte nicht von Terrorangst kaputt machen“

Betonsperren sollen auf dem Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche auf dem Breitscheidplatz in Berlin zur Sicherheit beitragen. Foto: picture-alliance/Gregor Fischer/dpa
Betonsperren sollen auf dem Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche auf dem Breitscheidplatz in Berlin zur Sicherheit beitragen. Foto: picture-alliance/Gregor Fischer/dpa

Witzenhausen (idea) – Schausteller lassen sich die Weihnachtsmärkte nicht von Terrorangst kaputt machen. Das sagte der Leiter der Circus- und Schaustellerseelsorge der EKD, Pfarrer Torsten Heinrich (Witzenhausen bei Kassel), gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Ihm zufolge sind Schausteller die Letzten, die sich einschüchtern lassen, auch wenn der Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in den Köpfen präsent sei. Am 19. Dezember 2016 hatte der islamistische Attentäter Anis Amri einen Lkw in eine Menschenmenge gesteuert. Dabei starben elf Menschen, 55 wurden zum Teil schwer verletzt. Dies werde die Stimmung jedoch nicht wesentlich beeinflussen, so Heinrich. „Wir lassen uns unsere Art zu leben nicht zerstören.“ Die Weihnachtsmärkte hätten ihre Sicherheitsmaßnahmen in Absprache mit der Polizei erhöht, etwa durch mehr Präsenz von Polizisten und Wachschutz sowie durch das Aufstellen zusätzlicher Barrieren. Er rechne nicht mit einem Einbruch bei den Besucherzahlen, so Heinrich. 2016 wurden auf Weihnachtsmärkten bundesweit rund 85 Millionen Besucher gezählt.

Schausteller sind ein „sehr kirchliches und traditionsverbundenes Volk“

Laut Heinrich ist die Gemeinschaft der Schausteller ein „sehr kirchliches und traditionsverbundenes Volk“. Als evangelischer Pfarrer sei er sehr willkommen und wertgeschätzt. Seelsorgegespräche würden intensiv in Anspruch genommen. Viele Zirkusleute und Schausteller empfänden sich als „wanderndes Gottesvolk“. Sie seien sich mehr als andere Berufsgruppen bewusst, dass sie von Umständen abhängig sind, die sie nicht selbst beeinflussen könnten, etwa dem Wetter oder gesellschaftlichen Stimmungen. Sie lebten in dem Bewusstsein, dass Gott sie auf ihren Reisen begleite. In Deutschland arbeiten etwa 50.000 Zirkusleute und Schausteller.