29. September 2017

Bundestag

Was die Fraktionsvorsitzenden der Parteien glauben

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder (Mitte), steht dem Pietismus nahe. Foto: picture-alliance/abaca
Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder (Mitte), steht dem Pietismus nahe. Foto: picture-alliance/abaca

Berlin (idea) – Wie halten es die Fraktionsvorsitzenden der in den Bundestag gewählten Parteien mit dem christlichen Glauben? Die Evangelische Nachrichtenagentur idea gibt einen Überblick. Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, steht dem Pietismus nahe. In einem Interview 2014 sagte der heute 68-Jährige, er besuche sonntags den Gottesdienst und bete jeden Tag. Außerdem erklärte er, die evangelikale Bewegung imponiere ihm, da die Gottesdienste dort sehr lebendig seien. Die neue Fraktionsführerin der SPD im Bundestag, Andrea Nahles, gilt als fromme Katholikin. 2009 veröffentlichte sie ein Buch mit dem Titel „Frau, gläubig, links“. „Eine christliche Grundhaltung führt schließlich keineswegs dazu, dass man sich bei der CDU verorten muss“, schrieb die heute 47-Jährige damals. Mit keiner Person in der Geschichte habe sie sich so intensiv auseinandergesetzt wie mit Jesus Christus. Ihre Suche nach dem Sinn des Lebens habe sie immer wieder zu Gott geführt.

Gauland: „Vor allem die evangelische Kirche ist mir höchst unsympathisch“

Der Fraktionschef der AfD, Alexander Gauland, ist evangelisch, gehört der Kirche nach eigener Aussage aber vor allem aus Achtung vor seiner Familientradition an: „Ich fühle mich den Kirchen nicht verbunden. Vor allem die evangelische Kirche ist mir höchst unsympathisch. Sie hat sich seit Luther immer dem Staat und dessen Eliten angedient.“ Ihm fehle in der evangelischen Kirche das Widerständige, so der 76-Jährige: „Sie gibt sich feministisch-ökologisch und links-grün.“ Gaulands Kollegin an der Spitze der AfD, Alice Weidel, hat sich bislang nicht zu ihren Glaubensansichten geäußert. Eine Anfrage bei der Pressestelle der Partei, welcher Konfession Weidel angehört, blieb bislang unbeantwortet. FDP-Fraktionschef Christian Lindner ist konfessionslos. In der Vergangenheit sprach sich der 38-Jährige wiederholt gegen die Fixierung auf ein christlich-jüdisches Leitbild für Deutschland aus. Vielmehr verlange das Grundgesetz ein Leitbild, das unabhängig von Religion sei.

Göring-Eckardt: Kein Tag ohne Herrnhuter Losungen

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt besuchte als Kind und Jugendliche in der DDR die Christenlehre und den Konfirmandenunterricht. Erwachsen geworden sei ihr Glaube in der Jungen Gemeinde, bekannte sie einmal. Sie lese das Andachtsbuch „Losungen“, das Bibelstellen für jeden Tag enthält: „Die Erinnerung an das, was wir glauben, durchbricht immer für einen Moment den Alltag, das Treiben.“ Göring-Eckardt war von 2009 bis September 2013 Präses der Synode der EKD und somit Mitglied im Rat. Sie gehört weiterhin zur Synode der EKD. Ihr Fraktionskollege Cem Özdemir beschreibt sich selbst als säkularen Moslem.

Wagenknecht: Wer Marx verstehen will, sollte die Bibel gelesen haben

Der Fraktionsvorsitzende der sozialistischen Partei Die Linke im Bundestag, Dietmar Bartsch, äußerte sich im Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea zu seinem Verhältnis zum christlichen Glauben. Der 59-Jährige habe eine „klassische DDR-Erziehung genossen“: Er sei evangelisch getauft worden und habe als Kind mit Freude in einer Kinderbibel gelesen. Später habe er Religion wie Karl Marx gesehen, also als „Opium für das Volk“. In den letzten 20 Jahren habe sich sein Verhältnis zur Religion deutlich gewandelt. Als Linker könne man der Bibel viele Denkanregungen entnehmen. Allerdings könne er den Satz „Ich glaube an Gott“ nicht sagen. Seine Kollegin an der Spitze der Linken, Sahra Wagenknecht, ist konfessionslos. Wie sie in einem Interview einmal sagte, hat sie sich aber sehr wohl „mit biblischen Mythen“ beschäftigt. „Selbst Karl Marx benutzt ja sehr viel biblische Bilder! Wenn man also Marx richtig verstehen will, sollte man die Bibel gelesen haben. Das heißt nicht, dass man daran glauben muss, aber man sollte sie schon als wichtiges kulturelles Erbe rezipieren und wahrnehmen“, so die 48-Jährige.