10. November 2017

Reformationsjubiläum

Es fehlten neue Formen für Kirchenferne

Der Leiter des Liturgiewissenschaftlichen Instituts der VELKD, Prof. Alexander Deeg, beim Vortrag vor der Generalsynode in Bonn. Foto: imago stock&people
Der Leiter des Liturgiewissenschaftlichen Instituts der VELKD, Prof. Alexander Deeg, beim Vortrag vor der Generalsynode in Bonn. Foto: imago stock&people

Bonn (idea) – Viele Festgottesdienste während des 500-jährigen Reformationsjubiläums waren „von großer Erwartbarkeit gekennzeichnet“. Das sagte der Leiter des Liturgiewissenschaftlichen Instituts der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Prof. Alexander Deeg (Leipzig), am 10. November vor der Generalsynode der VELKD in Bonn. Offenbar sei es häufig das Ziel gewesen, „sich selbst vor der Welt darzustellen, anstatt einzutreten in den Wortwechsel mit dem lebendigen Gott“. Wenn man zu dem Jubiläum eine kritische Frage formulieren wollte, dann müsste sie laut Deeg lauten: Gab es zu wenig Gott? „Wir leben nicht in einer Zeit der Religionsverachtung, sondern in einer Zeit der Sehnsucht“, sagte er. Für die Kirchen bedeute das, neben den traditionellen Gottesdiensten auch nach neuen Formen für Konfessionslose zu suchen. Als Beispiele nannte er Jazzabende in Kirchen oder Feierlichkeiten für junge Menschen in Kirchenruinen: „Es braucht neben mit Liebe gefeierten Gottesdiensten Veranstaltungen, die offen sind und einladend, aber nichts mit Kirchenwerbung zu tun haben.“ Der Theologieprofessor Theodor Dieter (Straßburg) mahnte die lutherischen Kirchen, Lehre und Ausbildung nicht zu vernachlässigen. Der Lutherische Weltbund brauche eine gewaltige Bildungsoffensive. Bereits jetzt klagten Bischöfe in Afrika über mangelnden Nachwuchs, so der Theologe. Nach seinen Worten haben vor allem die lutherischen Kirchen in Deutschland, von wo die Reformation ausging, eine besondere Verantwortung und „eine Bringschuld“. Das Schwerpunktthema der Synode lautet „Zukunft auf gutem Grund – Wahrnehmung, Vergewisserung, Perspektiven“ und soll dazu beitragen, Erträge aus dem Jubiläumsjahr der Reformation für die Zukunft zu sichern.