22. Oktober 2017

Gnadauer Gemeinschaftsverband

Pietistische Dachorganisation für Mission unter Muslimen

Zwei Ratschläge der Arbeitshilfe: „Suchen Sie das Gespräch mit Muslimen. Praktizieren Sie Gastfreundschaft.“ Foto: pixabay.com
Zwei Ratschläge der Arbeitshilfe: „Suchen Sie das Gespräch mit Muslimen. Praktizieren Sie Gastfreundschaft.“ Foto: pixabay.com

Kassel (idea) – Der Evangelische Gnadauer Gemeinschaftsverband ermuntert die Mitglieder Landeskirchlicher Gemeinschaften dazu, das Gespräch mit Muslimen zu suchen und dabei die christliche Botschaft zu bezeugen. Der Theologische Arbeitskreis der pietistischen Dachorganisation hat dazu eine Arbeitshilfe mit dem Titel „Begegnung mit Muslimen“ verfasst. Sie wurde am 19. Oktober vorgestellt. Ziel des Papiers sei es, aus christlicher Verantwortung einen Beitrag zur Begegnung mit Muslimen zu leisten, „der von Sachkenntnis, Respekt sowie dem Ziel eines friedlichen Miteinanders in unserer Gesellschaft und einem glaubwürdigen christlichen Zeugnis getragen ist“. Bereits die ersten Christen im Römischen Reich hätten inmitten einer multireligiösen Gesellschaft gelebt: „Das Neue Testament sieht in dieser Situation keine Bedrohung, sondern in erster Linie gute Möglichkeiten für die Ausbreitung des Evangeliums.“ Und weiter heißt es: „Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass die Gute Nachricht von der Liebe und Gnade Gottes in Jesus Christus allen Menschen gilt, und wollen sie im Geist der Demut und Liebe in Wort und Tat allen Menschen weitergeben. Das missionarische Zeugnis und das aufrichtige Gespräch über den Glauben mit Menschen anderer Religion schließen sich dabei nicht aus, sondern bedingen einander.“

Wo Konfliktfelder liegen

Die Autoren der Arbeitshilfe warnen vor Vorurteilen oder Verallgemeinerungen: „Den Islam oder den Buddhismus gibt es ebenso wenig, wie das Christentum.“ Der Islam bilde keine einheitliche Größe. Auch dürfe radikaler Islamismus nicht mit dem Islam gleichgesetzt werden. Islamisten bildeten lediglich eine Minderheit. Als mögliche Konfliktfelder in der Begegnung mit Muslimen nennen die Autoren die fehlende Trennung von Staat und Religion im Islam, die weithin fehlende Möglichkeit des Religionswechsels sowie das Verhältnis des islamischen Religionsgesetzes Scharia zur deutschen Rechtsordnung: „Keiner kann vor den genannten Problemen die Augen verschließen.“ Es widerspreche einer freiheitlichen Gesellschaft, muslimisches Leben in Deutschland mit demselben Maß zu messen wie christliche Religionsausübung in islamischen Ländern. Allerdings fordere man die Bundesregierung dazu auf, sich nachdrücklich für Religionsfreiheit in muslimischen Ländern einzusetzen und gerade auch in Deutschland zum Christentum übergetretene frühere Muslime umfassend zu schützen.

Ratschläge für die Praxis

Die Arbeitshilfe gibt auch Tipps für die Praxis. So sollten Christen etwa den Koran lesen. Zudem könnten sie sich durch gute Fachliteratur über Lehre und Praxis des Islam, islamisch geprägte Länder und deren Kulturen informieren. Zwei weitere Ratschläge: „Suchen Sie das Gespräch mit Muslimen. Praktizieren Sie Gastfreundschaft.“ Der Tag der offenen Moschee am 3. Oktober biete zudem eine gute Gelegenheit, die Moschee in der Nähe von innen kennen zu lernen. Auch gebe es gute Beispiele von Begegnungen bis hin zu gemeinsamer Stadtteilarbeit von christlicher Gemeinde und Moschee-Gemeinde. Der Evangelische Gnadauer Gemeinschaftsverband umfasst etwa 90 Mitgliedsorganisationen, darunter 36 Gemeinschaftsverbände sowie theologische Ausbildungsstätten, Missionsgesellschaften und Diakonissen-Mutterhäuser.