07. Februar 2018

Pro und Kontra

Passen Kirche und Karneval zusammen?

Karneval bedeutet für viele eine Zeit der Ausgelassenheit. Foto: pixabay.com
Karneval bedeutet für viele eine Zeit der Ausgelassenheit. Foto: pixabay.com

Wetzlar (idea) – Die Hochphase des diesjährigen Karnevals hat begonnen. Die Jecken versammeln sich in der „fünften Jahreszeit“ verkleidet zu Prunksitzungen, Narrenfesten oder Fastnachtsumzügen. Oft wird vor der am Aschermittwoch (14. Februar) beginnenden Fastenzeit auch über die Stränge geschlagen. Das nimmt die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) zum Anlass, zwei Pfarrer in einem „Pro und Kontra“ zu fragen: Passen Kirche und Karneval zusammen?

Brandenburgischer Pfarrer: Wo Menschen lachen, sollte auch die Frohe Botschaft sein

Pfarrer Daniel Geißler aus der brandenburgischen Kleinstadt Niemegk ist der Meinung: „Wo Menschen miteinander lachen, sollte auch die Frohe Botschaft sein.“ Karneval sei traditionell in der DDR ein Ausdruck des Widerstands gegen das Regime gewesen. Er unterstütze den Fasching, weil „ich das kritische Infragestellen dieser Welt in Politik wie im Alltag als meine Aufgabe als Christ sehe“. Im Lachen über die Unzulänglichkeit dieser Welt schenke Gott allen Menschen eine Ahnung der erlösten Welt. Am letzten Sonntag vor der Passionszeit (Estomihi) gebe es in seiner Gemeinde im Gottesdienst eine Predigt, die die Jahreslosung in einer gereimten Geschichte aufgreife. Statt wie sonst 20 kämen dann 150 Besucher. Die meisten seien konfessionslos. Sie fänden dort einen Zugang zum Evangelium, weil sie eine Sprache hörten, die humorvoll und für sie verständlich sei.

Rheinischer Pfarrer: Vor der Passionszeit muss man nicht noch mal auf den Putz hauen

Die Gegenposition vertritt Pfarrer Andreas Beck aus der Kirchengemeinde Honnefeld, die zur Evangelischen Kirche im Rheinland gehört. Das evangelische Kirchenjahr sei durch weiche Übergänge geprägt. Vor der Passionszeit liege eine Zeit von drei Sonntagen, die langsam zu Jesu Leiden hinführe: „Wenn diese Zeit am Sonntag Estomihi zu Ende geht und man auf Passion eingestimmt ist, macht es plötzlich Täterä, und der Karneval hat seinen Höhepunkt. Das reibt sich.“ Er frage sich, ob die Passionszeit etwas so Unerwünschtes sei, dass man vor ihrem Beginn „noch mal auf den Putz“ haue. Aber er selbst grenze sich auch nicht völlig ab. Denn Karneval sei ebenso eine missionarische Möglichkeit. So liefere der örtliche Karnevalsclub die Gebetsanliegen und suche die Lesungen heraus. Zudem gebe es eine Dialogpredigt zwischen Pfarrer und Karnevalisten.