27. Januar 2018

Olaf Latzel

„Ich stand im Sturm und Jesus hat mich beschützt“

Der Bremer Pastor Olaf Latzel. Foto: idea/kairospress
Der Bremer Pastor Olaf Latzel. Foto: idea/kairospress

Bremen (idea) – Die umstrittene Predigt des Bremer Pastors Olaf Latzel vor drei Jahren hat aus seiner Sicht viele positive Auswirkungen gehabt. Er habe überwältigende Solidarität durch Glaubensgeschwister erlebt und tiefe Glaubenserfahrungen gemacht, sagte Latzel der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Der Pastor der St.-Martini-Gemeinde in Bremen hatte in der Predigt am 18. Januar 2015 (über die Bibelstelle Richter 6,25-32) davor gewarnt, die Unterschiede zwischen Christentum und Islam zu verwischen: „Es gibt nur einen wahren Gott. Wir können keine Gemeinsamkeit mit dem Islam haben.” Über das gemeinsame Gebet von Christen und Muslimen sagte er: „Das ist Sünde, und das darf nicht sein. Davon müssen wir uns reinigen.“ Zur Anfrage, ob man mitmachen müsse, „wenn die (Muslime/Anm.d.Red.) uns einladen zu ihrem Zuckerfest und all diesem Blödsinn“, sagte Latzel in der Predigt: „Nein, da müssen wir ganz sauber bleiben.“ Das Aufstellen von Buddha-Statuen bezeichnete er als „Götzendienst“. Die Predigt rief heftige Proteste hervor. Rund 70 Pastorenkollegen demonstrierten auf den Stufen des Bremer Doms gegen Latzel und warfen ihm „Fundamentalismus“ vor. Das Landesparlament – die Bremische Bürgerschaft – nannte die Predigt in einem mehrheitlich gefassten Beschluss „absolut indiskutabel“. Der oberste Repräsentant der Kirche, Schriftführer Renke Brahms, sprach von „geistiger Brandstiftung“. Latzel erhielt aber auch Unterstützung. Auf Facebook forderten 7.800 Sympathisanten, sich mit ihm zu solidarisieren.

Entscheidend ist, was Gott aus seiner Predigt macht

Aus heutiger Sicht würde er „einiges differenzierter sagen“, so Latzel. Für die Schärfe mancher Aussagen hatte er bereits kurz nach der Predigt um Entschuldigung gebeten. Er habe niemanden verletzen wollen, stehe aber zum Inhalt seiner Worte. Tief enttäuscht habe ihn allerdings manche Reaktion seiner Kirche: „Ich war traurig darüber, was Pastoren glauben bzw. nicht mehr glauben oder dass sie sich sogar komplett vom Grund der Bibel gelöst haben.“ In vielen Bereichen sei die evangelische Kirche nicht weit entfernt von dem, was der Reformator Martin Luther (1483–1546) vor 500 Jahren bekämpft habe. Die Stellung bibeltreuer Theologie sei noch schlechter, als er zuvor gedacht habe. Besonders „bitter“ sei für ihn gewesen, dass keiner seiner Kritiker das Gespräch mit ihm gesucht habe, bevor er an die Öffentlichkeit ging. „Ich hätte nicht gedacht, dass das gerade unter Theologen, die auf Kommunikation so viel Wert legen, möglich ist.“ Zugleich habe er Tausende Briefe und E-Mails von Unterstützern aus der ganzen Welt erhalten. „Ich habe Monate gebraucht, um das alles zu lesen.“ Auch Gott habe ihn in dieser Zeit durch sein Wort außergewöhnlich gestärkt. „Im Sturm stehend zu erleben, wie die Hand des Heilands Jesus Christus mir dient und mich schützt – das ist etwas ganz Wunderbares.“ Ihn beschränkten oder belasteten die Predigt und ihre Folgen nicht. Entscheidend sei für ihn letztlich, was Gott daraus mache: „Was Gottes Wort tut, entzieht sich meiner Bewertung.“