11. Juli 2018

Pro und Kontra

Musikexperte: Lieder in Gesangbüchern öfter durch neue ersetzen

Vor allem junge Menschen genießen moderne Lieder im Gottesdienst. Foto: pixabay.com
Vor allem junge Menschen genießen moderne Lieder im Gottesdienst. Foto: pixabay.com

Wetzlar (idea) – In vielen Gemeinden gibt es Streit um die Musik im Gottesdienst. Der Grund: Moderner Lobpreis und säkulare Popsongs finden immer öfter ihren Weg in die Kirche. Vor kurzem feierte etwa die Bremer Kirche St. Stephani einen Beatles-Gottesdienst. Das nahm die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) zum Anlass, in ihrer Serie „Pro und Kontra“ zwei Musiker zu fragen, ob mehr Popmusik im Gottesdienst erklingen sollte.

Pro: Popsongs erwärmen Herzen und Gedanken

Der Professor an der Robert-Schumann-Musikhochschule (Düsseldorf) und an der Evangelischen Popakademie (Witten), der Komponist und Musiker Dieter Falk, ist der Ansicht, dass gelebter Glaube die gegenwärtige Gesellschaft widerspiegeln muss – „und diese hört und lebt mehrheitlich eine Pop-geprägte Kultur“. Auch in der Vergangenheit hätten viele Kirchenliederautoren Volkslieder übernommen und mit neuen Texten kombiniert. Das habe „eine Welle von wunderbaren Kirchenhits in Gang gesetzt“. Daran gelte es heute anzuknüpfen. Falk: „Gute Popsongs sind frisch, weil sie rhythmisch anstecken.“ Sie würden zu Ohrwürmern und erwärmten Herzen und Gedanken. Seltenen Kirchengängern entlockten sie Zitate wie: „Wenn Kirche kulturell so bunt und lebensnah ist, dann komme ich öfter.“ Um diesen Trend zu fördern, empfiehlt Falk, Lieder in den Gesangbüchern schneller auszutauschen.

Kontra: Alte Musik enthält inhaltliche Schätze

Der Konzertpianist, ehrenamtliche Prediger und Gemeindeleiter Pavlos Hatzopoulos (Stuttgart) verweist dagegen auf die Verantwortung der Ortsgemeinde. Sie müsse entscheiden, welche Musik sie im Gottesdienst verwenden wolle: „Der Ausgangspunkt ist immer der Traditionscharakter einer Gemeinde.“ Menschen, in deren Familien und Gottesdiensten vor allem Kirchenmusik und klassische Musik gepflegt worden sei, täten sich mit anderen musikalischen Einflüssen schwer. Ihrer Ansicht nach enthielten alte Lieder oft „mehr biblischen Inhalt und bessere Theologie“ als die neueren. Dagegen verstünden Pop-geprägte Menschen die ältere Musik kaum noch oder gar nicht mehr. Hatzopoulos plädiert dennoch dafür, die alte Musik neu zu entdecken und ihr Raum in den Gottesdiensten zu geben: „Sie enthält viele verloren gegangene musikalische Reichtümer und inhaltliche Schätze, deren Verlust unsere Seele ärmer gemacht hat.“