16. November 2017

Kongress Christenverfolgung

Vergesst unsere Glaubensgeschwister nicht!

Der Kongress
Der Kongress "Christenverfolgung heute" fand zum fünften Mal statt. Foto: idea/kwerk.eu

Schwäbisch Gmünd (idea) – Mit dem Aufruf an Politik, Medien und Christen, die Situation der verfolgten Glaubensgeschwister weltweit nicht zu vergessen, ist am 15. November der 5. ökumenische Kongress „Christenverfolgung heute“ in Schwäbisch Gmünd zu Ende gegangen. Veranstalter des viertägigen Treffens mit rund 500 Teilnehmern waren das Christliche Gästezentrum Schönblick in Schwäbisch Gmünd und die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) in Zusammenarbeit mit 35 evangelischen und katholischen Hilfswerken sowie Menschenrechtsorganisationen – so vielen wie noch nie. Auf dem Kongress schilderten Christen – darunter viele Ex-Muslime – aus Afrika, Asien, Osteuropa und dem Nahen Osten, wie sie in ihren Heimatländern verfolgt werden und teilweise auch heute noch in Europa aus Angst vor Angriffen unter einem anderen Namen leben müssen. Mehr als 300 Teilnehmer des Kongresses unterzeichneten eine Resolution mit konkreten Forderungen, die nun an die Spitzen der an den Sondierungen für eine Jamaika-Koalition beteiligten Parteien CDU, CSU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen geschickt wird. Ferner sollen alle Bundestagsabgeordneten sie zur Information erhalten.

Forderung: Christen im Nahen Osten eine Rückkehrperspektive bieten

Die Unterzeichner rufen unter anderem auf, alles dafür zu tun, dass die aus dem Nahen Osten vertriebenen Christen wieder nach Hause zurückkehren können. Die Regierung müsse die finanziellen Hilfsmittel für den Wiederaufbau zur Verfügung stellen. Ferner plädieren sie für einen Beauftragten der Bundesregierung für Religionsfreiheit und einen regelmäßig erscheinenden Bericht zur Lage der Religionsfreiheit weltweit: „Hierbei sollte ein fester Bestandteil jedes Berichts die Lage der christlichen Minderheiten weltweit sein.“ Zudem wird ein anderer Umgang des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) mit zum Christentum übergetretenen Muslimen gefordert. Die Abschiebung von Konvertiten solle generell ausgesetzt und die Fälle geprüft werden.

Kuno Kallnbach: Durch den Kongress wird das Thema Christenverfolgung öffentlich

Wie der Kongressleiter, Kuno Kallnbach (Schwäbisch Gmünd), der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte, haben die persönlichen Berichte der Referenten die Teilnehmer bewegt – etwa, wenn man höre, was Menschen aus Hass und Fanatismus anderen antun. Aber neben den schmerzlichen Erfahrungen des Leidens habe man auch erleben können, wie stark Gott wirke: „Ich verbeuge mich vor dem Wirken des Heiligen Geistes in unseren verfolgten Schwestern und Brüdern. Wir haben gehört und gesehen, wie Jesus Herzen berührt hat und Frieden geschenkt hat.“ Die Veranstaltung habe ferner gezeigt, dass es Fortschritte in der ökumenischen Zusammenarbeit gebe. Unter den Referenten seien Protestanten, Katholiken und Orthodoxe gewesen. Die Kongresse hätten ebenso dazu beigetragen, dass das Thema in den vergangenen Jahren „etwas mehr“ in der Politik und der Öffentlichkeit angekommen sei.

Verfolgte Christen bitten um Gebet

Verfolgte Christen hätten vor allem die Bitte, dass im Westen für sie gebetet werde, betonte Kallnbach: „Das Gebet für die Christen hat sich vermehrt, kann aber beispielsweise in Gottesdiensten noch stärker in die Fürbitten aufgenommen werden.“ Auf dem Kongress sprachen rund 30 Referenten. Die Predigt im Abschlussgottesdienst hielt der Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland, Hans-Jürgen Abromeit (Greifswald). Er rief dazu auf, die Worte Jesu zum Martyrium ernst zu nehmen. Es sei zwar der Extremfall, dass ein Christ für seinen Glauben leide und sterbe, aber in einer solchen Situation „muss ich um der Nachfolge Jesu willen bereit sein, auch diesen Weg zu gehen“. Der Glaube, der das ganze Leben umfasse, sei etwas anderes als die „Wohlfühlreligion, die wir heute manchmal auf Kirchentagen oder bei manchem Wort zum Sonntag hören“.

Kongress startete 2009 mit zehn Kooperationspartnern

Der alle zwei Jahre stattfindende Kongress startete 2009 mit zehn Kooperationspartnern. Er will für bedrängte und verfolgte Christen eintreten und ihnen eine Stimme geben. Unter den Referenten sind deswegen auch betroffene Christen, die aus ihren Heimatländern berichten, in denen Verfolgung aus Glaubensgründen zum Alltag gehört. Der nächste Kongress findet vom 10. bis 13. November 2019 statt.