26. Januar 2018

„Wort und Wissen“

Klonen von Affen: Dadurch ist keine neue ethische Dimension erreicht

Chinesischen Forschern soll es laut der Fachzeitschrift „Cell“ geglückt sein, zwei Javaneraffen zu klonen. Sie sind also genetisch nicht voneinander zu unterscheiden. Foto: picture-alliance/ZUMA Press
Chinesischen Forschern soll es laut der Fachzeitschrift „Cell“ geglückt sein, zwei Javaneraffen zu klonen. Sie sind also genetisch nicht voneinander zu unterscheiden. Foto: picture-alliance/ZUMA Press

Cambridge (idea) – Das mutmaßlich erfolgreiche Klonen von Affen in China hat unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Chinesischen Forschern soll es laut der Fachzeitschrift „Cell“ (Cambridge/US-Bundesstaat Massachusetts) geglückt sein, zwei Javaneraffen mit Hilfe des sogenannten somatischen Zellkerntransfers zu klonen. Sie sind also genetisch nicht voneinander zu unterscheiden. Bei dem Vorgang wird ein Zellkern aus einer Körperzelle in eine entkernte Eizelle gefügt und von einer Leihmutter ausgetragen. 1996 gelang das zum ersten Mal beim Schaf „Dolly“.

Kommt als Nächstes das Klonen von Menschen?

Der Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, Bischof Vincenzo Paglia, befürchtet, dass dies ein nächster Schritt auf dem Weg zum Klonen von Menschen ist. Das werfe die Frage auf, „ob hier die Technik letztlich nicht den Menschen versklavt; das wäre dann das Gegenteil von dem, was die Wissenschaft tun sollte“, sagte er gegenüber „Vatican News“. Ähnlich äußerte sich die (katholische) Deutsche Bischofskonferenz. Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, der evangelische Theologe Prof. Peter Dabrock (Erlangen), bezeichnete den Vorgang im Interview mit dem Deutschlandfunk (Köln) als symbolisch bedeutsam. Erstmals sei ein Primat geklont worden, mit dem den Menschen mehr verbinde als mit anderen Tieren. Menschen-Klone dürfe es ihm zufolge nicht geben. Das werde aber nicht überall in der Welt so gesehen. Der Versuch, das reproduktive Klonen durch eine UN-Resolution zu verbieten, sei beispielsweise „krachend gescheitert“. „Reproduktive Freiheit“ sei in den USA und offensichtlich auch in den ostasiatischen Ländern ein hohes Gut, so Dabrock.

Evangelikale Studiengemeinschaft: Affen haben keine Sonderstellung

Zurückhaltend äußerte sich der für die evangelikale Studiengemeinschaft „Wort und Wissen“ tätige Chemiker Harald Binder (Konstanz). Der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn halte sich in Grenzen. Mit dem nun angewandten Verfahren seien nach „Dolly“ bereits unterschiedliche Tierarten geklont werden, etwa Mäuse, Rinder, Schweine, Katzen und Hunde. Die große mediale Resonanz scheine vor allem daran zu liegen, dass nun erstmals ein Affe geklont worden sei und viele Menschen eine „abstammungsgeschichtliche Nähe“ zu den Tieren annähmen, äußerte Binder gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Gemäß den Aussagen der Bibel stamme der Mensch aber nicht vom Affen ab. Deswegen hätten die Primaten im Vergleich zu anderen Tieren auch keine Sonderstellung, und das Klonen von Affen sei ethisch betrachtet darum „keine neue Dimension“.