28. November 2017

Landessynode

Keine kirchliche „Homo-Trauung“ in Württemberg

Die württembergische Landessynode bei ihrer Tagung am 28. November in Stuttgart. Foto: idea/Schillinger
Die württembergische Landessynode bei ihrer Tagung am 28. November in Stuttgart. Foto: idea/Schillinger

Stuttgart (idea) – Gleichgeschlechtliche Partnerschaften können sich auch künftig in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg nicht kirchlich trauen lassen. Das entschied die Synode bei ihrer Tagung am 28. November in Stuttgart. Von den anwesenden 97 Synodalen lehnten 59 den Gesetzesvorschlag der linksliberalen „Offenen Kirche“ ab, gleichgeschlechtliche Partnerschaften ab dem 1. Januar kirchlich zu trauen. 36 Kirchenparlamentarier stimmten dafür, zwei enthielten sich.

Landesbischof wirbt für öffentliche Segnung

Eine Entscheidung, ob die rund 1.300 Gemeinden der Landeskirche gleichgeschlechtliche Partnerschaften künftig öffentlich segnen können, steht noch aus. In erster Lesung fand der Gesetzesvorschlag die benötigte einfache Mehrheit. Die zweite Lesung findet am 29. November statt. Der Gesetzesvorschlag braucht dann eine Zwei-Drittel-Mehrheit (66 Stimmen) der Synodalen. Landesbischof Frank Otfried July (Stuttgart) plädierte vor der Synode für die öffentliche Segnung. Der Oberkirchenrat habe den Entwurf einmütig beschlossen. Er sieht vor, dass einer öffentlichen Segnung der Kirchengemeinderat mit einer Dreiviertelmehrheit und der Pfarrer zustimmen müssen. Kirchengemeinden, die das ermöglichen wollen, müssen selbst aktiv werden. Außerdem werde es einen umfassenden Gewissensschutz für Pfarrer geben.

Frage polarisiert auch Pfarrer

Die Bibel kenne im Gegensatz zum Staat nur die Ehe zwischen Mann und Frau, so July. „Wir sehen darin keine Diskriminierung gleichgeschlechtlicher, verheirateter Paare, sondern eine besondere Betonung der Ehe zwischen Mann und Frau.“ July beklagte, dass die Frage nach einer öffentlichen Segnung oder kirchlichen Trauung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften auch die Pfarrer sehr polarisiert habe. Dabei stehe hier nicht „Glaube gegen Unglaube, Bibeltreue gegen Bibelvergessenheit und auch nicht Barmherzigkeit gegen Fundamentalismus“. Der Gesetzesvorschlag ermögliche den württembergischen Kirchengemeinden in „evangelischer Freiheit“, es entweder bei der bisherigen Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften in nichtöffentlichem Rahmen zu belassen oder die Paare öffentlich zu segnen.

„Offene Kirche“: Landeskirche diskriminiert gleichgeschlechtliche Partnerschaften

Der Leiter des Gesprächskreises „Offene Kirche“, Prof. Martin Plümicke (Reutlingen), warf dem Oberkirchenrat vor, dass sein Gesetzesvorschlag „vor Diskriminierungen strotze“: Wer die Ehe zwischen Mann und Frau bevorzuge, grenze andere aus. „Württemberg soll sich hier zur Speerspitze gegen die Diskriminierung machen.“

„Vorschlag nimmt unterschiedliche Überzeugungen ernst“

Der Vorsitzende des Rechtsausschusses, Prof. Christian Heckel (Sigmaringen), von der Gruppe „Evangelium und Kirche“ hält den Entwurf des Oberkirchenrats für keinen „Kompromiss auf halbem Wege“, sondern ein „Eingeständnis, dass es in der betreffenden Frage an einer Einheit im Bekenntnis der Kirche – jedenfalls derzeit – fehlt“. Das zeige sich darin, dass eine Handreichung zu einer öffentlichen Segnung mit einer Zweidrittelmehrheit der Synodalen bei ihre nächsten Tagung verabschiedet werden müsse. „Der vorgelegte Gesetzentwurf zeigt eine Lösung auf, die unterschiedliche Überzeugungen ernst nimmt.“

„Lebendige Gemeinde“: Trausegen nur für die Ehe zwischen Mann und Frau

Nach Ansicht des Vorsitzenden des größten Gesprächskreises „Lebendige Gemeinde“ (43 Sitze), Dekan Ralf Albrecht (Nagold), segnet Gott „die Ehe von Mann und Frau in besonderer Weise. Der Trausegen ist ein einzigartiger Segen für die eheliche Gemeinschaft von Mann und Frau. Er kann darum nicht auf eine andere Lebensform eins zu eins übertragen werden.“ Deshalb könne der Gesprächskreis einer öffentlichen Segnung, wie vom Oberkirchenrat vorgeschlagen, nicht zustimmen.

„Offene Kirche“: Segen kann die Kirche nicht verwehren

Laut Pfarrerin Elke Dangelmaier-Vincon (Ludwigsburg) vom Leitungskreis des linksliberalen Gesprächskreises „Offene Kirche“ (32 Sitze) kann die Kirche gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, die verbindlich zusammenleben wollen, den öffentlichen Segen nicht verwehren. Christen hätten ihre Ethik immer wieder neu justiert, beispielsweise bei ihrer Haltung zur Sklaverei. „Wir stimmen dem Vorschlag des Oberkirchenrates schweren Herzens zu, weil wir einen kleinen Fortschritt ermöglichen wollen“, sagte die Theologin.

„Evangelium und Kirche“: Segnung ist keine Bekenntnisfrage

Laut dem Sprecher des Gesprächskreises „Evangelium und Kirche“ (14 Sitze), Dekan Ernst-Wilhelm Gohl (Ulm), ist eine öffentliche Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften keine Bekenntnisfrage und berührt nicht die Christologie. Die Segnung als auch deren Ablehnung lasse sich theologisch begründen. Wichtig sei, dass jeder Pfarrer seinem Gewissen frei folgen könne. Deshalb stimme man dem Vorschlag des Oberkirchenrates zu.

„Kirche für morgen“: Die Bibel lehnt Segnung nicht ab

Den Angaben von Diakon Götz Kanzleiter (Ostelsheim/Nordschwarzwald) vom Gesprächskreis „Kirche für morgen“ (7 Sitze) zufolge hat sich die Gruppierung in den vergangenen Jahren intensiv mit den biblischen Texten zum Thema Homosexualität auseinandergesetzt. „Aus unserer Sicht rechtfertigt die Exegese dieser Bibelstellen keine abschließende Ablehnung einer Segnung gleichgeschlechtlich liebender Paare.“ Die württembergische Landeskirche hat 2,1 Millionen Mitglieder in rund 1.300 Gemeinden.