23. Januar 2018

Kabul

Getötete Entwicklungshelferin war engagierte Christin

Die 66-Jährige Brigitte Weiler setzte sich mit ihrer Hilfsorganisation in Afghanistan für arme Menschen ein. Foto: Cabilla
Die 66-Jährige Brigitte Weiler setzte sich mit ihrer Hilfsorganisation in Afghanistan für arme Menschen ein. Foto: Cabilla

Kabul (idea) – Die bei einem Anschlag auf ein internationales Hotel in der afghanischen Hauptstadt Kabul getötete deutsche Entwicklungshelferin war eine engagierte evangelische Christin. Die 66-jährige Brigitte Weiler (Herrenberg bei Stuttgart) habe aus ihrem christlichen Glauben heraus seit den 1980er Jahren den armen Menschen in Afghanistan geholfen, sagte der Internationale Leiter des christlichen Hilfswerks Shelter Now (Zuflucht jetzt), Georg Taubmann (Sulzbach-Rosenberg bei Nürnberg), der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Bei dem Anschlag am 20. und 21. Januar hatten sechs Attentäter der radikal-islamischen Taliban 24 Menschen – darunter 14 Ausländer – erschossen, bevor sie von Sicherheitskräften nach einem zwölfstündigen Feuergefecht getötet wurden.

Aktiv als Krankenschwester und Schiffsoffizierin

Weiler hat Taubmann zufolge in ihrem Beruf als Krankenschwester und Schiffsoffizierin gearbeitet, um mit dem verdienten Geld Hilfsprojekte in dem Land am Hindukusch zu finanzieren. Dazu habe sie den Verein Cabilla gegründet. So kaufte sie warme Winterkleidung und Schulmaterialien für 2.200 Kinder und organisierte den Erwerb eines Wassertanks sowie eines Herdes für eine Schule, schrieb sie in ihrem Blog. Mit Unterstützung von Shelter Now kümmerte sie sich um den Wiederaufbau einer Schule, die bei einer Lawinenkatastrophe in der Provinz Pandschir im März 2015 völlig zerstört worden war. Taubmann: „Sie war eine sehr mutige Frau.“ Bei ihrer jetzigen Reise wollte sie ein Taubstummenprojekt von Shelter Now besuchen.

Sie war dieses Mal in Sorge um ihre Sicherheit

Nach den Worten von Taubmann übernachtete die Getötete bei ihren Reisen gewöhnlich in einfachen Gästehäusern oder bei Freunden. Weil sie jetzt aber Angst um ihre Sicherheit hatte, habe sie das „Intercontinental“ gewählt. Das Hotel gilt als sicherste Unterkunft in Kabul.

Taliban machten gezielt Jagd auf Ausländer

Taubmann zufolge machten die Angreifer gezielt Jagd auf ausländische Gäste: „Einheimische ließen sie laufen.“ Die Sicherheitslage in Kabul hat sich seit dem Ende der NATO-Kampfmission im Dezember 2014 stark verschlechtert. 2017 gab es allein dort über 20 schwere Anschläge mit mehr als 500 Toten. Bei einem ähnlichen Überfall auf ein Gästehaus war ebenfalls in Kabul im Mai 2017 die deutsche Entwicklungshelferin und Christin Simone Beck (44) getötet worden. Shelter Now ist seit 1988 in Afghanistan tätig. Das Werk finanziert seine Hilfsaktionen zu einem großen Teil aus Spenden. 99 Prozent der 30,6 Millionen Einwohner Afghanistans sind Muslime.