30. Oktober 2017

Reformation

idea-Serie: 95 Christen formulieren 95 Thesen

Der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen,Carsten Rentzing. Foto: idea/kairospress
Der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen,Carsten Rentzing. Foto: idea/kairospress

Wetzlar (idea) – Der Thesenanschlag Martin Luthers (1483–1546) am 31. Oktober 1517 in Wittenberg gilt als die Initialzündung der Reformation. Aber welche Thesen wären heute notwendig? Die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) hat deswegen 95 Christen gebeten, jeweils eine These zur Situation von Kirche und Gesellschaft zu formulieren und anschließend kurz zu erläutern. Die Ergebnisse veröffentlicht idea in einer Serie. Der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen,Carsten Rentzing (Dresden), äußert in seiner These, Gott dürfe nicht klein gemacht werden durch die Überschätzung der Kräfte des Menschen oder Kirche: „In der Größe des lebendigen Gottes liegt die wahre Freiheit des Menschen von falschen Ansprüchen, von Selbstüberschätzung und Angst begründet.“

Landesbischof July: Trotz unterschiedlicher Prägung an der Gemeinschaft mitwirken

Der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July (Stuttgart), ist überzeugt, dass die Kirche der Reformation Zukunft hat, wenn Menschen unterschiedlicher Glaubensprägung „in ihr weiterhin Gemeinschaft mit Gott und miteinander erleben und bereit sind, an dieser Gemeinschaft weiter mitzuwirken“. Christen seien „Gott sei Dank“ verschieden: „Sie bezeugen Christus mit ihren unterschiedlichen Gaben. Die Einheit der Kirche schafft dafür die Voraussetzung. Das ist Gemeinschaft in der einen Kirche Jesu Christi.“

EKD-Ratsmitglied Joussen: In der Kirche herrsche von Akzeptanz erfüllte Vielfalt

Prof. Jacob Joussen (Düsseldorf) – er ist Mitglied des Rates der EKD – wünscht sich: „In der Kirche herrsche nicht unkritische, unreflektierte Einheit, sondern von Akzeptanz erfüllte Vielfalt.“ Einer sollte den anderen in Liebe ertragen. Die Aufforderung des Apostels Paulus an die Gemeinde in Ephesus soll ihm zufolge Richtlinie für das Glaubensleben in der Kirche sein: „Wenn das Wort Gottes als Maßstab unseres Glaubens uns verbinden soll, wird entscheidend, dass wir uns innerhalb des von ihm gegebenen Rahmens gegenseitig annehmen und akzeptieren.“ Nur so sei man missionarisch Kirche für alle.

Kirchenpräsident Heimbucher: Jünger Jesu sind furchtlos, glücklich und in Schwierigkeiten

Der Kirchenpräsident der Evangelisch-reformierten Kirche, Martin Heimbucher (Leer), zitiert den schottischen Theologen William Barclay (1907–1978): „Jesus hat seinen Jüngern drei Dinge versprochen: Sie werden absolut furchtlos sein, unglaublich glücklich und immer in Schwierigkeiten.“ Heimbucher zufolge sind Christen furchtlos, weil sie nichts trennen könne von der Liebe Gottes. Sie seien glücklich, weil sie wüssten, dass Gott es sehr gut mit dieser Welt meine. Gleichzeitig seien sie in Schwierigkeiten, „weil Gott genau umgekehrt urteilt als üblich: Die Reichen sind arm. Und die Armen reich. Denn ihnen gehört die Zukunft.“

Evangelistin Brudereck: Kirche ist ein Kraftort

Für die Evangelistin und Autorin Christina Brudereck (Essen) ist Kirche ein Kraftort. Sie liebe die lokale Gemeinde und die weltweite Kirche dafür, dass sie Auferweckung feiere: „Hoffnung. Unterbrechung. Trotz. Trostkraft. Überwindung. Liebe, die stärker ist als Scheitern und Angst.“ Die Kirche mache Menschen zu Schenkern und helfe mit Christus, Angst zu überwinden: „Mit einer Liebe, die sogar stärker als der Tod ist.“

Oberkirchenrat Kaufmann: Alle Menschen sind gleich wertvoll

Der Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werkes Württemberg, Oberkirchenrat Dieter Kaufmann (Stuttgart), stellt den Wert des Menschen in den Mittelpunkt seiner These: „Alle Menschen sind aufgrund der ihnen von Gott verliehenen und unverlierbaren Würde gleich wertvoll.“ Die Kirche sei diakonisch und trete für soziale Gerechtigkeit und die Achtung jedes einzelnen Menschen ein: „In der Vielfalt des Lebens engagieren wir uns für ein gutes Miteinander in unserer Gesellschaft.“ Kaufmann ist Mitglied im Rat der EKD.