02. Februar 2018

idea-Leitungswechsel

Was christliche Publizistik ausmacht

v.l.: Michael Inacker, Peter Hahne, Birgit Kelle, Jörg Bollmann, Christoph Waffenschmidt und Ekkehart Vetter. Foto: idea/Wolfgang Köbke
v.l.: Michael Inacker, Peter Hahne, Birgit Kelle, Jörg Bollmann, Christoph Waffenschmidt und Ekkehart Vetter. Foto: idea/Wolfgang Köbke

Wetzlar (idea) – Die Entscheidung der EKD-Synode, den jährlichen Zuschuss von 132.000 Euro für die Evangelische Nachrichtenagentur idea erst zu kürzen und dann ab 2020 zu streichen, war falsch. Diese Ansicht vertrat der Vorstandsvorsitzende der Internationalen Martin Luther Stiftung, der Manager Michael Inacker (Berlin), bei einer Podiumsdiskussion zum Thema „Christliche Publizistik heute“ am 1. Februar im hessischen Wetzlar. Anlass für die Festveranstaltung mit rund 350 Gästen war der idea-Leitungswechsel: Matthias Pankau (41) folgt auf Helmut Matthies (67), der nach knapp 40 Jahren als idea-Leiter das Amt abgegeben hat. Dass ein so überschaubares Geldbudget gestrichen werde, sei eine Frechheit, so Inacker. Er empfinde es als „sündhaftes Verhalten der Kirchengremien“. Er habe allgemein den Eindruck, dass man sich in vielen kirchlichen Gremien nur die Mitglieder suche, mit denen man „schulterklopfend“ zusammenstehen könne, anstatt das Potenzial von anderen zu nutzen. idea stehe für gute Recherche und klare Kommentare. Es biete geistliche Nahrung, „die mich in der säkularen Welt trägt und unterstützt“.

Chef des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik: idea macht „herausragende Arbeit“

Der Direktor des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP), Jörg Bollmann (Frankfurt am Main), erwiderte, dass man darüber diskutieren könne, ob es klug gewesen sei, den Zuschuss zu streichen. Er sei aber froh, dass das Geld nicht aus dem Kreislauf der evangelischen Publizistik herausgenommen worden sei. Zum Hintergrund: Das Geld soll in einen Projektförderfonds investiert werden, um dessen Mittel sich alle evangelikal geprägten Medienwerke bewerben können. Ohne idea würde Bollmann zufolge in der evangelischen Publizistik etwas fehlen. Die Nachrichtenagentur mache eine „herausragende Arbeit“. Christliche Publizistik habe grundsätzlich den Auftrag, etwas öffentlich zu machen, Fürsprache zu üben, Barmherzigkeit zu vermitteln und Stummen eine Stimme zu geben: „Daran kann man sich orientieren.“

Vorsitzender von World Vision Deutschland: Christen müssen zusammenstehen

Der Vorsitzende des christlich-humanitären Hilfswerks World Vision Deutschland, Christoph Waffenschmidt (Friedrichsdorf bei Frankfurt am Main), äußerte die Ansicht, christliche Publizistik solle die Gräben zwischen den unterschiedlichen christlichen Glaubensrichtungen überwinden und deutlich machen, dass „wir als Christen zusammenstehen müssen“. idea stehe für pointierten Journalismus. Der Bestsellerautor Peter Hahne (Berlin) bezeichnete es als eine Mär, dass religiöse Themen keine Zuschauer und Leser binden würden. Der ZDF-Fernsehgottesdienst habe erstaunliche Quoten, und auch in der größten Sonntagszeitung in Europa, der „Bild am Sonntag“ – Hahne schreibt dort regelmäßig eine Kolumne –, könne man christliche Inhalte weitergeben.

Birgit Kelle: Wir berichten, was andere nicht hören wollen

Die Publizistin Birgit Kelle sagte, dass christliche Journalisten zugespitzt formulieren dürften, sich aber immer die Frage stellen müssten, wo die Grenze sei. Sie müssten auch mit denen anständig umgehen, deren Meinung sie nicht teilten. Kelle rief christliche Journalisten in säkularen Medien auf, sich mit ihrer Haltung nicht zu verstecken. Das fange bereits in der Redaktionskonferenz an. Die christliche Publizistik wiederum sei bedeutsam, weil sie andere Themen setze als säkulare Medien, etwa beim Thema Lebensrecht für ungeborene Kinder. Dort bekämen die eine Stimme, die woanders keine hätten: „Wir berichten, was andere nicht hören wollen.“ Der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Präses Ekkehart Vetter (Mülheim an der Ruhr), betonte, dass man mit den meisten Muslimen in Deutschland sehr gut über den Glauben reden könne. Er wünsche sich, dass idea eine Atmosphäre verbreite, die Menschen Mut mache, mit Muslimen über das Christentum ins Gespräch zu kommen.

idea-Ehrenvorsitzender Marquardt: Auch bei Gegenwind ist Matthies standhaft geblieben

Der idea-Ehrenvorsitzende Horst Marquardt lobte Matthies als standfesten Journalisten und Christen. Er habe auch bei starkem Gegenwind an seinen Positionen festgehalten. Noch kurz vor dem Fall der Mauer sei ihm von der EKD vorgeworfen worden, er trete für die Wiedervereinigung ein. Die Geschichte habe ihm dann allerdings recht gegeben. Besondere Aufmerksamkeit habe er verfolgten Christen geschenkt.

Hochrangige Vertreter aus der EKD und dem Pietismus unter den Gästen

Unter den Gästen der Festveranstaltung waren unter anderen der Präsident des Kirchenamtes der EKD, Hans Ulrich Anke (Hannover), einer seiner Vorgänger, Valentin Schmidt (1997 bis 2006), und der EKD-Pressesprecher Carsten Splitt. Ebenso vor Ort waren führende Vertreter des Pietismus und der Freikirchen, darunter der Generalsekretär des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes (Vereinigung Landeskirchlicher Gemeinschaften), Frank Spatz (Kassel), der Vorsitzende des Landesverbandes Landeskirchlicher Gemeinschaften in Sachsen, Prof. Johannes Berthold (Moritzburg), und der Präsident der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF), Christoph Stiba (Wustermark bei Berlin). Aus der Politik beteiligten sich beispielsweise die frühere thüringische Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) und der ehemalige hessische Kultus- und Justizminister sowie Mitbegründer des konservativen „Berliner Kreises“ in der CDU, Christean Wagner (Lahntal bei Marburg). Vor der Festveranstaltung war Pankau in einem Gottesdienst im Wetzlarer Dom in sein Amt eingesegnet worden. Die Festpredigt hielt der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Carsten Rentzing (Dresden). Die 1970 gegründete Evangelische Nachrichtenagentur idea publiziert Nachrichten und Meinungen vor allem aus der evangelischen Welt. Sie gibt mit ideaSpektrum das auflagenstärkste überregionale evangelische Wochenmagazin in Deutschland heraus.