07. November 2017

EKD-Ratsvorsitzender

„Wir sind nicht kurz vor dem Aussterben“

Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Foto: ELKB/Rost
Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Foto: ELKB/Rost

Wetzlar (idea) – Gegen eine pessimistische Beschreibung der kirchlichen Lage hat sich der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München), gewandt. „Wer durch Schlagzeilen und Kommentare den Eindruck erweckt, dass wir Christen kurz vor dem Aussterben sind, liegt völlig falsch“, sagte er in einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar). Fast 46 Millionen gehörten in Deutschland den beiden Volkskirchen an – also die Mehrheit der Bevölkerung. Anstatt kulturpessimistisch den Niedergang zu beklagen, sei es an der Zeit, sich darüber zu freuen, „dass all diese Menschen bewusst Mitglied der Kirche sind“.

„Wir haben genug Ideen, um der Säkularisierung zu begegnen“

Zur Frage, ob die EKD hier einer Selbsttäuschung unterliege, sagte Bedford-Strohm, in der Diagnose eines „kirchlichen Traditionsabbruchs“ sei er sich mit seinen Kritikern einig. Die Kirche müsse deshalb experimentieren, um Menschen auf unterschiedliche Weise zu erreichen. Entscheiden sei, junge Menschen für die Kirche zu gewinnen, etwa du rch Konfirmanden-Camps. Bedford-Strohm: „Wir haben jedenfalls genug Ideen, um der Säkularisierung zu begegnen.“ Nach seiner Erfahrung hat die Aufmerksamkeit für die Feiern des 500. Reformationsjubiläums alle Erwartungen übertroffen. Es sei gelungen, Glaubensthemen deutlich zu machen. Die Gottesdienste am Reformationstag seien in vielen Gemeinden überfüllt gewesen: „Wir haben landesweit eine unglaubliche Beteiligung in den Dörfern und Städten erlebt. Die Marktplätze waren voll.“ Die Menschen hätten die Reformation als Bildungsgut neu entdeckt und sich vom Kern der Reformation anstecken lassen. Das werde in die Zukunft ausstrahlen. Auch das Ziel, ein ökumenisches Christusfest zu feiern, sei „voll erreicht“ worden. Zu den katholischen Geschwistern sei ein hohes Maß an Vertrauen gewachsen.

Selbstkritik: Weniger Eintrittskarten verkauft als angestrebt

Zugleich äußerte Bedford-Strohm auch Selbstkritik. So habe man in der Lutherstadt Wittenberg nicht so viele Eintrittskarten für die Weltausstellung verkauft wie angestrebt. Die Zahl der registrierten Besucher verfehlte mit etwa 294.000 die erwarteten 500.000. Die EKD habe die Zahl der Menschen, die nach dem Besuch der Schlosskirche und dem Lutherhaus auch noch die Weltausstellung anschauen wollten, überschätzt. Dennoch seien in Wittenberg wie überall sonst in Deutschland ungeheuer viele Bürger erreicht worden. Bedford-Strohm: „Die Diskussionen um die Ticketzahlen in Wittenberg und bei den Kirchentagen auf dem Weg sind für mich eindeutig nachgeordnet.“

Für Evangelisation braucht es niedrigschwellige Formen

Ferner äußerte sich Bedford-Strohm zur Bedeutung der Evangelisation. Um Menschen für christliche Glaubensinhalte zu interessieren, brauche es auch niedrigschwellige Formen. Ein Beispiel sei der Playmobil-Luther. Er sei inzwischen mehr als eine Million Mal verkauft worden. Auch durch Kurzvideos im Internet werbe die EKD für ihre Anliegen. Es komme dabei nicht darauf an, „in steiler Bekenntnis-Manier von Christus zu reden“. Vielmehr versuche man damit, neugierig zu machen und Interesse zu wecken. Auch das EKD-Monatsmagazin „chrismon“ sei ein geeigneter Türöffner. Das Magazin helfe, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die sich sonst nicht mit einem theologischen Text beschäftigen würden.