13. Juni 2018

Pro und Kontra

EKD-Oberkirchenrätin: Die Kirche braucht eine Frauenquote

v.l.: Oberkirchenrätin Kristin Bergmann und die Synodale der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Prisca Steeb. Fotos: Privat
v.l.: Oberkirchenrätin Kristin Bergmann und die Synodale der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Prisca Steeb. Fotos: Privat

Wetzlar (idea) – Die Leiterin des Referates für Chancengleichheit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Oberkirchenrätin Kristin Bergmann (Hannover), hat sich für eine Frauenquote auf der mittleren kirchlichen Leitungsebene ausgesprochen. Sie äußerte sich im Rahmen der Rubrik „Pro und Kontra“ der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar). In anderen Bereichen vertrauten die Landeskirchen auch nicht allein darauf, dass sich „die gute Absicht“ durchsetzen werde, so Bergmann. Beim Verhältnis von „Laien“ zu Ordinierten etwa seien Quoten längst gängige Praxis. Dass eine reine Absichtserklärung nicht reiche, zeige auch ein Beschluss der EKD-Synode in Bad Krozingen im Jahr 1989. Damals forderten die Synodalen, dass bis 1999 mindestens 40 Prozent aller Leitungspositionen mit Frauen zu besetzen seien. Das sei bis heute keine Realität geworden, betont Bergmann. Drei von vier Leitungsämtern auf der mittleren Führungsebene seien immer noch mit Männern besetzt. Die formale rechtliche Gleichbehandlung von Männern und Frauen sei daher nicht zielführend: „Eine Geschlechterquote kann hier helfen.“ Bergmann zufolge verändert sich auch das Leitungsamt selbst, wenn Frauen in größerer Zahl ein leitendes Amt innehätten. So würden Fragen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie anders stellen: „Davon profitieren letztlich auch die Männer, die sich trotz eines Leitungsamts ausreichend Zeit für ihre Familien wünschen.”

Kontra: Die Kompetenz ist entscheidend

Anderer Meinung ist die jüngste Synodale der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Prisca Steeb (Stuttgart). Die 25-Jährige hält „sehr wenig“ von einer Frauenquote, da sie das „falsche Instrument“ sei. Sie freue sich sehr, wenn Frauen in der Kirche in Führungspositionen seien, so Steeb. Bei gleicher Qualifikation dürften eine Zeit lang Frauen auch bevorzugt werden, aber es müsse eine Kompetenzfrage bleiben: „Vielleicht habe ich hierauf auch einen naiven Blick, doch ich bin der Überzeugung, dass wir in unserer Kirche unglaublich viele kompetente Frauen haben, die es auch ohne eine Quote schaffen, in Führungspositionen zu kommen.“ Zudem sei es mit Blick auf den höheren Anteil von Theologiestudentinnen nur eine Frage der Zeit, bis ebenso der Frauenanteil in Führungspositionen steige.