16. Mai 2018

Islamwissenschaftler

DITIB-Besuch von Ministerpräsident Laschet stößt auf Kritik

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsidenten Armin Laschet. Foto: picture-alliance/Federico Gambarini
Der nordrhein-westfälische Ministerpräsidenten Armin Laschet. Foto: picture-alliance/Federico Gambarini

Aachen/Berlin (idea) – Der Besuch des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) bei der Einweihungsfeier der neuen Moschee des türkisch-islamischen Verbandes DITIB (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) in Aachen stößt auf Kritik. Der Politiker hatte an dem Festakt am 12. Mai als Ehrengast teilgenommen und eine Rede gehalten. Darin sagte Laschet unter anderem: „Der Islam gehört zu Nordrhein-Westfalen und die 1,5 Millionen Muslime sind selbstverständlich Teil unserer Gesellschaft.“ Der Auftritt des Ministerpräsidenten offenbare eine erschreckend unkritische Haltung gegenüber dem Islamverband, erklärte der Islamwissenschaftler und Publizist Ralph Ghadban (Berlin) gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Laschet setze „an der falschen Stelle auf Versöhnung, statt berechtigte Fragen zu stellen“. Es sei allgemein bekannt, wie abhängig DITIB von dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sei. Mit seinem Besuch habe Laschet ihm „Wahlkampfhilfe geleistet“. In der Türkei finden am 24. Juni Präsidentschaftswahlen statt.

DITIB steht für Hetze gegen Christen und Juden

Kritik äußerte auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Christoph de Vries (Hamburg). Er ist im Innenausschuss des Parlaments Berichterstatter für Kirchen, Religionsgemeinschaften und die Islamkonferenz. DITIB stehe „nicht für Miteinander und Toleranz, sondern für Nationalismus, Kriegsverherrlichung, Hetze gegen Christen und Juden und das Ausspionieren der eigenen Glaubensbrüder“, schrieb de Vries in einem Gastkommentar für die Tageszeitung „Die Welt“ (Ausgabe vom 16. Mai). Laschet habe mit seiner Geste „die mutigen Vertreter, die für einen aufgeklärten, liberalen Islam stehen und dafür regelmäßig angefeindet werden, vor den Kopf gestoßen und große Enttäuschung bei ihnen hervorgerufen“.

Ökumenische Andacht zur Eröffnung der Moschee

An der Eröffnungsfeier für die Moschee nahmen auch Vertreter der großen Kirchen teil. Der Beauftragte für das christlich-islamische Gespräch des Evangelischen Kirchenkreises Aachen, Pfarrer Hans Christian Johnsen, leitete gemeinsam mit dem katholischen Priester Markus Frohn eine ökumenische Andacht vor dem Bauwerk. Der Aachener Superintendent Hans-Peter Bruckhoff erklärte in einer Ansprache, Christen und Muslime seien „als Gott-Suchende gemeinsam auf dem Weg, um näher an das Geheimnis des Glaubens zu gelangen“.