19. Dezember 2017

Direktor der Liebenzeller Mission

Christen brauchen mehr Mut für Mission

Der Direktor der Liebenzeller Mission, Detlef Krause. Foto: Liebenzeller Mission
Der Direktor der Liebenzeller Mission, Detlef Krause. Foto: Liebenzeller Mission

Bad Liebenzell (idea) – Christen brauchen mehr Mut, für ihre Überzeugungen einzustehen. Genauso wie man es jeder politischen Partei zugesteht, für ihr jeweiliges Programm zu werben, sollten Christen für ihre Weltanschauung missionieren. Diese Ansicht vertritt der Direktor der Liebenzeller Mission, Detlef Krause (Bad Liebenzell), in einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Ihm zufolge hat Mission leider „den Geruch der Indoktrination und Manipulation“ bekommen. Wer über seinen christlichen Glauben reden wolle, werde gleich in eine „fundamentalistische Ecke“ gestellt. Gegen diese Vorwürfe wehre er sich: „Ich werbe für den christlichen Glauben – aber jeder Mensch hat die freie Entscheidung, dazu Ja oder Nein zu sagen.“ Als Missionar biete er den Menschen das, was sie wirklich im Leben brauchten: „Versöhnung mit Gott, Vergebung ihrer Schuld, die Zusage von Gottes Gegenwart in ihrem Leben und eine Hoffnung über den Tod hinaus.“ Derzeit sei das Thema Mission allerdings selbst unter Christen zu einem „Unwort“ geworden, das viele abschrecke: „Wir sind alle vom Stimmungsbild der Gesellschaft geprägt.“ Viele Christen hätten Angst davor, in der Gesellschaft „blöd dazustehen“.

Mehr Hilfswerke als Missionswerke

Nach Krauses Worten sind manche christliche Gemeinden heute sehr diesseitsorientiert. Der Glaube werde oft nur daran gemessen, welchen Wert er für dieses Leben habe. Die Erwartung, dass Jesus Christus wiederkomme, spiele fast keine Rolle mehr. Für die Mission seien die Versöhnung mit Gott und die Erwartung von Christi Wiederkehr die wichtigsten Antriebsmotoren. Falle einer dieser Motoren aus, erlahme sie. Auch evangelikale Werke setzten heute stärker auf Bildung, medizinische und soziale Hilfe. Das werde eher akzeptiert als der Versuch, Menschen zum Glauben an Christus zu führen. Inzwischen gebe es mehr Hilfswerke als klassische Missionswerke. Zwar gehörten Mission und Diakonie zusammen, fraglich sei nur, ob dabei noch das Evangelium verkündet werde: „Letztlich überzeugt nicht die Tat einen Menschen, sondern das Wort Gottes. Wenn wir das Wort nicht mehr predigen, haben wir nicht mehr zu sagen als alle anderen Hilfsanbieter.“ Einem Menschen, der schuldig geworden ist, helfe kein Krankenhaus und keine Katastrophenhilfe. Er brauche stattdessen Vergebung seiner Schuld durch Jesus Christus. Die Liebenzeller Mission ist ein freies, evangelisches Werk in überkonfessioneller Partnerschaft. Sie hat 240 Mitarbeiter in 26 Ländern ausgesandt. Das Werk gehört zur Arbeitsgemeinschaft evangelikaler Missionen.