13. Juni 2018

Entscheidung

BAMF-Anhörung: Konvertiten dürfen ihren Pastor mitbringen

Zukünftig dürfen Konvertiten bei Anhörungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge einen Pastor oder einen anderen Gemeindemitarbeiter mitbringen. Foto: picture-alliance/dpa
Zukünftig dürfen Konvertiten bei Anhörungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge einen Pastor oder einen anderen Gemeindemitarbeiter mitbringen. Foto: picture-alliance/dpa

Berlin/Kassel (idea) – Flüchtlinge, die zum christlichen Glauben gewechselt sind, dürfen bei Anhörungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ihren Pastor oder einen anderen Gemeindemitarbeiter als geistlichen Beistand mitbringen. Das hat die Behörde in einem Schreiben an den Dachverband „netzwerk-m“ (Kassel) bestätigt. Dessen missionarisch tätige Mitgliedswerke sind zum Teil in der Arbeit mit Flüchtlingen engagiert. Der Verband führte deshalb Gespräche mit dem Bundesinnenministerium und dem Bundesamt. Dabei ging es unter anderem um die Situation ehemaliger Muslime, die sich in Deutschland taufen ließen. Ihnen droht bei einer Rückführung in ihre islamisch geprägten Herkunftsländer Verfolgung, weil dort der Abfall zum Islam unter Strafe steht. Das BAMF prüft bei den Anhörungen, wie glaubwürdig der Übertritt zum Christentum der Antragsteller auf Asyl ist oder ob er nur dazu dienen soll, die Bleibeperspektive zu verbessern. Laut netzwerk-m kam es dabei vor, dass BAMF-Mitarbeiter Fragen stellten, die selbst von langjährigen Christen nur schwer zu beantworten seien, etwa nach den Namen der zwölf Apostel Jesu. Ferner habe es „Unstimmigkeiten“ aufgrund der Übersetzung muslimischer Dolmetscher gegeben – sei es „aus Unwissenheit oder mutwillig“. netzwerk-m schlug deshalb vor, dass Konvertiten generell die Gelegenheit erhalten, sich von einem Gemeindepastor oder anderen -mitarbeiter zur Anhörung begleiten zu lassen. Laut dem Verband war es in der Vergangenheit so, dass manche Pastoren zu den Anhörungen zugelassen wurden, andere nicht.

BAMF: Die Anwesenheit eines Pastors kann „sehr hilfreich sein“

Das BAMF teilte „netzwerk-m“ mit, dass ein Pastor auf Wunsch des Asylbewerbers anwesend sein könne. Der Antragsteller müsse aber „selbst die Tatsachen vortragen, die seine Angst vor Verfolgung begründen“. Die Anwesenheit eines Pastors könne „sehr hilfreich sein“, wenn er „durch sein Zeugnis in der Anhörung dartun kann, wie der Antragsteller in der Gemeinde seinen Glauben lebt und sein Engagement für den neuen Glauben zum Ausdruck bringt“. Die jeweilige Außenstelle und der Pastor bzw. Gemeindemitarbeiter müssten bei der Durchführung der Anhörung zusammenarbeiten, so das BAMF. „Dabei sollte es keine Probleme geben, da die Verfahrensweise in der Dienstanweisung-Asyl des Bundesamtes geregelt ist.“ Der Vorsitzende von „netzwerk-m“, Gaetan Roy (Altensteig/Schwarzwald), informierte jetzt die 74 überwiegend evangelikalen Mitgliedsorganisationen in einem Schreiben über das Ergebnis der Gespräche. Roy ist Missionsleiter des Jugend-, Missions- und Sozialwerks Altensteig. Die Mitgliedswerke von „netzwerk-m“ beschäftigen rund 2.700 hauptamtliche Mitarbeiter. Außerdem engagieren sich in ihnen etwa 30.000 Ehrenamtliche.