18. Tag – Chemnitz, 16. Juni
10.30 Uhr. Chemnitz. Tino Badstübner fährt wieder den Christenbus. Bereits auf der Autobahn verfolgt ihn ein Fernsehteam. Zeitgleich sind erste Helfer dabei, vor dem Roten Turm im Stadtzentrum Partyzelte aufzubauen. Zu ihnen gehört der ehemalige Pfarrer der Lutherkirche Dieter Keucher, Tilo Reichold vom Christlichen Zentrum „Die Arche“ und Uli Täuber von der Regionalgruppe Campus für Christus. Mit einem Vorbereitungsteam von 40 Leuten haben es Chemnitzer Christen aus unterschiedlichen Gemeinden geschafft, ein komplettes Programm auf die Beine zu stellen. Auch eine Hüpfburg und andere Spielgeräte für Kinder werden aufgebaut.
11.15 Uhr. Der C-Bus (Christenbus) lädt ein zu einer Stadtrundfahrt. Der Andrang ist so groß, dass nicht alle mitgenommen werden können. Reiseleiter Dieter Keucher und Tilo Reichold erklären den Mitfahrenden die Geschichte der Stadt. Vorbei geht es am Schlossteich, dem ältesten Fischteich von Chemnitz, zur Schlosskirche und zur ältesten Kirche von Chemnitz, der Johanniskirche. Martina Groth, Kirchenbezirkssozialarbeiterin, berichtet über das diakonische Engagement in Behindertenwerkstätten, Kindergärten, Seniorenbetreuung usw. Im Rückblick auf 20 Jahre Mauerfall sagt Keucher: „Der 13. Oktober 1989 war für mich die bewegendste Zeit in meinem Pfarrerdasein.“ Man habe damals dem Neuen Forum die Kirchentür geöffnet unter der Bedingung, die Veranstaltung „in einen geistlichen Rahmen“ zu setzen. Über 4.000 Menschen seien damals gekommen. Da nicht alle Platz finden konnten, habe man im Freien Lautsprecher aufstellen müssen. „Wir konnten erleben, wie Gott diesen Abend gesegnet hat“, so der frühere Pfarrer der Lutherkirche.
12.30 Uhr. Der Platz vor dem Roten Turm füllt sich. Unter einem Zelt sitzen Frauen und Männer, die eine GOTTkennen-Karte an Rosen binden, die ein Blumengeschäft gesponsert hat. Sie sollen in der Fußgängerzone verschenkt werden. Eine geniale Idee. Unter einem anderen Zelt wird Kaffee und Kuchen ausgegeben. Auch Tische mit kostenlosen Büchern, Flyern und ideaSpektrum steht bereit.
14.30 Uhr. Der A-Bus (Atheistenbus) ist immer noch nicht da. Dafür aber das MDR-Fernsehen, MDR Radio Sachsen, ARTE, die MDR-Kirchenredaktion und der ERF. Sie stehen auf dem Platz vom C-Bus (Christenbus) und nutzen die Zeit für Gespräche und Aufnahmen. Doch dann kommt auch der A-Bus, der etwa 150 Meter getrennt vom C-Bus stehen muss. Dazwischen das riesige Einkaufszentrum Galerie Roter Turm. So wollte es die Chemnitzer Stadtverwaltung. Die Zahl der Christen ist inzwischen auf etwa 200 angewachsen. Auch eine Frau aus Bielefeld hat von der Busaktion Wind bekommen und über eine Mitfahrzentrale einen kostengünstigen Weg nach Chemnitz gesucht und gefunden. Beim A-Bus stehen (das ist bei den weißen T-Shirts offensichtlich) mehr Christen als Atheisten. Auch ein Biker aus der Vogtlandstadt Plauen ist gekommen. Er stellt seinen heißen Feuerstuhl genau vor den A-Bus, öffnet eine Tasche und verteilt Hefte vom Missionswerk Werner Heukelbach mit dem Titel „Bereit für den Tag X?“ Sein Motorrad ist eine fahrende Bibel. Unzählige Sprüche und Texte sind auf dem roten Lack zu lesen. In großen Buchstaben steht „Jesus Christus ist der Herr“ und „Die Bibel“. Erst nach etwa einer Stunde wird der Biker von den Atheisten vertrieben. Der Chef des A-Busses, Carsten Frerk, will dem ERF ein Interview verweigern, weil der evangelische Pressedienst „in unmöglicher Art und Weise“ über die Buskampagne berichtet habe. Dann sage ich zu ihm, dass er doch die nette junge Dame nicht einfach wegschicken könne. Schließlich lässt er sich auf ein Gespräch mit Regina König-Wittrin ein.
16.00 Uhr. Mit Andreas Graupner, einem Unternehmer aus dem Erzgebirge, und anderen Christen steige ich zu einer Stadtrundfahrt in den A-Bus. Carsten Frerk mokiert sich darüber, dass „ein Biker, Mutter Theresa (eine Schwester) und ein Chor (aus Amerika) ihre Aktion stören wollten“. Viele würden sagen, dass das „Pudding“ sei, was in der Klammer steht („mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“), eine „PR-mäßige Verkürzung“. Frerk weiter: „Und wenn ich dann noch sagen würde, dass ich Agnostiker bin, würde das sowieso keiner verstehen“. Für die Stadtrundfahrt hat Frerk als Reiseführer den jungen Patrick engagiert. Er stellt fest, dass „der Materialismus mit dem Karl-Marx-Denkmal seine Wiedergeburt feiert“. Außer einem Kommentar zum Nischel (Karl-Marx-Kopf), zum Krematorium und zur Technischen Universität hat die Rundfahrt nichts zu bieten. Frerk berichtet, dass der Humanistische Verband Stuttgart seine Buskampagne nicht unterstützt habe. Dennoch seien einige Leute gekommen. Dann fährt der A-Bus an einem großen Gebäude vorbei, vor dem zwei Zeugen Jehovas stehen, die den Wachtturm sichtbar in Händen halten. Das Gelächter der etwa 7 Atheisten (alles anderen Fahrgäste sind Christen) ist groß.
19.00 Uhr. Etwa 400 Christen feiern vor dem Roten Turm einen Open Air Gottesdienst. Als Kulisse dient unser weißer C-Bus. Umrahmt von bekannten christlichen Liedern predigt Tilo Reichold. Christen sollen das „Tratschen“ nicht mitmachen und „Menschen nicht nach ihrem Äußeren beurteilen“. „Gott will“, so Reichold, „dass ich allen Menschen in Liebe begegne.“ Christen sollen das „Parfüm Gottes sein“. Er ruft alle Gottesdienstbesucher dazu auf, „auch unsere Feinde zu lieben“. Er dankt allen, die an der Organisation der Veranstaltung mitgewirkt haben und wünscht dem Team des C-Busses für die letzte Etappe Gottes Segen. Dass die Chemnitzer so ein Event in kurzer Zeit vorbereiten konnten, mag wohl auch daran liegen, dass das ProChrist-Netzwerk noch gut funktioniert. Morgen geht es in die sächsische Landeshauptstadt Dresden.
Wenn Sie diesen Beitrag im Forum kommentieren möchten, dann schicken Sie eine E-Mail mit der Überschrift an: bernhard.limberg@idea.de.



