Zeugen Jehovas kommen einer Anerkennung in NRW näher
Düsseldorf (idea) – Die Anerkennung der Zeugen Jehovas als Körperschaft des öffentlichen Rechts rückt auch in Nordrhein-Westfalen näher. Am 26. Januar hatte das Mainzer Verwaltungsgericht entschieden, dass Rheinland-Pfalz der Sondergemeinschaft einen solchen Status zuerkennen muss.
Nach der 2006 in Berlin vor Gericht erstrittenen Anerkennung der Zeugen Jehovas hatten alle Bundesländer bis auf Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bremen der Religionsgemeinschaft die Körperschaftsrechte gewährt. Sie ist damit weitgehend den Kirchen gleichgestellt und könnte beispielsweise Sendezeit im öffentlich-rechtlichen Rundfunk einfordern, Religionsunterricht an öffentlichen Schulen erteilen oder konfessionelle Kindergärten gründen. Der stellvertretende Regierungssprecher in Nordrhein-Westfalen, Rudolf Schumacher (Düsseldorf), sagte gegenüber idea, das Land werde den Ausgang der Verfahren in Baden-Württemberg und Bremen abwarten. Über die Anerkennung hätte dann der Landtag zu entscheiden.
Abweichler mit Gemeinschaftsentzug bestraft
Erhebliche Bedenken äußerte der Leiter der Abteilung Ökumene im Landeskirchenamt der rheinischen Kirche, Kirchenrat Rafael Nikodemus (Düsseldorf), gegenüber idea. Die Sondergemeinschaft schränke die Freiheit ihrer Mitglieder durch eine straff organisierte Überwachung ein. Abweichler würden mit Gemeinschaftsentzug bestraft. Dies könne auch den Bestand von Ehen und Familien gefährden. Indem sich Mitglieder nicht frei für einen Ausstieg entscheiden könnten, sei die grundgesetzlich garantierte Religionsfreiheit in dieser Sondergemeinschaft nicht gewährleistet. Nikodemus zufolge lehnen die Zeugen Jehovas demokratische Wahlen ab und verzichten auf die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung. Zudem könne die grundsätzliche Ablehnung von Bluttransfusionen das Leben von Kindern gefährden. Die in den USA entstandene Sondergemeinschaft fasste Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland zunächst unter der Bezeichnung „Bibelforscher“ Fuß. Heute zählt sie hierzulande etwa 168.000 Mitglieder.
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