Wenn das Ich zum Goldenen Kalb wird

Der Facharzt für Psychiatrie, Neurologie und ärztlicher Psychotherapeut, Raphael M. Bonelli. Foto: Waldinger/Browa
Marburg (idea) – Psychologen entdecken zunehmend die Bedeutung christlicher Tugenden. Diese Ansicht vertrat Raphael M. Bonelli (Wien), Facharzt für Psychiatrie, Neurologie und ärztlicher Psychotherapeut, beim Internationalen Kongress für Psychotherapie und Seelsorge am 22. Mai in Marburg.
Laut Bonelli vertreten manche Psychologen heute die Auffassung, dass die Psychotherapie jahrelang in die falsche Richtung gelaufen sei. Sie hätten das Ich vergötzt und zum neuen Goldenen Kalb gemacht. Inzwischen beschäftigten Forscher sich stärker mit Tugenden wie Weisheit, Mut, Liebe, Gerechtigkeit, Mäßigung und Spiritualität. Dazu zählten auch der Sinn für Schönheit, Dankbarkeit, Hoffnung, Vergebungsbereitschaft und Humor. Zur Mäßigung gehöre die Demut, sich wahrheitsgemäß einzuschätzen sowie die Einsicht, dass man Gott mehr lieben solle als sich selbst.
Regionalbischöfin: Kirche verliert Monopol
Susanne Breit-Keßler, Regionalbischöfin für München und Oberbayern, sagte in einer Predigt, die Kirche habe kein Monopol mehr auf die Deutung von Leben und Sterben. Die einen Christen zögen sich deshalb in eine Nische zurück, andere passten sich so sehr an, dass sie jedes Profil verlören. Eine dritte Gruppe kämpfe gegen alles an, was nicht evangelisch zu sein scheine. Alle drei Verhaltensweisen seien unbiblisch. Wie der in Jesus Mensch gewordene Gott sollten Christen sich in die Welt begeben und mit Sachkenntnis den Diskurs pflegen. Sie müssten wachsam sein, wenn Leben abschätzig beurteilt und diskriminiert werde. Christen hätten es nicht nötig, andere zum Sündenbock zu machen. So dürfe man Homosexualität nicht für krank oder abnorm erklären.
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