Weiter Christenverfolgung im Urlaubsparadies
Male (idea) – Nach dem Rücktritt des ersten demokratisch gewählten Präsidenten der Malediven, Mohammed Nasheed, befürchtet die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) für das beliebte Urlaubsparadies eine Verschlechterung der Menschenrechte.
Das gelte, so IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin (Frankfurt am Main), auch für die religiöse Selbstbestimmung der meist muslimischen Einwohner. Medienberichten zufolge ist der frühere Diktator Maumoon Abdul Gayoom seit dem 7. Februar wieder an der Macht. Bis zur ersten demokratischen Wahl im Jahre 2008 regierte er 30 Jahre lang diktatorisch den Inselstaat im Indischen Ozean. Die Lage der Christen wird sich nach Einschätzung des Hilfswerks „Open Doors“ (Kelkheim bei Frankfurt am Main) nach dem Machtwechsel nicht verbessern. 99 Prozent der rund 320.000 Einwohner sind Muslime. Die meisten Christen sind ausländische Gastarbeiter. „Die genaue Zahl der Christen muslimischer Herkunft kann ich nicht beziffern, es dürften aber weniger als 100 sein“, erklärte die Pressereferentin des Hilfswerks, Romy Schneider, gegenüber idea. Aus Angst vor Verhaftung müssten diese Christen ihren Glauben im Verborgenen praktizieren. Laut Verfassung müsse in dem Inselstaat jeder Bürger Muslim sein. Das islamische Religionsgesetz, die Scharia, durchdringe das gesamte gesellschaftliche Leben.
Bei Religionswechsel droht Verlust der Bürgerrechte
Im September 2011 hatte das maledivische Ministerium für Staatsangelegenheiten das „Gesetz für religiöse Einheit“ aus dem Jahre 1994 verschärft. Es verbietet das Verbreiten nicht-islamischer Lehren. Muslime, die zum Christentum übertreten, verlieren ihre Bürgerrechte. Nach Angaben von „Open Doors“ werden Verletzungen des Gesetzes mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft. Ausländer, die mit Maledivern über den christlichen Glauben sprechen, werden des Landes verwiesen. So wurde ein katholischer Lehrer aus Indien Mitte Oktober 2011 unter anderem wegen des Besitzes einer Bibel ausgewiesen. Auf dem Weltverfolgungsindex von „Open Doors“ rangieren die Malediven auf Platz 6. Die Rangliste zeigt, wo Christen wegen ihres Glaubens am stärksten verfolgt und diskriminiert werden. Auch unter dem bisherigen ersten demokratisch gewählten Präsidenten Mohamed Nasheed konnte das Hilfswerk keine Verbesserung der Religionsfreiheit feststellen. Die Malediven sind eines der ärmsten Länder der Welt; Haupteinnahmequelle ist der Tourismus. Nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes machen jährlich mehr als 77.000 Deutsche auf den Malediven Urlaub. Von den 1.190 Inseln ist nur jede sechste bewohnt.
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